Kirchen und ihre Schätze in Dransdorf

Unter dem Schutz des Einsiedlers

DRANSDORF. Hermann Gottfried ist kein Freund von dezenten Farben: In kräftig-markanten Rottönen, ergänzt durch schwarz-weiß-graue Darstellungen, schuf er 1986 einen Bilderfries für den Chorraum von St. Antonius, der beim Betreten des Gotteshauses sofort alle Blicke auf sich zieht.

Unauffälliger, fast schon bescheiden, wirkt hingegen die wesentlich kleinere Statue, die in der Außenwand des Kirchenschiffs auf einem Sockel steht. Trotzdem: "Dieser Antonius ist etwas ganz Besonderes", schwärmt Bernhard Sandherr, ehemaliges Mitglied des Kirchenvorstandes und seit Jahrzehnten in der Pfarrgemeinde aktiv. Besonders ist die Figur nicht nur deshalb, weil Antonius der Pfarrpatron der Dransdorfer Gemeinde ist. "Allein von kunsthistorischer Warte ist diese Figur, die um 1500 geschnitzt wurde, sehr bedeutsam."

Dass dieser Antonius zudem auch noch in allen Dransdorfer Kirchen gestanden hat, macht ihn noch bedeutsamer. "Deshalb ist er eindeutig unser größter Kirchenschatz", so Bernhard Sandherr. "Allerdings", auch das ist ihm wichtig, "ist nicht Antonius von Padua dargestellt, sondern Antonius der Einsiedler."

Dieser soll der Überlieferung nach asketisch in der Wüste gelebt haben. Immer wieder wurde er von quälenden Visionen heimgesucht. Der Teufel soll ihm in verschiedener Gestalt erschienen sein, um ihn von seinem spartanischen Leben abzubringen. Antonius wird auch "Vater der Mönche" genannt.

Nach der kleinen Burgkapelle nutzten die Dransdorfer Christen von 1878 bis 1930 die alte Kirche in unmittelbarer Nähe des heutigen Gotteshauses. Zwar sollte bereits um 1913 mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen werden, aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Inflation machten die Pläne zunichte.

Erst im Oktober 1928 wurde der erste Spatenstich für den Neubau nach den Plänen des Bonner Architekten Jakob Stumpf gemacht, 1929 der Grundstein gelegt. Die Arbeiten gingen zügig voran, so dass die Kirche bereits 1930 mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde.

Von einem langen Kirchenschiff heben sich Turm und halbrunder Chor deutlich ab. In einer Nische neben dem Altar befindet sich die Sakristei. Der hohe Kirchenraum wird von einem Gewölbe umschlossen und bekommt dadurch einen höhlenartigen Charakter. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die hohen Seitenfenster nur mit einfachem Glas bestückt, damit genügend Licht ins Innere fiel. Bunter und farbenprächtiger wurde es in St. Antonius Anfang der 1950er Jahre.

Denn bei den damaligen Renovierungsarbeiten wurden die einfachen Glasflächen durch Fenster nach einem Entwurf von Ludwig Schaffrath ersetzt. In jedem einzelnen ist nun ein Heiliger zu sehen. Ortsvereine und Gemeindemitglieder haben durch ihre Spenden die Anschaffung der neuen Fenster möglich gemacht.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden ein Seitenaltar sowie die Kommunionbänke abgerissen. Die Steine nutzte man für einen neuen Ambo und die Vergrößerung des Altars. In den 1980er Jahren standen erneut Renovierungsarbeiten an. Der Tabernakel wurde in der Mitte des Chorraumes aufgestellt, der ehemalige neugotische Altaraufbau wurde durch das fünfteilige Tafelbild von Hermann Gottfried ersetzt.

Er hat als Motive Szenen aus dem Leben Jesu sowie die Auferstehung als zentrales Thema gewählt. Auf den vier äußeren, drehbaren Tafeln werden Taufe, Firmung, Eucharistie und Buße thematisiert. Neben dem Heiligen Antonius sind in der Dransdorfer Pfarrkirche weitere barocke Figuren zu sehen: Lioba, Georg, Johannes Nepomuk sowie die Mutter Gottes.

Das älteste Stück ist eine Pietà aus Lindenholz, die in einer kleinen Kapelle direkt am Eingang steht. Sie zeigt Maria, die den Leichnam Christi in den Armen hält, seinen Kopf stützt und seinen Körper mit ihrem Mantel bedeckt.

Moderne Tafelbilder und eine kunsthistorisch bedeutende Figur - für Bernhard Sandherr gibt es wohl kein schöneres Gotteshaus als St. Antonius. "Ich finde unsere Kirche sehr schön und fühle mich hier wirklich daheim", bekennt er ohne Zögern.

St. Antonius

Die Pfarrkirche wurde als Beton-Gerüstbau mit einem Rabitzgewölbe errichtet. Einflüsse von Jugendstil und Historismus sind erkennbar. Sobald man das Gotteshaus durch eines der Portale betritt, hat man den ganzen Kirchenraum im Blick. Auffallend ist der weiß gestrichene Chor. Über dem Eingangsbereich thront auf einer Empore die Orgel. In St. Antonius haben etwa 240 Gläubige Platz.