Südüberbauung Bonn

Verwaltung hat große Bedenken gegen Investor

Der Gebäudekomplex gegenüber dem Hauptbahnhof soll abgerissen, das Areal neu bebaut werden.

05.03.2012 Bonn. Das Projekt Südüberbauung steht auf tönernen Füßen. Stadtbaurat Werner Wingenfeld und Alfred Beißel vom Liegenschaftsamt der Stadt Bonn haben jedenfalls große Bedenken, ob man mit den Investoren für die neue Südüberbauung zu einem guten Ende kommen kann.

Auch wenn sich Wingenfeld dem General-Anzeiger gegenüber am Freitag noch vorsichtig optimistisch äußerte: Aus nicht-öffentlichen Unterlagen, die dem GA am Wochenende zugingen, geht hervor, dass er den Stadtrat im Vorfeld seiner Entscheidung auf viele Widersprüche aufmerksam gemacht hat.

In der Beschlussvorlage für die nicht-öffentliche Sitzung heißt es: "Im Ergebnis können auch die letzten Verhandlungen nur eingeschränkt als vertrauensbildend bezeichnet werden. Auf Seiten der Verwaltung bestehen weiterhin Bedenken in Bezug auf die persönliche Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der auf Investorenseite handelnden Personen." Andere Angaben seien "durch die Verwaltung in keiner Weise nachprüfbar", heißt es. Wie berichtet, hat der Rat am Donnerstag lediglich mit Stimmen von CDU und Grünen die Verwaltung beauftragt, den Kaufvertrag mit den Investoren bis zur Beurkundung weiterzuverhandeln.

Alle anderen Fraktionen lehnten weitere Verhandlungen mit Sevenheck ab. Die Stadt soll aber laut Beschluss mehrere Rücktrittsrechte und Sicherheiten in den Verträgen festhalten: Unter anderem soll der Investor 1,3 Millionen Euro als Bürgschaft für das Bauvorhaben hinterlegen. Die Verwaltung weist aber ausdrücklich darauf hin, dass diese Summe "im Worst Case", also im schlimmsten anzunehmenden Fall, "nicht sichert, dass tatsächlich das Hochbauvorhaben auch im Sinne der Stadt beendet wird, da hierzu die Bürgschaftssumme nicht hoch genug ist".

In einem Aktenvermerk vom Montag vergangener Woche weist Beißel auf einige Widersprüche und Unklarheiten in der Verhandlung mit den Investoren und ihren Anwälten hin. So werde etwa als Eigenkapital, das die German Development Group (GDG) des niederländischen Projektentwicklers Roger Sevenheck nachweisen muss, angegeben, dass die 16,1 Millionen Euro "inklusive Mieteinnahmen" zu verstehen seien. Auf Nachfrage Beißels sei ihm mitgeteilt worden, dass die Investoren vorhätten, als erste Maßnahme das Untergeschoss fertigzustellen, um damit Mieteinnahmen erzielen zu können.

Andererseits teilte die finanzierende HSH Nordbank mit, sie zahle ihren Anteil an der Investitionssumme, die insgesamt bei rund 66 Millionen Euro liegt, erst bei Nachweis des Eigenkapitals aus. Beißel betont, dies würde sich ihm nicht erschließen, wie Sevenheck sein Eigenkapital nachweisen wolle, wenn dieses sich doch auch aus Einnahmen aus zukünftigen Mieteinnahmen generiere.

Bedenken hat Beißel wohl auch im Hinblick auf das "zukünftige Schicksal der Immobilie". Rogier Albrecht, einer der finanzkräftigen Gesellschafter der GDG aus Amsterdam, habe "keine verbindliche Aussage" darüber machen wollen, ob das Maximilian Center, das auf dem Bahnhofsvorplatz gebaut werden soll, vor oder nach Fertigstellung veräußert werden soll. Denn aus Sicht der Stadt wäre ein Wechsel des Vertragspartners mit Risiken verbunden. Insgesamt, so urteilt Beißel, sei die ganze Verhandlungsführung "nahezu skandalös".

Sein Fazit: "Die nur scheibchenweise sich verändernde Position des Investors wird auch mit zunehmendem Entscheidungsdruck auf politischer Seite nicht aufgegeben, sondern es zeigt sich leider, dass gemachte Aussagen zurückgenommen werden und alles andere als vertrauensbildend gearbeitet wird." Indes haben Sevenheck und seine Gesellschafter in den Tagen vor der Ratssitzung noch jede Menge Nachweise über ihre Liquidität erbracht. Roger Sevenheck war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (Cem Akalin)