Millionengrab in Bonn

Vorwürfe wegen Kostenexplosion bei Beethovenhalle

Bonn. Die Verantwortlichen der Stadt Bonn müssen sich heftige Vorwürfe anhören, weil die Sanierung der Beethovenhalle immer teurer wird. Ein Ende der Kostenexplosion ist nicht in Sicht.

Drei Verantwortungsträger im Kreuzfeuer: Stadtdirektor Wolfgang Fuchs, SGB-Chefin Marion Duisberg und Projektsteuerer Andreas Fröhlich haben am Mittwochabend versucht, dem Beirat zur Sanierung der Beethovenhalle die erneute Kostenexplosion auf Bonns derzeit teuerster Baustelle zu erklären. Schelte kassierten sie dabei sowohl aus der Opposition als auch aus der Koalition. Helmut Redeker (SPD) etwa kritisierte die Steigerung als schlicht „horrend“, während Tom Schmidt (Grüne) von einer „schrecklichen Wundertüte“ mit immer neuen bösen Überraschungen sprach.

Stadtrat gab ursprünglich nur 61,5 Millionen Euro frei

Die aktuelle Prognose liegt laut Stadt bei 95 Millionen Euro (mit anteiliger Umsatzsteuer). In der letzten Beiratssitzung Ende Juni hatte die Stadt noch 87 Millionen Euro gemeldet; ursprünglich hatte der Rat nur 61,5 Millionen Euro freigegeben. „Der Baugrund ist schlecht, die Konstruktion ist zum Teil schlecht und weicht von den Bestandsplänen ab“, umriss Marion Duisberg, die kommissarische Leiterin des Städtischen Gebäudemanagements (siehe: „Wer macht was?“), die Ursachen. Deshalb seien unerwartet Ertüchtigungen und Rückbauten nötig. So musste die marode Decke über der Restaurantküche komplett entfernt werden.

Anderes Beispiel: Das Erdreich unter den denkmalgeschützten Mauern des früheren Studios mussten Fachfirmen mit Mikropfählen und Hochdruckinjektionen stabilisieren, bevor der Untergrund ausgeschachtet werden kann – dort soll das Beethoven Orchester später proben. „Wir haben größere Massen bei den Rohbaufirmen, die dann Nachtragsforderungen stellen“, erläuterte Duisberg. Damit stiegen auch die Kosten für beteiligte Planungsbüros. Dazu kommt die angespannte Marktlage: Die Baufirmen können hohe Preise durchsetzen.

Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Schmidt gab sich damit nicht zufrieden. Wie es denn sein könne, dass die Prognose in nur zwei Monaten um acht Millionen Euro in die Höhe schnelle, hakte er nach: „Müssen wir das etwa in zwei Monaten wieder in derselben Dimension erwarten?“ Das sei eine gute Frage, pflichtete Wolfgang Fuchs bei, der als Stadtdirektor die politische Verantwortung für das Projekt trägt. „Ich habe das mal überschlagen“, sagte er. „Dann würden wir am Ende bei 150 Millionen Euro landen – was natürlich nicht sein darf.“

Andreas Fröhlich vom Projektsteuerer Drees & Sommer erklärte, dass die „Abweichungen sich nicht erst in den letzten Monaten ergeben“ hätten. Die Logik am Bau, erläuterte SGB-Chefin Duisberg, sei eine andere: Werden zum Beispiel unerwartete Hohlräume im Untergrund entdeckt, schreiben die dadurch ausgebremsten Firmen eine Behinderungsanzeige.

Daraus werden später sogenannte Nachträge, also Geldforderungen. Erst wenn die vom SGB überprüft worden seien, könne man sie in die offizielle Kostenprognose einfließen lassen. Schmidt forderte trotzdem, zumindest eine geschätzte Summe zu erwartender Kostensteigerungen zu nennen. Stadtdirektor Fuchs versprach, man werde das „aufarbeiten“. Henriette Reinsberg allerdings hielt dagegen: „Ich warne vor Prognosen ohne verifizierte Zahlen“, betonte die CDU-Politikerin. Das könne bei den 15 ausstehenden Ausschreibungen eine Einladung an die Baufirmen sein, noch höhere Preise zu verlangen.

Nach den Rohbauarbeiten soll es besser werden

Fröhlich und Duisberg versuchten, die Sorgen des Beirats zu dämpfen: Sobald die Rohbauarbeiten abgeschlossen seien, werde es weniger Probleme geben. „Die Ausbaugewerke arbeiten dann im fertigen Rohbau“, so der Projektsteuerer. „Ich bin überzeugt, dass es keine solchen Kostensprünge mehr geben wird.“ Trotzdem sei mit neuen Nachträgen zu rechnen, schränkte die SGB-Chefin ein. Aktuell liegen Forderungen von rund 4,7 Millionen Euro vor, die geprüft werden und noch nicht in der Prognose enthalten sind.

Kritik gab es im Beirat an der spät erkannten Sanierungsbedürftigkeit der Klais-Orgel im großen Saal. Sie muss unter anderem aus Brandschutzgründen mit neuen Kabeln, Relais und Schaltern ausgestattet werden. Zusammen mit weiteren Arbeiten kostet das rund 400 000 Euro. Reinsberg: „Daran hätte man vorher denken müssen.“

Bernhard Wimmer (Bürger Bund Bonn) rügte scharf, dass die Stadt den Vertrag mit dem Restaurantpächter in der Beethovenhalle verlängert hat, ohne ihn an den hohen Sanierungskosten für Küche und Gastraum zu beteiligen. „Schade, dass Steuerverschwendung kein Straftatbestand ist“, erklärte Wimmer bissig.