Gefahren in der Garderobe

Universität Bonn baut Brandschutz aus

Bricht ein Feuer in der Garderobe im Uni Hauptgebäude aus, geht sofort eine feuerfeste Jalousie herunter.

Bricht ein Feuer in der Garderobe im Uni Hauptgebäude aus, geht sofort eine feuerfeste Jalousie herunter.

Bonn. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb investiert im Uni-Hauptgebäude 7,5 Millionen Euro zum Schutz vor Feuer. Die Brandmeldeanlage ist in die Jahre gekommen.

200 Jahre alt ist die Rheinische Friedrich Wilhelm-Universität, und das Jubiläum wird in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen gewürdigt. Aber jede Medaille hat zwei Seiten: Das älteste und zugleich größte Gebäude der Bonner Alma Mater, das ehemalige kurfürstliche Schloss, hat einen hohen Sanierungsbedarf - und das betrifft auch die in späteren Jahren errichteten Gebäudeteile. Vor allem beim Brandschutz gibt es noch viel zu tun. Weil auch die Brandmeldeanlage in die Jahre gekommen ist, muss sie erneuert und erweitert werden. Bis das erledigt ist, sind von der Feuerwehr geschulte Brandwächter im Einsatz.

Erneuert werden musste auch die Glaswand am Eingang zur Aula. Optisch unterscheidet sich die rund 70 000 Euro teure Wand kaum von ihrer Vorgängerin, aber im Gegensatz zur alten Glaswand hält sie im Falle eines Falles mindestens 30 Minuten lang einem Feuer stand, erklärt Martin Brans vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB). Brans ist mit seinem Projektleiter Werner Runden quasi Dauergast bei der Vizekanzlerin der Universität, Kristina Friske. Als Dezernentin für Liegenschaften begleitet sie die Arbeiten des BLB eng.

Keine Plakate dürfen aufgehängt werden

Die zusätzlichen Brandschutztüren, die bereits vor sechs Jahren eingebaut wurden, waren eine Maßanfertigung und haben rund 400.000 Euro verschlungen. „Das Uni-Hauptgebäude ist ein Denkmal, da können wir diese Türen nicht einfach aus dem Katalog bestellen“, erklärt Brans. Das Besondere an den Türen: Sie dürfen weit geöffnet bleiben. Gehalten werden sie von Magneten. Sollte es brennen und Rauch durch die Flure ziehen, schließen sie automatisch. Eine sinnvolle Einrichtung bei dem Gedränge, das zur Vorlesungszeit in den Gängen vor den Hörsälen herrscht.

Auch die Garderobe der Uni im Erdgeschoss stellt eine Gefahrenquelle dar. Wenn sie voller Jacken und Mäntel hängt, kann sich ein Feuer in Windeseile ausbreiten, sagt Runden. Das soll eine Jalousie aus feuerfestem Material verhindern. Sie hat 45.000 Euro gekostet. Als Brans und Runden die Jalousie probeweise herunterfahren lassen, ertönt ein lautes Warnsignal, und einer der Brandwächter ist sofort zur Stelle. Ein gelungener Probealarm.

Anders als in früheren Jahren sind die Wände in den Fluren kahl. „Aus Brandschutzgründen dürfen keine Plakate aufgehängt werden“, sagt Uni-Sprecher Andreas Archut mit einem fast bedauernd klingenden Unterton. Schwarze Bretter, wo die Studenten einst ihre Zettel mit allen möglichen Anliegen wie Zimmersuche oder Büchertausch anbrachten, sind nur noch in der „Blauen Grotte“, dem Durchgang vom Arkadenhof zum Schlosskirchenplatz, erlaubt.

Rauchen ist im gesamtem Hauptgebäude seit 15 Jahren strikt verboten. Dass man im einstigen Erfrischungsraum, dem „E-Raum“ – heute „Café Unique“ – manchmal vor lauter Zigarettenqualm seine Hand nicht vor Augen sehen konnte, daran erinnert nur noch ein Zigarettenautomat, der immer noch neben dem Eingang hängt.

Bei den regelmäßigen Brandschutzbegehungen entgeht den Experten offenbar nichts. So musste auch das frühere Kassenhäuschen gegenüber dem Hörsaal 1, der auch als Theatersaal genutzt wird, mit einer Brandschutzmauer gesichert werden. Ganz beseitigt werden durfte das Kassenhäuschen nicht. Schließlich handelt es sich um ein Denkmal.

"Wir befinden uns erst am Anfang"

Ein Ende der Arbeiten für den Brandschutz ist noch lange nicht in Sicht. BLB und Universität bereiten sich auf weitere, umfangreiche Maßnahmen im Gebäude vor, etwa bei den Decken und Wänden. Niemand weiß, was sich hinter dem Putz der Mauern des Hauptgebäudes befindet, das im Zweiten Weltkrieg stark zerstört worden war. „Weil wir ohnehin größere Bauarbeiten vor uns haben, wollen wir die Technik und Heizung gleich mit erneuern“, erklärt Brans. Ein große Herausforderung: Das Hauptgebäude ist mir 32.000 Quadratmetern Nutzfläche das größte Gebäude der Alma Mater und beherbergt die Philosophische und die Theologische Fakultät mit rund 11.000 Studenten. Dazu kommen 17 Hörsäle und die Verwaltung samt Rektorat.

„Wir befinden uns erst am Anfang unserer Überlegungen, wie wir in den kommenden Jahren den Unibetrieb hier organisieren und trotzdem die Sanierungsarbeiten durchführen können“, erklärt Friske. Klar ist, dass es ohne Interimslösungen für die eine oder andere Abteilung nicht funktionieren wird. Erfahrung hat Friske bereits mit dem Ostflügel des Gebäudes gesammelt, der zurzeit instand gesetzt wird. Die dort beheimateten Archäologen und Ägyptologen sind ausgezogen und müssen derzeit mit einem Gebäude an der Brühler Straße vorlieb nehmen.

In den vergangenen zehn Jahren hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb rund 7,5 Millionen Euro an Brandschutzmaßnahmen im Uni-Hauptgebäude umgesetzt, sagte BLB-Sprecher Frank Buch. Allein die Erneuerung der Brandmeldeanlage und die Kosten für Brandwächter belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro.