Verkehrssicherheit für Radfahrer

Viele Stellen in Bonn sind besonders kritisch

Fahrradkontrolle der Bonner Polizei

Fahrradkontrolle der Bonner Polizei

BONN. Die Polizei meldet für 2016 so viele Radlerunfälle in Bonn wie nie zuvor. Jüngster Unfall: Am Montag wurde eine Radfahrerin an der Kreuzung Suttner-Platz/Belderberg von einem Auto erfasst. Die Polizei ermittelt noch zur Ursache.

„Ich passe doch auf!“ Diesen Satz hört das Team um Alexander Neuhaus, Leiter des Verkehrsdienstes bei der Bonner Polizei, häufig von Radfahrern. Dann nämlich, wenn sie ein Stoppschild überfahren haben, über eine rote Ampel gefahren oder in der Fußgängerzone nicht abgestiegen sind. „Viele sind sich der Gefährlichkeit ihres Tuns nicht so bewusst wie Autofahrer; sie haben das Gefühl, dass sie alles selbst in der Hand haben“, erklärt Neuhaus. Und: „Das Unrechtsbewusstsein ist bei einigen Radfahrern nicht besonders hoch.“ Darüber hinaus seien viele der Überzeugung, dass sie im Vergleich zum Auto der schwächere Verkehrsteilnehmer seien – und lediglich sich selbst gefährdeten.

Ein Trugschluss, wie der 52-Jährige feststellt. „Wenn zum Beispiel ein Autofahrer reagieren und ausweichen muss, weil sich ein Radfahrer nicht an die Verkehrsregeln hält, hat er eventuell sein Fahrzeug nicht mehr vollständig im Griff.“ Deshalb hat die Polizei neuralgische Punkte im Blick, an denen zwar nicht auffällig viele Unfälle geschehen, an denen es aber laut Polizei dennoch besonders kritisch ist. Der Bertha-von-Suttner-Platz gehört ebenso dazu wie die Kennedybrücke. Diesen Montag kam es an der Kreuzung Suttner-Platz/Belderberg zu einem Unfall mit einer Verletzten. Eine 53-jährige Radlerin wurde von einem Auto erfasst, als sie aus der Friedrichstraße Richtung Kennedybrücke fuhr. Die Polizei ermittelt noch zur Ursache.

Eben diese Stelle passieren pro Jahr mehrere Millionen Radler, sagt Alberto Coppola, Leiter der Direktion Verkehr. Sogenannte Unfallhäufungsstellen mit Radfahrern gebe es in Bonn nach seiner Aussage übrigens nicht – gefährliche Routen hingegen schon. Zum Beispiel an der Oberen Wilhelmstraße in Beuel: Dort komme es laut Polizei zu vielen Unfällen bei Regen, wenn Radfahrer mit den Reifen in die Schienen geraten oder darauf ausrutschen. „Das passiert aber nicht nur an einer Stelle, sondern auf der kompletten Straße.“ Oder auch auf der Kennedybrücke: Dort haben die Beamten vor allem die Brückenköpfe im Blick, allerdings kann es auch auf der Beueler Hermannstraße gefährlich werden.

Der Bertha-von-Suttner-Platz ist, was die Zahl der Unfälle angeht, nach Polizeiangaben unauffällig. Und dennoch: „Dort passiert zwar nicht viel, aber es ist eine schwierige Stelle“, meint Neuhaus und spielt besonders auf die Ecke Suttner-Platz/Belderberg an. Gerade weil es dort kritisch ist, „sind alle aufmerksam“. Eigentlich könne man sagen, „dass der Ber-tha-von-Suttner-Platz bis zum Konrad-Adenauer-Platz eine neuralgische Stelle ist.“ Gefährlich wird es aber auch in der Friedrichstraße, ergänzt Thomas Giershausen von der Führungsstelle Direktion Verkehr. Denn weil die Situation am Suttner-Platz so unübersichtlich sei, weichen viele Radler auf die Friedrichstraße aus. Spreche man mit Geschäftsleuten und Fußgängern dort, „ist es teilweise sehr gefährlich, wie dort Rad gefahren wird“.

Dass die Kontrollen notwendig sind, zeigt ein Blick in die Statistik. Denn die Zahl der verunglückten Radfahrer ist im vergangenen Jahr enorm gestiegen – von 689 auf 745. Das gilt sowohl für die Anzahl der leicht verletzten (von 602 auf 625), als auch für die schwer verletzten Radler (von 82 auf 115). „So viele haben wir in Bonn noch nie gehabt“, sagt Coppola. Dabei gehe es nicht nur um das Fehlverhalten von Autofahrern. „Es erhöht die Gefahr, wenn sich die Radfahrer nicht an die Regeln halten.“ Und das komme nicht selten vor: „Wir stellen bei ihnen mehr Verstöße fest als bei Fußgängern oder Autofahrern.“ Eine Erklärung dafür hat Coppola auch parat: „Der Vorteil des Rades reduziert sich, wenn man sich an die Straßenverkehrsordnung hält.“ Fahre man also nicht auf dem Bürgersteig am Stau vorbei, halte am Zebrastreifen, am Stoppschild oder der roten Ampel an, sei man nicht mehr so schnell. „Anhalten ist unpraktisch. Das ist aber überall auf der Welt so“, stellt er fest.

Doch wie kann man dem entgegentreten? „Letztendlich helfen nur Kontrolldruck und die Ahndung des Fehlverhaltens.“ Dabei gehe es allerdings nicht darum, „nur“ die Radfahrer zu kontrollieren, betont Coppola. „Es geht um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, egal in welcher Form sie unterwegs sind.“