Kongresszentrum in Bonn

WCCB-Kosten jetzt bei 90 Millionen

Bonn. Handwerker arbeiten immer noch Mängellisten ab. Undichte Rohrleitungen in den Sanitäranlagen sind nicht alles, was darauf zu finden ist.

Der neue Kongresssaal des World Conference Center Bonn (WCCB) ist seit Juni 2015 in Betrieb. Fertig sind die Handwerker indes noch nicht. Immer noch gibt es viele Mängel, die beseitigt werden müssen. Zudem tauchen neue Schäden auf. Wie etwa in den Sanitäranlagen. Dort waren Leitungen undicht. Die Böden mussten aufgerissen werden, dabei wurden mangelhafte Rohrverbindungen festgestellt, erklärte Stadtsprecherin Monika Hörig auf Nachfrage. Aktuell liegen allein die Fertigstellungskosten bei rund 90 Millionen Euro, wie aus dem jüngsten Bericht des Städtischen Gebäudemanagements (SGB) hervorgeht.

Zur Erinnerung: Ganz am Anfang der Planungen sollten die reinen Baukosten für das gesamte WCCB (also Hotel plus Kongresszentrum) rund 100 Millionen Euro betragen. Doch das ist eine bizarre Geschichte, die in Teilen gerade auch vor dem Bonner Landgericht spielt, wo der ehemalige WCCB-Bauunternehmer auf der Anklagebank sitzt. Die WCCB-Gesamtkosten für die Stadt Bonn liegen ohnehin im Nebel, so lange Brüssel nicht über die städtische 82-Millionen-Bürgschaft zugunsten der Sparkasse entschieden hat. So kommt eines zum anderen, und die Kosten für das WCCB steigen weiter.

Für CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles, der sich kürzlich an Ort und Stelle über die laufenden Arbeiten informierte, sind die weiteren Kostensteigerungen „außerordentlich ärgerlich“. Schließlich hatte der Stadtrat das Fertigstellungsbudget für das WCCB ursprünglich auf rund 65 Millionen Euro gedeckelt. Als abzusehen war, dass diese Summe nicht einzuhalten war, erhöhte er den Kostendeckel auf 73,2 Millionen Euro. Es klingt schon fast resigniert, wenn Gilles sagt: „Die Mängel sind da, und sie müssen nun mal beseitigt werden.“ Dass die Kosten nun schon bei 90 Millionen Euro liegen und das Ende der Fahnenstange vermutlich noch nicht erreicht ist, sei vor diesem Hintergrund „keine Überraschung mehr“.

Gilles erinnerte an die Situation wenige Monate vor der geplanten Eröffnung des WCCB-Erweiterungsbaus im vergangenen Jahr. Der Termin drohte zu scheitern, weil einige Gewerke noch nicht abgeschlossen waren. Auf der Kippe stand auch die für Juni geplante UN-Konferenz mit 5000 Teilnehmern. Damals entschloss sich die Verwaltung mit Rückendeckung des Rates, einigen an der Fertigstellung beteiligten Firmen saftige Nachtragsforderungen zu zahlen, ohne sie bis ins letzte Detail überprüft zu haben.

Außerdem bewilligte sie eine sogenannte Beschleunigungspauschale. Zu den noch abzuarbeitenden Leistungen gehören laut Hörig vor allem die Fertigstellung der Gebäudeleittechnik sowie im Bereich der Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik. „Bei letzteren handelt es sich um Leistungen, die von der inzwischen insolventen Firma Imtech erbracht werden sollten“, sagte sie. Diese Leistungen seien inzwischen an neue Fachunternehmen vergeben worden, sie sollen „nun sehr kurzfristig“ zum Einsatz kommen.

„Das ist natürlich ein Dilemma, weil die Firma Imtech nicht mehr greifbar ist und wir sie nicht in Regress nehmen können“, sagte Gilles. Wegen der andauernden Mängelbeseitigung ist auch noch nicht die formale Übergabe des neuen Konferenzgebäudes an die WCCB-Betreibergesellschaft Bonn CC erfolgt. Diese Verzögerung habe aber keinerlei Auswirkungen auf den laufenden Betrieb.

Johannes Schott (Bürger Bund) kritisierte die bisher nicht erfolgte Übergabe an den Betreiber als „Hängepartie“ und befürchtet, dass noch viele weitere Schäden auftreten werden und das WCCB am Ende „ein Fass ohne Boden wird“. Gegenüber dem neuen Kongresssaal, im ehemaligen Plenarsaal-Gebäude, soll demnächst eine neue Baustelle eingerichtet werden: Die aus dem Jahr 1990 stammende Küche muss grundsaniert werden. Kosten: 2,7 Millionen Euro. 90 Prozent davon sollen mit Bundesmittel finanziert werden. Ein entsprechender Förderantrag sei gestellt, die Zusage stehe aber noch aus, sagte Hörig. Die Möglichkeit, stattdessen bei Veranstaltungen auf die neue Catering-Küche im Kongresssaal zurückzugreifen, bestehe nicht. Dafür reichten dort die Kapazitäten nicht aus.