GA-Serie "Bonner Köpfe"

Uwe Scherer - der gute Geist des Stadtrats

Uwe Scherer ist zwar meistens in den Sitzungssälen unterwegs, aber auch an der Theke der kleinen Ratskneipe ist er in seinem Element.

Uwe Scherer ist zwar meistens in den Sitzungssälen unterwegs, aber auch an der Theke der kleinen Ratskneipe ist er in seinem Element.

Bonn. Uwe Scherer arbeitet seit fast 40 Jahren als Butler für die Stadtverordneten und Verwaltungsmitarbeiter im Stadthaus. Er gilt als der gute Geist des Bonner Stadtrats.

Wenn Uwe Scherer nächstes Jahr in die passive Altersteilzeit wechselt, hinterlässt er eine Lücke. Eine große Lücke, die wohl kaum jemand so schnell füllen kann. Uwe Scherer (61) ist seit rund 40 Jahren Herr über Wohl und Wehe der Stadtverordneten und Verwaltungsmitarbeiter, wenn sie sich im Stadthaus unter der Woche täglich zu Sitzungen und Gesprächsrunden oftmals bis in die späten Abendstunden treffen.

„Mein Dienstgrad ist Ratsbutler“ sagt er und lacht. Für viele andere ist er schlichtweg der gute Geist des Rats. Offiziell ist Scherer als Verwaltungsangestellter dem städtischen Hauptamt zugeordnet und für den Service rund um die Rats- und Ausschusssitzungen zuständig. Dieser Job ist dem gelernten Kellner und waschechten Beueler wie auf den Leib zugeschnitten. „Anderen Menschen zu dienen, das war für mich Berufung“, sagt der 61-Jährige, während er wie beinahe jeden Abend in der Küche am Ratssaal Kaffee kocht.

In wenigen Minuten kommen die Stadtratsmitglieder zur Sitzung, da müssen die Getränke bereitstehen. Kaffee und Tee schenkt Scherer nach wie vor Tasse für Tasse aus – stets korrekt im Sakko und Krawatte gekleidet. Kein Tropfen geht daneben. Einfach nur Thermoskannen auf den Tisch zu stellen, wie es in anderen Stadt- und Rathäusern vielleicht längst üblich ist, nein, das entspricht nicht seinem Niveau. „Ich bin eben noch vom alten Schlag. Das gehört sich so.“

Man merkt, Uwe Scherer hat seinen Job von der Pike auf gelernt. Unter anderem hat er bei Steigenberger und im Hotel Bristol gearbeitet. Der Sohn eines Tankstelleneigentümerpaars in Beuel hat dann aber, als er seine spätere Frau Monika kennenlernte, entschieden umzusatteln. „Ich wollte immer Kinder und mir war klar, das passt nicht mit der Arbeit eines Kellners zusammen.“ Er kündigte und heuerte bei den Stadtwerken an – als Straßenbahnfahrer. 1981 wechselte er zur Stadt Bonn, der Job in der Ratsküche war gerade frei geworden. Seither sind diese Küche und das kleine Büro nebenan sein Reich. Sie sind auch Anlaufstelle für die Kommunalpolitiker und Kollegen, die bei ihm stets ein offenes Ohr finden.

Scherer, ein echt bönnscher Jung' mit viel Humor, kennt viele Geschichten der Menschen, die sich eigentlich nur noch einen Kaffee bei ihm holen wollen und ihm dann ihm quasi zwischen Tür und Angel ihr Herz ausschütten. Sie wissen genau, Scherer, so gesprächig er meistens ist, ist in solchen Fällen absolut diskret. Aber die Geschichte des Stadtverordneten, der vor seinen Augen auf dem Flur einen Herzinfarkt erlitt, die erzählt er dann doch. Natürlich ohne Namen zu nennen. „Das ist meine schrecklichste Erinnerung“, sagt Scherer. Der Mann überlebte, nicht zuletzt dank des umsichtigen Handelns des Ratsbutlers.

Oft erlebt der 61-Jährige auch lustige Dinge. Einmal, da war Hans Daniels noch ehrenamtlicher Oberbürgermeister und Leiter einer nicht enden wollenden Sitzung, erhielt er vom OB die Order, Bundeswehrsoldaten, die Daniels im Stadthaus begrüßen wollte, zu vertrösten. Als Scherer, wie immer korrekt in Schlips und Kragen, den Raum betrat, in dem die Soldaten warteten, wurde er mit militärischen Ehren begrüßt. Sie hatten ihn für den OB gehalten. „Das fand ich lustig, aber ich habe die Soldaten natürlich sofort aufgeklärt“, sagt Scherer und schmunzelt. Er ist einer, der Hierarchien in Ordnung findet, und seinen Vorgesetzten stets mit Respekt begegnet, sagt er. Wer aber die Nase zu hoch trägt, den lässt er spüren, dass ihn das ärgert. „Dann werde ich ganz förmlich. Jeder Mensch ist wichtig und hat Wertschätzung verdient.“

Auch wenn der Vater von zwei erwachsenen Kindern sich auf die kommende freie Zeit freut, die er vor allem für Reisen mit seiner Frau Monika – beide sind seit 40 Jahren verheiratet – im Wohnmobil und auf dem Motorrad nutzen will, so spürt man bei ihm auch eine gewisse Wehmut. „Mir werden besonders die Kontakte zu meinen Kollegen und den Stadträten fehlen.“ Andererseits: Das Klima sei lange nicht mehr so gut wie vor Jahren. „Alle sind immer total beschäftigt und im Stress. Dass man mal spontan auf einen Geburtstag anstößt, das kommt kaum noch vor.“