Stadthäuser oder Einzelhandel im Viktoriakarree?

Verkehrslösungen enttäuschen

BONN. Mit sehr unterschiedlichen Konzepten gehen zwei Investoren in den Wettbewerb um die städtischen Immobilien zwischen Franziskaner Straße, Stockenstraße, Rathausgasse und Belderberg. Die Stadt habe bei der europaweiten Ausschreibung bewusst wenig inhaltliche Vorgaben gemacht, sagte Alfred Beißel, Leiter der Stabsstelle Liegenschaftsmanagement.

Gesetzt war vor allem, dass rund 6000 Quadratmeter für die Philologische Bibliothek der Universität Bonn geschaffen werden müssen. Während die Hochtief Projektentwicklung mit dem Bonner Architekten Albert Leorato auf den Innenflächen Stadthäuser vorsieht, legt die Signa Development Deutschland mit Matthias Pfeifer vom Architekturbüro RKW bei ihren Plänen einen eindeutigen Schwerpunkt bei der Schaffung von mehr Einzelhandelsflächen. Indes: Der Schwerpunkt der Diskussion bei der gestrigen Bürgerinformation im Bonner Ratssaal, zu der rund 70 Interessierte kamen, lag bei den verkehrlichen Konzepten, und diese, so resümierte Bonns Verkehrsplaner Helmut Haux, gefielen beide nicht.

Verkehr: Hochtief ändert an der verkehrlichen Situation praktisch nichts. Am Belderberg ist eine Zu- und Abfahrt für eine Tiefgarage für die künftigen Bewohner des Quartiers vorgesehen. Ansonsten bleiben die beiden Rampen zur Marktgarage bestehen. Und diese möchten Politik und Verwaltung eigentlich gerne weg haben. Auch der Masterplan Innere Stadt plädiert dafür, dass die Stockenstraße sowie die Zeile Rathausgasse/Am Hof in Zukunft autofrei werden soll. "Das ist nicht lösbar", sagte der Verkehrsplaner der Hochtief. In ihrem Konzept wird die Verkehrsführung in der Franziskanerstraße in Richtung Belderberg umgekehrt.

Die Signa-Planer lassen die Rampe an der Stockenstraße zwar verschwinden, schaffen dafür aber eine weitere Zu- und Abfahrt in der Rathausgasse, über die man in die zukünftige neue und in die Marktgarage einfahren kann. Es sei eine politische Abwägung, so Pfeifer, ob es der Stadt so viel wert sei, beide vorhandenen Tiefgaragenrampen zurückzubauen. Für diesen Fall habe Signa bei der Stadt eine Alternative vorgelegt: eine Zu- und Abfahrt für beide Tiefgaragen von der Hofgartenseite unter dem Stockentor her. Doch diese Option sei wesentlich teurer - und würde aus dem Verkaufserlös für die städtischen Immobilien finanziert.

Städtebauliche Konzepte: Bei ihrem städtebaulichen Konzept stehe der "behutsame Umgang mit vorhandenen Strukturen" im Vordergrund, so Leorato. Die Hochtief wolle das Areal mit Einzelhandel und Gastronomie "harmonisch ergänzen". Der Innenhof, "grausam zum Parkplatz mutiert", soll für die Stärkung des innerstädtischen Wohnens mit einigen Stadtvillen bebaut werden. Auch viel Grün ist vorgesehen. Die Leseplätze der Bibliothek ordnen sich zum Innenhof hin. Lesesaal und Bücherregale werden getrennt durch das denkmalgeschützte bunte Glasfenster, das die Außenmauer des früheren Viktoriabads zum Belderberg hin bildet.

Das Fenster belässt Pfeifer dort, wo es ist. Man wolle es in Zukunft beleuchten. Signa-Geschäftsführer Reimund Siegl beruft sich bei seinem Konzept, etwa 15.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche zu schaffen, auf das Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Danach muss Bonn wesentlich mehr Einzelhandel schaffen, um den Anschluss an die Nachbarkommunen nicht zu verpassen. Siegl ist fest entschlossen, sein Konzept umzusetzen. Mittlerweile gehöre dem Unternehmen nicht nur das frühere Dahm-Haus an der Ecke, sondern noch eine ganze Reihe weiterer Immobilien. Der Eingang in die Einkaufszeile würde über die Ecke Rathausgasse/Stockenstraße erfolgen. Vorgesehen sind ein Elektromarkt, zwei, drei große Textilgeschäfte und mehrere kleinere "internationale Marken".