Verkehr

Venusberg: Bürgerinitiative fordert Kreisel statt Seilbahn

Anfällig für Rückstaus: Die Robert-Koch-Straße (Mitte) ist an der Einmündung zur Straße Im Wingert (rechts) durch eine Ampel geregelt und wird oft zum Nadelöhr.

Anfällig für Rückstaus: Die Robert-Koch-Straße (Mitte) ist an der Einmündung zur Straße Im Wingert (rechts) durch eine Ampel geregelt und wird oft zum Nadelöhr.

Bonn. Die Bürgerinitiative "Bonn bleibt seilbahnfrei" hält den Bau von Kreisverkehren hinauf zum Venusberg für zielführender als eine Lifttrasse. Die Stadt sieht die Priorität im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“ macht sich in einem Bürgerantrag für den Bau dreier Kreisverkehre auf den Venusberg stark. Vor dem Marienhospital an der Kreuzung Robert-Koch-Straße/Im Wingert soll einer entstehen. Die beiden anderen in Form von hintereinander geschalteten kleinen Kreiseln an den Kreuzungen Röttgener/Buchholzstraße und Buchholzstraße/Gudenauer Weg in Ippendorf. Ziel dieser neuen Verkehrsführung ist es, den Autoverkehr an den belasteten Knotenpunkten hinauf zum Universitätsklinikum im Fluss zu halten.

„Erst danach sollte über die Notwendigkeit einer millionenteuren und weitgehend wirkungslosen Seilbahn entschieden werden. Sonst ginge man den zweiten Schritt vor dem ersten“, sagte Dieter Haschke von der Bürgerinitiative. Diese hält diese Eingriffe „für eine vollständige Lösung für den angeblichen Stau in der Rushhour auf der Robert-Koch-Straße, Höhe Im Wingert.“

Die Idee ist nicht ganz neu. Bereits vor einigen Jahren hatte derselbe Gutachter, der die Machbarkeitsstudie für die Seilbahn ausgearbeitet hat, erklärt, die genannten Kreisverkehre könnten den Verkehr „verflüssigen“. Damals untersuchten die Verkehrsplaner von Verkehr, Städtebau und Umweltschutz GmbH (VSU) und Intraplan die Auswirkungen auf den Verkehr nach dem Ausbau auf dem Klinikgelände mit dem Eltern-Kind-Zentrum (Elki-Studie).

Das Elki soll Ende 2018 bezogen werden. Die Seilbahngegner fragen in Richtung Verwaltung, warum aus diesen Plänen nichts geworden ist. Wie die Stadt mitteilte, steht derzeit nur der Kreisverkehr am Gudenauer Weg im Kreisverkehrsprogramm, allerdings das Geld für den Bau nicht im Haushalt hinterlegt: „Beide Kreisverkehre könnten gegebenenfalls punktuell die Verkehrssituation verbessern. Das grundsätzliche Problem der – perspektivisch steigenden – Verkehrsbelastung zum Venusberg und auf den Zulaufstrecken inklusive Lärm und Abgasen können sie nicht lösen“, so Stadtsprecherin Monika Hörig. Aus Sicht der Verwaltung sei es sinnvoll, zunächst den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs an zugehen und im Anschluss die Bedürfnisse ans Straßennetz anzupassen, sagte Hörig weiter.

Anwohner lehnen Kreisel ab

Die Anwohnerinitiative Venusberg unterstützt den Ausbau des ÖPNV, lehnt den Kreiselbau allerdings ab: „Das Ziel der Anwohnerinitiative ist, die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs auf den Venusberg“, sagte deren Mitglied Barbara Dreymann. Die Kreisverkehre zögen zusätzlichen Autoverkehr an. „Die Seilbahn würde hier unter den gutachterlich genannten Bedingungen nicht nur den Verkehr auf den Venusberg, sondern in ganz Bonn entlasten.“ Dreymann betont auch den ökologischen Nutzen einer Seilbahn.

Der Direktor der Uniklinik, Wolfgang Holzgreve, hält den Bau der Kreisverkehre für eine sinnvolle Sache. „Da aber ein Kreisverkehr auf keinen Fall das Verkehrsaufkommen zum Venusberg insgesamt reduziert, widersprechen wir vehement der Fehlannahme, dass dadurch der dringende Bedarf für eine Seilbahn verändert würde“, erklärte Holzgreve. Der kontinuierliche Anstieg der ambulanten Patienten im UKB sei in erster Linie mit einer Seilbahn zu bewältigen.

Bürgerausschuss tagt

Die VSU als Hauptgutachter der Machbarkeitsstudie Seilbahn ist zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Seilbahn den Verkehr auf den Venusberg grundsätzlich entlasten kann. Laut Gutachter Thomas Baum würden mindestens 7000 Fahrgäste ein solches Verkehrsmittel nutzen, wenn es über die angedachte Nordtrasse am Hindenburgplatz in Dottendorf vorbeiführte. Er geht davon aus, dass der für 2030 prognostizierte Verkehr mit täglich 20.500 Autos um wenigstens acht Prozent oder 1640 Fahrzeuge entlastet würde. Die Zahlen könnten allerdings auch weitaus höher liegen. Gutachter Thomas Baum schätzt, dass die Entlastung des Pkw-Verkehrs bei 20 Prozent liegen könnte, wenn der Bau einer Seilbahn in ein vernünftiges Mobilitätsmanagements eingebettet wäre.

Der Bürgerausschuss wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 31. August, mit dem Antrag beschäftigen. Er tagt ab 18 Uhr im Stadthaus.