Mit Thomas Reiter ins All

Vortrag im Bonner Verteidigungsministerium

Erfahren im All: Astronaut Thomas Reiter, der heutige ESA-Koordinator für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, 2015 mit dem Modell eines Sentinel-1 Satelliten.

Erfahren im All: Astronaut Thomas Reiter, der heutige ESA-Koordinator für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, 2015 mit dem Modell eines Sentinel-1 Satelliten.

Bonn. Der Mars ist wieder in. Der rote Planet, rund 370 Millionen Kilometer entfernt von der Erde, fasziniert erneut ein Publikum jenseits der Fachwissenschaft. Hollywood lieferte vor zwei Jahren das passende Leinwandspektakel.

Darin trotzt Matt Damon heldenhaft den widrigen Bedingungen auf dem ziemlich trostlosen, zerklüfteten und eisigen Himmelskörper. Wirklichkeit hingegen sollen die Pläne von Elon Musk werden. Der Tesla-Chef plant bemannte Marsmissionen – ungeachtet der Bedenken von Fachleuten. Wer ein Faible für die Möglichkeiten einer Eroberung des Weltraums hat, sollte sich den 29. November vormerken. Dann nämlich ist Thomas Reiter Gast des Verteidigungsministeriums und spricht dort um 19 Uhr zu „aktuellen Perspektiven der astronautischen und robotischen Raumfahrt in Europa“.

Und dass Musk spätestens 2024 Menschen auf den Mars schicken kann, bezweifelt der ehemalige Astronaut Reiter. Es seien noch „einige technische Probleme zu lösen“, sagte Reiter im März in einem Interview des Magazins „t3n – digital pioneers“. Zum Beispiel die Strahlenbelastung. „Man braucht allein für den Hinflug sieben Monate, und auch auf der Marsoberfläche ist die Belastung im Vergleich zur Erde viel größer, da der Mars kein Magnetfeld und nur eine dünne Atmosphäre besitzt. Es besteht also ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko.“

Auch könne man nicht so einfach Ressourcen für zwei Jahre mitnehmen: „Wenn Sie Menschen für längere Zeit dort hochschicken wollen, brauchen Sie regenerative Systeme etwa für die Ernährung, Sauerstoff- und Trinkwasserversorgung. Diese Technologien sind aber noch in einem sehr frühen Stadium. Und wenn etwas passiert, können Sie nicht mal eben schnell umkehren. Von der internationalen Raumstation kann man innerhalb von drei Stunden zurück auf der Erde sein. Beim Mars reden wir von zweieinhalb Jahren.“

Die Stimme von Thomas Reiter hat in der internationalen Community der Astrowissenschaft Gewicht. 1995 und 2006 unternahm er zwei längere Missionen ins All, das erste Mal zur Weltraumstation MIR, das zweite Mal zur Internationalen Raumstation ISS. Er ist damit der europäische Astronaut mit der längsten Weltraumerfahrung, was ihn auch zu einem gefragten Vortragsredner macht.

Mit der Stippvisite auf die Hardthöhe kehrt Reiter zu seinen beruflichen Wurzeln zurück. Vor seiner Karriere als Astronaut war er Jagdbomberpilot der Bundeswehr. Höhenflüge waren also schon immer seine Leidenschaft. Sein in doppelter Hinsicht einzigartiger Aufstieg hat ihn aber nicht blind für die Realitäten gemacht. So verlockend die Fantasien einer Marsbesiedlung auch seien, die technisch gestützte Erkundung des Weltraums werde auch weiterhin unverzichtbar bleiben. Unter dem Stichwort „robotische Raumfahrt“ will der spannende Entwicklungen aufzeigen.

350 Tage im All

Der 1958 geborene Reiter wurde nach dem Abitur Berufssoldat. Nach einem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr durchlief er eine Ausbildung zum Jagdbomber- und Testpiloten. 1992 wurde er für das Astronautenteam der European Space Agency (ESA) ausgewählt. 1995 absolvierte er während seines Langzeitaufenthalts auf der Raumstation MIR die ersten beiden Außenbordeinsätze eines deutschen Raumfahrers. Die Raumfähre „Discovery“ brachte ihn im Juli 2006 auf die „International Space Station“ (ISS). Hier erfüllte er das 36 Experimente umfassende ESA-Forschungsprogramm „Astrolab“ und absolvierte erneut einen Weltraumausstieg.

Damit kann er auf insgesamt 350 Tage im All zurückblicken und ist der erfahrenste und bisher einzige europäische Astronaut mit zwei Langzeitmissionen. 2007 wechselte Reiter in den Vorstand des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), danach war er Leiter des ESA-Direktorats für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb mit Sitz in Darmstadt und verantwortete Europas Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS. Heute ist Reiter „ESA-Koordinator internationale Agenturen“ und Berater des Generaldirektors.

Der Vortrag findet um 19 Uhr im Bundesministerium der Verteidigung, Fontainengraben 150, im Moltke-Saal statt. Interessierte müssen sich bis 21. November per E-Mail an roland.heckenlauer@gsp-sipo.de anmelden. Unbedingt mitzubringen ist zum Vortragsabend ein Ausweisdokument, da sonst kein Einlass in die Kaserne gewährt werden kann. Nähere Informationen unter www.gsp-sipo.de.