Altenhilfe in Bonn

Vergebliche Suche nach einem freien Kurzzeitpflegeplatz

In Bonner Seniorenheimen fehlen Fachkräfte.

In Bonner Seniorenheimen fehlen Fachkräfte.

Bonn. Auch in vielen Bonner Seniorenheimen macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Die Stadt Bonn stockt die Zahl der Ausbildungsplätze auf.

Wer zu Hause Angehörige pflegt, kennt das Problem nur zu gut: Da wird man selbst krank oder möchte in Urlaub fahren und benötigt deshalb einen Kurzzeitpflegeplatz für seine Lieben. Doch die sind immer schwerer zu finden. Zum einen, weil die Nachfrage enorm wächst, zum anderen, weil nicht nur Kliniken, sondern auch viele Seniorenheime zunehmend an Personalmangel leiden.

So kommt es immer öfter vor, dass Pflegeheime gar keine Kurzeitpflegegäste mehr aufnehmen wollen, weil das Personal gerade einmal für die Bewohner ausreicht, die auf Dauer in dem Haus leben.

Das Waldkrankenhaus in Bad Godesberg hat bereits vor mehr als zehn Jahren diese Entwicklung kommen sehen. Im Zuge der Pflegereform „ambulant vor stationär“ mit dem Ziel, die häusliche Pflege pflegebedürftiger Menschen und deren Angehörige zu unterstützen, gründete das Krankenhaus deshalb schon 1998 eine eigene Kurzzeitpflege-Station. 2018 lag die Auslastung bereits bei über 90 Prozent, sagt Stationsleiterin Jaqueline Bajeska. Die Nachfrage steigt. „Es sind überwiegend ältere Menschen, bei denen etwa nach einem stationären Krankenhausaufenthalt eine pflegerische Versorgung im häuslichen Umfeld nicht sichergestellt ist. Oft entscheidet sich in der Kurzzeitpflege, wie die weitere Versorgung im Anschluss gestaltet wird“, erläutert Bajeska. Laut der Sozialdienste von Krankenhäusern und Angehörigen müssten mittlerweile bis zu 40 Einrichtungen nach einem Platz für die Kurzzeitpflege abgefragt werden. Teilweise sogar ohne Erfolg, weiß Bajeska.

Umwandlung in Einzelzimmer

Marc Biedinger bestätigt diese Entwicklung. Der Betriebsleiter der städtischen Seniorenheime sorgt sich generell um die Angebote von Pflegeplätzen für Senioren – ob sie sie kurz oder dauerhaft benötigen. „Der Nachfragebedarf steigt erheblich“, sagt Biedinger. So sind allein in Bonn Biedinger zufolge durch die vom Gesetzgeber erlassene Vorschrift, dass mindestens 80 Prozent der Heimplätze Einzelzimmer sein müssen, rund 1000 Plätze verloren gegangen. Dazu komme der generelle Mangel an qualifizierten Fachkräften. „Auch wir haben versucht, im Ausland wie in Spanien, Griechenland oder Bosnien Kräfte anzuwerben“, sagt Biedinger. Doch nicht zuletzt der Spracherwerb und die in Deutschland geltenden Qualifikationsvoraussetzungen hätten sich für die meisten Kandidaten als zu hohe Hürden erwiesen. Eine Kandidatin, die das Anerkennungsverfahren erfolgreich absolviert habe, habe er anschließend an die Chirurgische Abteilung eines Krankenhauses verloren.

„Wir gehen inzwischen lieber den Weg, unseren Nachwuchs verstärkt selbst auszubilden.“ So seien die Auszubildendenstellen in den städtischen Seniorenzentren von einst zwölf auf 24 aufgestockt worden. Ziel sei es, 30 Pflegekräfte auszubilden.

„Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber“, sagt Biedinger selbstbewusst. So setzten die Seniorenzentren der Stadt Bonn zunehmend auf Digitalisierung, um die Prozessabläufe effizienter gestalten zu können. Ein Vorurteil sei auch, dass die Pflegefachkräfte schlecht bezahlt würden: „Bei uns verdient ein Azubi 1000 Euro brutto im ersten Lehrjahr. So viel, wie in keinem anderen Ausbildungsberuf“, so Biedinger.