Bonner Staatsanwaltschaft

Verfahren gegen CoJoBo-Pater endgültig beendet

BONN. Die Ermittlungen gegen einen Pater des Collegium Josephinum Bonn (CoJoBo) sind endgültig beendet. Der Generalstaatsanwalt in Köln hat eine Beschwerde gegen den Einstellungsbeschluss der Bonner Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, mit der die Familien zweier ehemaliger Schüler des katholischen Jungengymnasiums die Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen wollten.

Bei den Ermittlungen ging es um den CoJoBo-Sanitätsdienst, der erkrankten Schülern in Einzelfälllen Zäpfchen verabreicht hatte. So soll der beschuldigte Pater bei einem damals Elfjährigen ohne Einwilligung der Eltern ein Zäpfchen eingesetzt haben.

Einen 15-Jährigen, der unter Bauchschmerzen litt, tastete der Lehrer unterhalb des Hosenbundes ab. In beiden Fällen seien keine sexuellen Motive erkennbar, erklärte Ulrich Boden, der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Es handele sich auch nicht um Körperverletzung.

Das Abtasten sei nach Einschätzung eines Gutachters "eine mögliche Methode" der Untersuchung. Der Generalstaatsanwalt habe die Akten der Bonner Staatsanwaltschaft intensiv geprüft, nachdem diese "äußerst umfangreich ermittelt" habe, so Boden. Der Rechtsanwalt der beiden Familien habe die Entscheidung des Generalstaatsanwaltes akzeptiert.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren im Sommer 2012 mangels Beweisen eingestellt. Das Vorgehen des Paters sei zwar "medizinisch falsch und objektiv untragbar" gewesen, sagte Behördensprecher Fred Apostel damals. Aber strafrechtlich relevant sei es nicht.

Seit Januar 2012 ist der Pater suspendiert. Das Erzbistum Köln entpflichtete ihn zudem als Schulseelsorger. "Jetzt bin ich erleichtert, dass das Verfahren offenbar eingestellt ist", sagte Schulleiter Peter Billig. Er hoffe, dass der Pater bald ans CoJoBo zurückkehren könne.

Darüber werde der Redemptoristenorden als Schulträger in Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln sowie dem Erzbistum entscheiden. Billig bedauert, dass "viele Verletzungen" zu beklagen seien: beim Pater, den Schülern, den Lehrern, für die die Ermittlungen belastend gewesen seien. Das Medikamentenkonzept des Sanitätsdienstes, geleitet von Jürgen Langer, dem zweiten CoJoBo-Pater, bleibt laut Billig ausgesetzt und wird überarbeitet.