Oberbürgermeisterkandidaten in der Pauluskirche

Verkehr, Bäder und die City interessieren

Hunderte Besucher hören sich in der Pauluskirche an, was die drei OB-Kandidaten zu Bad Godesberger Themen zu sagen haben. FOTO: RONALD FRIESE

Hunderte Besucher hören sich in der Pauluskirche an, was die drei OB-Kandidaten zu Bad Godesberger Themen zu sagen haben.

FRIESDORF. Über mangelndes politisches Interesse konnten sich die Bonner Oberbürgermeisterkandidaten wahrlich nicht beklagen: Rund 500 Zuhörer strömten am Dienstagabend in die Friesdorfer Pauluskirche, um an einer Gesprächsrunde mit Ashok-Alexander Sridharan (CDU), Peter Ruhenstroth-Bauer (SPD) und Tom Schmidt (Die Grünen) teilzunehmen

Zu der Veranstaltung hatte die Evangelische Thomasstiftung Bad Godesberg eingeladen.

"Es ist fast wie Weihnachten", begrüßte Pfarrer Siegfried Eckert die Zuhörer, die sich auf den Bänken und zahlreichen zusätzlich herangeschafften Stühlen drängten, darunter auch der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Drohende Bäderschließungen, der Verkehr, die Bad Godesberger Innenstadt - es waren vor allem die lokalen Themen des Stadtbezirks, die, moderiert von GA-Mitarbeiterin Ebba Hagenberg-Miliu, diskutiert wurden.

Ein Thema, das die anwesenden Bürger umtreibt, ist die wieder ins Gespräch gebrachte Südtangente und der rechtsrheinische Ennertaufstieg. Gegner des Lückenschlusses zwischen der A 3 und der A 565 wie der Verein "Lebenswerte Siebengebirgsregion", Befürworter wie die IHK Bonn/Rhein-Sieg, die Vertreter Bonns und der Nachbarkommunen sollten sich an einen Tisch setzen und eine Mobilitätsstrategie für die Zukunft entwickeln, forderte CDU-Kandidat Sridharan.

Das Konzept sei 40 Jahre alt, so SPD-Kandidat Ruhenstroth-Bauer. "Bonn als wachsende Stadt braucht Verkehrskonzepte." Die sollten aber eher auf den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad setzen. Als eine "Phantomdiskussion ähnlich wie die um das Festspielhaus" bezeichnete Grünen-Kandidat Schmidt die Debatte.

Auch die Bäderfrage brennt vielen Godesbergern auf den Nägeln. Schwimmbäder einfach zu schließen, zerstöre Strukturen und damit auch das Stadtleben, so Ruhenstroth-Bauer. Die Stadt müsse mit Vereinen, Initiativen und Unternehmen das Gespräch suchen, so könne wohl auch eine Lösung für das Kurfürstenbad gefunden werden. "Es muss ein neues Kombi-Bad geben, das für Bad Godesberger und Bonner gut zu erreichen ist, also auf der linken Rheinseite liegt", sagte Sridharan.

Kurfürstenbad und das Bonner Frankenbad müssten seiner Meinung nach dann geschlossen werden. "Die Friesdorfer waren der Verein, der nicht nur protestiert hat, sondern auch sofort mit anpacken wollte", so Schmidt. Wie schon in anderen Kommunen praktiziert, sollten die Vereine, auch was die Sportplätze betrifft, stärker in die Verantwortung genommen werden. Der Grüne betonte: "Wenn ich OB werde, wird es innerhalb des ersten Jahres den ersten Mustervertrag der Stadt mit einem Verein geben."

Weiteres aktuelles Thema: die Bad Godesberger City. Sie sei in den vergangenen Jahren von Verwaltung und Politik vernachlässigt worden, so Schmidt. "Wir brauchen einen Masterplan Bad Godesberg." Die jetzt beschlossene Zentralisierung von Bürgerämtern und Bibliotheken verstärke diese Entwicklung noch, ergänzte Ruhenstroth-Bauer. "Wenn ein Stadtteil umkippt, wird uns das am Ende deutlich mehr kosten als wir einsparen", sagte er. "Es ist nicht so, dass Godesberg tot ist", erwiderte Sridharan. Die City werde oft schlechter dargestellt als sie sei.

Bleibt abzuwarten, welcher der drei Kandidaten das interessierte Publikum überzeugen konnte, ihm die Stimme bei der Wahl am 13. September zu geben.