Dienstfahrten der Stadt

Verzicht auf privaten Chauffeurdienst bringt 220.000 Euro

Nur OB Nimptsch fährt noch einen Dienstwagen, den er aber selbst zahlt.

BONN. Achim Weber hat Recht behalten. Die Erwartungen des Leiters des städtischen Organisationsamtes wurden sogar noch übertroffen. Denn nicht nur 100.000 Euro, wie er einst annahm, sondern satte 220.000 Euro pro Jahr konnte die Stadt Bonn bisher sparen, weil sie seit 2011 auf einen eigenen Fahrerpool samt Autos verzichtet.

Stattdessen hat die Stadtverwaltung einen privaten Chauffeurdienst engagiert, der die ehrenamtlichen Bürgermeister und die Beigeordneten zu den verschiedenen Terminen kutschiert.

Allein Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hat aufgrund seiner vielfältigen auswärtigen Verpflichtungen Dienstwagen und Chauffeur behalten, wobei er dem städtischen Presseamt zufolge die Leasingraten für das Fahrzeug aus seiner privaten Schatulle bezahlt.

Die Umstellung auf den privaten Chauffeurdienst und eine intensivere Nutzung von Bus und Bahn sowie Taxen hat also letztlich zur sechsstelligen Einsparungssumme geführt. Weil der Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister im Frühjahr des nächsten Jahres ausläuft, will die Stadt nun den Auftrag neu ausschreiben, wie aus einer entsprechenden Vorlage für den Bau- und Vergabeausschuss hervorgeht.

Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Petra Merz, die sich einst als Mitglied des Bau- und Vergabeausschusses maßgeblich für diese Umstellung eingesetzt hat, erinnert an die Widerstände von einst und lobt Weber für die Umsetzung dieser Maßnahme. "Das zeigt doch, wie an vielen Stellen in der Verwaltung durchaus große Sparpotenziale zu finden sind", sagt sie.

Ex-Bürgermeister Helmut Joisten (CDU) hat nur positive Erfahrung mit dem privaten Chauffeurdienst gemacht. "Die Fahrer waren stets pünktlich und zuverlässig", sagt der Poppelsdorfer, der mit Ende der vorigen Wahlperiode im Mai aus dem Stadtrat ausgeschieden ist. "Ich war oft auch zu Fuß zu den Terminen unterwegs, musste aber hin und wieder auf den Chauffeurdienst zurückgreifen", sagt er.

Und warum reicht das Taxi für längere Wege nicht aus? "Die Bürgermeister haben oftmals mehrere Jubiläumstermine hintereinander, dann können sie nicht mit drei Blumensträußen in der Hand zu den Leuten gehen", meint Joisten. Wenn es sich um Termine handelte, die längere Zeit in Anspruch nahmen, habe er die Fahrer stets weggeschickt und den Heimweg mit dem Taxi oder ÖPNV angetreten.

"Wenn sich alle dran halten, spart das unterm Strich viel Geld", weiß er. Auch die Verwaltung führt den Zeitfaktor unter anderem als Grund an, warum ein völliger Verzicht auf private Chauffeurdienste nicht sinnvoll sei.