GA-Serie "Mobil in der Region"

Verkehrsexperte Monheim rechnet mit Seilbahn für Bonn

Bonn. Ist es nur ein Traum? Oder eine spinnerte Idee? Eine Seilbahn schwebt lautlos aus dem Bundesviertel in Richtung Venusberg. So mancher Politiker hat vor Jahren lauthals darüber gelacht, als dieses Projekt das erste Mal in den politischen Gremien der Stadt diskutiert wurde.

Heute tingelt Professor Heiner Monheim von Vortrag zu Vortrag und erhält viel Anerkennung für seine konkreten Vorstellungen von einer urbanen Seilbahn, die vor allem auf den Straßen für Entlastung sorgen soll. Selbst die lange geforderte Machbarkeitsstudie ist im Januar auf den Weg gebracht worden. Ergebnisse will das beauftragte Büro VSU (Beratende Ingenieure für Verkehr, Städtebau, Umweltschutz) in Herzogenrath Ende des Jahres vorlegen.

Straßen zu den weiter wachsenden Unikliniken gibt es nicht besonders viele. Wer aus Meckenheim kommt, fährt über Ippendorf zum Arbeitsplatz. Der Rest – egal ob aus dem Bonner Süden oder Norden – muss über Poppelsdorf den Hang hinauf und steht im Berufsverkehr meist eine Zeit lang vor roten Ampeln. Auch der Bus. Die Gondel käme aber in wenigen Minuten vom WCCB über einen möglichen Zwischenstopp am im Bau befindlichen Bahnhaltepunkt „UN-Campus“ an den Kliniken an.

Wer schon mit der eher touristisch ausgelegten Seilbahn in Koblenz gefahren ist, kann sich das System gut vorstellen. Denn auch als Transportmittel im Nahverkehr hängen an einem umlaufenden Seil zahlreiche große Kabinen, die bis zu 36 Fahrgästen Platz bieten. Fahrräder passen auch rein, die Anlage wäre behindertengerecht. So muss niemand lange warten, alle 34 Sekunden kommt eine neue Gondel im Bahnhof an. Stationen kann es laut Monheim mehrere geben: Post Tower, Bahnhof hinter der Museumsmeile, vielleicht sogar der Hindenburgplatz in Dottendorf und schließlich die Bergstation. Vor allem am „UN-Campus“ kommen zahlreiche Verkehrsströme wie Stadtbahn, Bundesbahn, Busse und auch Autos zusammen.

Das Projekt würde ungefähr 54 Millionen Euro kosten, schätzt der Verkehrsexperte. Andere meinen, schon 40 Millionen Euro werden reichen. Würde die Seilbahn über den Rhein zu Telekom und „BonnVisio“ verlängert, ist mit dem Doppelten zu rechnen. Straßen sind um ein Vielfaches teurer: Der Ennertaufstieg soll etwa 250 Millionen Euro Baukosten verschlingen, der Venusbergtunnel sogar 400 Millionen. Parkplätze kosten auch und bringen mehr Autos in die Stadt.

Für Monheim wäre es der Königsweg, dass eine Seilbahn durchaus ein wenig kurvig durch Straßen geführt werde – also durch öffentlichen Raum. Ähnlich der Wuppertaler Schwebebahn. Das ist zwar technisch möglich, doch die Fahrgäste könnten dann den Leuten hinter den Fenstern zuwinken. Schweben die Kabinen aber über private Häuser und Gärten, müssen die Anwohner am Boden gefragt werden. Laut Monheim ein Risiko. Am liebsten wäre ihm eine unverfängliche Streckenführung vom Venusberg zur Rheinaue und dann zur (und über die) Südbrücke. Doch der große Wunsch, UN-Campus und Deutsche Welle anzubinden, wäre dann nicht möglich. Mal sehen, zu welcher Trasse die Machbarkeitsstudie kommt. Verkehrsplaner Helmut Haux sieht als Lösung nur das Seil über den Dächern. Natürlich müssten die Bürger gefragt werden. Die Stadt plant aktuell die erste Bürgerinformation; der genaue Termin steht noch nicht fest.

Wie es um das technische Know-How für Seilbahnen bestellt ist, zeigt ein Blick in Skigebiete: Dort bauen Firmen wie Doppelmayr und Leitner solche Anlagen mit Links. Die Bonner könnte in gut einem halben Jahr fertig sein, heißt es bei den Unternehmen. Urbane Seilbahnen gibt es etwa in Manizales (Kolumbien), Ankara (Türkei), London und La Paz (Bolivien) – sie sind dort so selbstverständlich wie Busse. Das wäre später auch in Bonn so, denn die Seilbahn soll nach bisherigen Überlegungen in den Nahverkehr integriert werden. So soll das Projekt Bestandteil des ÖPNV-Bedarfsplans sein, wobei bis zu 90 Prozent der Baukosten vom Land bezuschusst werden könnten.

Monheim ist sich sicher: Die Bonner Seilbahn würde weltweites Aufsehen erregen. Für Touristen wäre sie dann auch noch interessant. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass mittlerweile auch schon andere deutsche Städte über ein solches Verkehrsmittel nachdenken. Zum Beispiel Wuppertal mit den Stationen Hauptbahnhof, Campus Grifflenberg und Schulzentrum Süd. Gleichwohl gibt es dort Ärger zur Trassenführung und eine sich wehrende Bürgerinitiative. Bekommt Bonn nun irgendwann seine Seilbahn? „Ich glaube, ja“, sagt Monheim.