Kommentar zur Protestaktion

Vorwurf trifft nicht zu

Nach wie vor besetzt ist das Haus an der Rathausgasse 16 im Viktoriakarree.

Nach wie vor besetzt ist das Haus an der Rathausgasse 16 im Viktoriakarree.

Bonn. Eine Hausbesetzung ist ein Straftatbestand. Punkt. Unverständlich ist es deshalb, dass sich offenbar einige Stadtverordnete mit der illegalen Aktion der Hausbesetzer solidarisieren.

Zu den Fakten: Man kann sich durchaus über die Pläne von Signa streiten. Oder darüber spekulieren, ob die Nichtverlängerung der Mietverträge aus taktischen Gründen erfolgt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Signa für seine Immobilien Entscheidungen treffen kann, die es für richtig hält. Abgesehen davon, dass der Vorwurf einer aggressiven Leerstandspolitik auch nicht zutreffend ist. Denn bekanntlich hat Signa der Stadt immerhin zehn Wohnungen zur Unterbringung von rund 60 Flüchtlingen zur Verfügung gestellt.

Man kann sich aber auch darüber streiten, ob mit dem Aus für das Blow Up im Viktoriakarree das Ende des Bonner Nachtlebens droht. Oder ob der bisherige Zustand des Karrees mit dem seit Jahren geschlossenen Schwimmbad wirklich so erhaltenswert ist. Angesichts der Erfahrungen mit den folgenlos gebliebenen Bürgerwerkstätten in der Vergangenheit kann man aber auf jeden Fall hinter der nun geplanten Werkstatt für das Viktoriakarree viele Fragezeichen setzen.

Man muss sich ernsthaft fragen, ob die Stadt nicht doch besser mit Signa – immerhin Eigentümerin des Gros der Gebäude im Karree – in einem Boot geblieben wäre, um die Pläne für ein Einkaufszentrum und für die dringend benötigte Bibliothek der Universität weiterzufolgen. Viele Kritikpunkte an der Planung hätte man über den Bebauungsplan noch lösen können. Vergossene Milch. Jetzt drohen vielmehr Jahre des Stillstands. Und das kann ganz gewiss nicht im Sinne der Stadt Bonn und ihrer Bürger sein.