Haltestelle am Stadthaus

Viel Geld für den Umbau einer Bahnstation

Aufgrund der Baumaßnahmen müssen SWB Bus und Bahn in den Sommerferien vom 29. Juni bis 11. August die Linienwege der Straßenbahnen 61/62 ändern.

BONN. 5,4 Millionen Euro sind viel Geld für den Umbau einer Haltestelle. "Sie wird zukünftig von Stadtbahn und Straßenbahnzügen angefahren werden können", rechtfertigt die Stadtverwaltung die hohen Kosten für Haltestelle am Stadthaus, die bis Anfang 2016 fertig sein soll.

Sie werden zu 90 Prozent vom Land NRW übernommen und spiegeln die schwierige Lage in der Innenstadt wieder. "Sie stellt hohe Ansprüche an die Logistik, da der zur Verfügung stehende Platz sehr begrenzt ist", sagt Elke Palm vom Presseamt. Fast alle Lieferungen könnten nur auf die Baustelle kommen, um dann direkt verbaut zu werden.

Zudem nehme man Rücksicht auf den Berufsverkehr, Sperrungen von Fahrspuren gebe es daher nur von 6 bis 14 Uhr in Richtung Friedhof und von 9 bis 15 Uhr in Richtung Rhein. Welche Bauabschnitte die größten Kostentreiber sind, konnte die Stadt nicht sagen.

Stephan Hackel und Stefan Pieper vom Tiefbauamt haben allerdings einen Überblick, welche Arbeiten am aufwendigsten sind: Die zwölf Meter hohen Masten, der Aufzug und der kombinierte Bahnsteig. "Die Masten sollen bis Ende April stehen, dann wird auch der Flachbahnsteig provisorisch eröffnet", sagt Pieper. Ab diesem Zeitpunkt können die Bahnen wieder am Stadthaus halten, der Hochbahnsteig soll im Herbst einsatzbereit sein.

Zur Zeit sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, die Fundamente für die Masten, die Beleuchtung, das Glasdach über dem Bahnsteig und die Stromleitungen, vorzubereiten. Mehrere mindestens sechs Meter lange Pfosten wurden dafür schon in den Boden gerammt, um später als Verankerung zu dienen. "Die Pläne für die Rohrleitungen unter der Baustelle sind aus den 70er Jahren und nicht genau genug", erklärt Hackel. Deshalb mussten Hauptleitungen ausgegraben und neu vermessen werden, um sie später nicht anzubohren. Sogar der Kampfmittelräumdienst war da und untersuchte das Erdreich.

Weil die Baustelle ständig von Bahnen passiert wird, ist der Platz stark begrenzt. Obwohl die Haltestelle deutlich länger als eine klassische ist, weil sie Hoch- und Flachbahnsteig miteinander verbindet. "Das ist eine logistische Meisterleistung, alles just-in-time heranzukarren", sagt Hackel. Wegen des Bahnverkehrs wird die gemeinsame Maßnahme von Stadt und Stadtwerken Bonn durch Sicherheitsposten wie Lars Fregien und Georg Lehmann bewacht. Sie achten auf die Züge und geben durch ein Horn Warnsignale.

Kleine Verzögerungen wirkten sich schnell auf den gesamten Baufortschritt aus. Wenn die Masten aufgestellt werden, muss eine Fahrbahnseite komplett gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Erst wenn sie stehen, können die Züge die Haltestelle anfahren.

"Die alten Stromtrassen werden auf die neuen Masten umgelegt", sagt Pieper. Sie sind übrigens identisch mit denen, die schon an der Kennedybrücke stehen. "Das ist ein gestalterischer Aspekt", so Hackel. Der Betriebsraum der Stadtwerke liegt mitten unter der Kreuzung in einem ehemaligen Fußgängertunnel, alle Leerrohre dorthin müssen ebenfalls liegen, weil die Erde später nicht mehr aufgerissen werden kann. Zudem kann die Kälte ein Problem sein. "Noch haben wir viele Erdarbeiten und liegen im Zeitplan, aber wenn wir den Beton gießen, darf es nicht stark frieren", erklärt Stefan Pieper. Sonst würde das Wasser gefrieren und der Zement an Festigkeit verlieren.

Den Aufzug aus Glas und Stahl, der die Platte vor der Stadthaus auch vom Bahnsteig aus mit dem Rollstuhl erreichbar machen soll, ist derzeit noch ein Fundament. Er ersetzt die früheren Rolltreppen, die schon demontiert sind. "Hier ist die ganze Technik teuer", sagt Hackel. Die Treppen werden später an derselben Stelle bleiben wie jetzt, für den Aufzug wird ein zusätzlicher Steg gebaut.