Kommentar

Vor den Kopf gestoßen

Höhepunkt des Bonn-Festes: Große und kleine Besucher stimmen auf dem Platz vor dem Alten Rathaus Beethovens "Ode an die Freude" an.

Höhepunkt des Bonn-Festes: Große und kleine Besucher stimmen auf dem Platz vor dem Alten Rathaus Beethovens "Ode an die Freude" an.

Bonn. In die Zufriedenheit des Einzelhandels über den Erfolg des Bonn-Fests mit Zigtausenden Besuchern am vergangenen Wochenende mischen sich auch Wermutstropfen. Bonnorange forderte im Vergleich zu den Vorjahren für die Müllentsorgung das Dreifache.

Die Verärgerung des Vereins City-Marketing über die plötzliche Verdreifachung der Kosten für die Müllentsorgung ist verständlich. Da stellen die Kaufleute und Gewerbetreibenden in der Bonner Innenstadt ein Fest auf die Beine, das Tausende Besucher von nah und fern anlockt, und werden regelrecht vor den Kopf gestoßen. Dabei steht außer Frage, dass der Verein einen Beitrag an den Müllentsorgungskosten zu tragen hat und ja auch will. Schließlich findet das Bonn-Fest nicht ganz uneigennützig statt, sondern es soll ja auch für den Handel und das Gewerbe in der Innenstadt werben.

Auf den zweiten Blick muss man aber deutlich sagen: Der Verein City-Marketing trägt mit seinen Veranstaltungen wie dem Bonn-Fest seit Jahren maßgeblich dazu bei, dass die Innenstadt Bonns attraktiv und die Urbanität der Bundesstadt trotz Internetanbietern wie Amazon, Zalando und Co. erhalten bleibt. Der Verein betreibt also ein Stück weit Marketing- und Imagearbeit für Bonn, die der ganzen Stadt zugutekommt, letztlich auch dem Stadtsäckel durch höhere Gewerbesteuereinnahmen. Und das verdient – in welcher Form auch immer – Unterstützung seitens der Stadt Bonn.

Dass das städtische Unternehmen Bonnorange hier rein betriebswirtschaftlich vorgegangen ist und offensichtlich ohne Absprache mit der städtischen Wirtschaftsförderung noch nicht einmal den Versuch unternommen hat, eine für alle Seiten tragfähige Lösung zu finden, verdient deshalb Kritik. Abgesehen davon, dass man die Verdreifachung der bisher in Rechnung gestellten Summe für die Müllentsorgung nicht nachvollziehen kann. Eine in der Tat ärgerliche Geschichte, die so überhaupt nicht zu den Lobeshymnen passt, die die städtische Wirtschaftsförderung in ihren Hochglanzbroschüren gern über sich selbst singt.