Möglicher Umzug des Pantheon

Vom Bonn-Center in die Beethovenhalle?

Blick vom Dach des Bonn-Centers: Unten sieht man den Eingang zum unterirdischen Pantheon. Als ein Gebäudeteil, der früher an der Straße stand, abgerissen wurde, durfte das Theater trotzdem bleiben. FOTO: OTTERSBACH

Blick vom Dach des Bonn-Centers: Unten sieht man den Eingang zum unterirdischen Pantheon. Als ein Gebäudeteil, der früher an der Straße stand, abgerissen wurde, durfte das Theater trotzdem bleiben.

BONN. Weil der Pantheon-Mietvertrag zum Juni 2016 gekündigt ist, wird nach Alternativen gesucht. Die Kammerspiele scheiden dabei aus Kostengründen aus.

Die Großen waren alle hier. Ob Dieter Hildebrandt, Helge Schneider oder Ina Müller: Wer im deutschen Kabarett Rang und Namen hat, ist irgendwann schon einmal im 1987 gegründeten Pantheon aufgetreten. Doch seit das Bonn-Center verkauft worden ist, steht die Zukunft der unterirdischen Kleinkunstbühne, die jährlich rund 100 000 Besucher hat, in den Sternen. Die Firma Art Invest Real Estate hat den Mietvertrag zum Juni 2016 gekündigt. Seit Wochen wird deshalb nach Alternativen gesucht, während der Spielbetrieb normal weiterläuft.

Eine Variante, die von der Stadtverwaltung ins Spiel gebracht worden war, ist allerdings schon wieder vom Tisch: Als neuer Nutzer in die Godesberger Kammerspiele zu ziehen, kommt für Pantheon-Chef Rainer Pause nicht in Frage. "Das wäre viel zu teuer für uns", sagt er. Das Gebäude hat bekanntlich einen millionenschweren Sanierungsstau, und auch die Betriebskosten sind hoch. Unter anderem deshalb hat die Stadtverwaltung vorgeschlagen, die städtische Schauspielbühne in Godesberg aufzugeben.

Interessanter ist für Pause das Studio im Nebentrakt der Beethovenhalle, das ungefähr die Besucherkapazität des Pantheons hat. Auch das bietet die Stadt an. "Da gibt es aber noch viele offene Fragen", reagiert die künstlerische Leiterin Martina Steimer vorsichtig. Man prüfe diese Möglichkeit ebenso wie andere vorliegende Angebote. Noch hofft das Pantheon-Team allerdings, bleiben zu können. Die neuen Eigentümer hätten Gesprächsbereitschaft signalisiert, so Steimer. Ob die Kündigung zurückgenommen wird, hängt sicher davon ab, welcher Hauptmieter später ins Bonn-Center einzieht. Ein Vertragsabschluss mit der Zurich-Versicherung war nach GA-Informationen greifbar nahe, sie entschied sich aber für einen Umzug nach Köln.

Mit anderen Mietern liegt Art Invest Real Estate im Streit. "Wir stehen in Verhandlungen", sagt Anwalt Christoph Kapitza, der den Augenarzt Marco Plicht vertritt. Der soll bis Juni 2015 ausziehen, weigert sich allerdings, sofern er keinen finanziellen Ausgleich erhält. Denn nach Kapitzas Ansicht greift das Sonderkündigungsrecht nicht, und Plicht möchte nur ungern die etablierte Adresse am Bundeskanzlerplatz abgeben. Kapitza beruft sich auf eine Klausel, die das Sonderkündigungsrecht aushebelt. "Das Sonderkündigungsrecht gibt es, um neue Entwicklungen nach dem Kauf aus einer Insolvenz zu ermöglichen", so Kapitza. Deswegen konnten die Investoren, die das Center samt Grundstücken aus der Insolvenzmasse übernahmen, den Mietern kündigen. Das gelte laut Kapitza aber nicht, wenn der Insolvenzverwalter selbst den Mietvertrag unterschrieben habe. Das sei bei Plicht passiert.

Vor drei Jahren hat der Arzt die Praxis in der sechsten Etage übernommen. Der Vertrag stammt also aus der Zeit, als das Bonn-Center zur Insolvenzmasse gehörte. Mindestens ein weiterer Arzt ist in der selben Situation. "Diese Praxis gibt es seit Dekaden, deshalb möchte Plicht ungern gehen", erklärt Kapitza. Er ziehe in Betracht, übergangsweise eine zweite Praxis zu eröffnen und nach einer Sanierung oder einem Neubau an den Bundeskanzlerplatz zurückzuziehen. Die Eigentümer wollen "eine einvernehmliche Lösung finden".

Die Stadtverwaltung beabsichtigt, dem Rat vor der Sommerpause die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal zu empfehlen. "Vorrangiges städtebauliches Ziel sollte eine der Zentralität dieses Standortes in der baulichen Dichte angemessene Dienstleistungsnutzung sein", sagt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Konkret: Weil aus städtischer Sicht die Freiflächen für den Büromarkt begrenzt sind, soll das Grundstück weiter für Büros genutzt werden.