Historischer Rückblick

Vor 40 Jahren besuchte Jimmy Carter Bonn

US-Präsident Jimmy Carter nimmt ein Bad in der Menge.

US-Präsident Jimmy Carter nimmt ein Bad in der Menge.

Bonn. Vor 40 Jahren: Der damalige US-Präsident Jimmy Carter bedenkt Bonn bei seinem Besuch mit Komplimenten. Seine Tochter verziert das Goldene Buch der Stadt mit einer Micky Maus.

Tochter Amy wippt ungeduldig auf den Zehenspitzen und betrachtet dabei die Menschenmenge auf dem Marktplatz, während ihr Vater Jimmy Carter große Worte spricht: „Alle Menschen werden Brüder“, ruft der Präsident den 8 000 Bonnern an diesem 14. Juli 1978 zu. Er weiß, dass ein paar deutsche Worte eines amerikanischen Präsidenten deutsche Herzen öffnen und in die Geschichte eingehen können.

Die Bonner bereiten Jimmy Carter, seiner Frau Rosalynn und Tochter Amy einen großen Empfang. Dazu strahlt die Sonne wie bestellt. Auf der Rathaustreppe verspricht der US-Präsident den Bürgern: „Mein Land wird ihr Land verteidigen, als wäre es das unsrige.“

In der Innenstadt heißt es an diesem Freitag: „Wir wollen Jimmy gucken.“ Bis zu 8 000 Bonner kommen nach den Schätzungen der Polizei in die City, um einen Blick auf den amerikanischen Präsidenten zu erhaschen oder ihm gar die Hand schütteln zu können.

Bürgermeister Hans Steger begrüßt Carter am Alten Rathaus und wagt es, in seiner Rede einen empfindlichen Punkt zu berühren: „Wir alle hoffen, daß Berlin bald wieder Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands sein wird.“ Das gibt Pfiffe, aber die einzigen beim Carter-Besuch vor dem Rathaus. Der US-Präsident dagegen verteilt Komplimente an Bonn: Die Stadt sei schön und grün und angenehm, und er könne jetzt verstehen, warum Adenauer Bonn zur provisorischen Hauptstadt gemacht hat: Hier am Rhein könne die Demokratie besonders gut gedeihen.

Carter trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein und auch seine Tochter Amy, die ihre Unterschrift mit einer Micky Maus verziert. Amy bekommt als Geschenk ein Paket mit dem Bonner Kussmund – von der Zahnbürste bis zum T-Shirt.

Während der Papa mit dem Bundeskanzler Helmut Schmidt konferiert, besuchen Amy und ihre Mutter das Beethovenhaus. Auch dabei machen die beiden Damen eine gute Figur.

Grund für den Staatsbesuch ist der Sieben-Nationen-Wirtschaftsgipfel. Die Repräsentanten der sieben mächtigsten Wirtschaftsnationen beraten am 16. Juli im Palais Schaumburg unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Während Jimmy Carter und Helmut Schmidt mit ihren Gästen debattieren, unternehmen die First Ladies der USA und Deutschlands, Rosalynn Carter und Hannelore Schmidt, eine romantische Rheinreise mit der „Köln“ nach Linz.

Auf dem Weg winken tausende Menschen dem Staatschef zu. Nichts fehlt an diesem Tag, um den amerikanischen Traum von Rheinromantik und deutscher Gemütlichkeit zu erfüllen: Schlösser und Burgen in strahlendem Sonnenschein, Blaskapellen zum Empfang, eine amtierende Weinkönigin, Böllerschüsse beim Passieren der hübschen Winzerdörfer an beiden Ufern und zuletzt die traurige Ballade vom Mägdlein auf der Loreley, die aus den Schiffslautsprechern tönt.