Mit dem Rad auf den Venusberg

Uniklinik in Bonn will Mitarbeiter zum Fahrradfahren bewegen

VENUSBERG. Die Uniklinik unternimmt einiges, um Ärzte und Pflegekräfte dafür zu gewinnen, ohne Auto zur Arbeit zu kommen. Dazu gehörte auch der Mobilitätstag, der Alternativen zum Auto schmackhaft machen sollte.

Bevor Susanne Wagner ihren Arbeitsplatz in der Uniklinik auf dem Venusberg erreicht, hat sie schon eine beachtliche Leistung vollbracht: Von Duisdorf aus fährt sie täglich mit ihrem Pedelec den steilen Ippendorfer Weg hinauf.

„Die Strecke ist durchaus machbar“, sagt sie. Aber ob sie auch auf dem schnellsten Weg unterwegs ist, das wollte sie von Hennig Bergbaum wissen, der für den „Auto Club Europa“ jetzt auf dem Klinikgelände eine computergestützte „Arbeitswegberatung“ anbot.

Dieser Service gehörte zum Programm des ersten „UKB-Mobilitätstages“. „Wir möchten so viele Mitarbeiter wie möglich aktiv darin unterstützen, ohne Auto schnell und sicher zur Arbeit zu kommen, um unsere einspurige Zufahrtsstraße zu entlasten und dadurch Staus zu vermeiden“, sagte Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am UKB, der am Freitag ebenfalls mit dem Fahrrad gekommen war. „Dazu wollen wir den bereits jetzt überdurchschnittlich hohen Radfahreranteil erhalten und ausbauen. Auch wenn der Umstieg auf das Fahrrad noch nicht die Verkehrsproblematik löst, ist das Fahrradfahren gut für die Gesundheit und die Umwelt.“

Allerdings muss man auch wieder runter vom Berg. Und da ist Vorsicht angebracht, denn auf der Robert-Koch-Straße erreichen Radfahrer ein hohes Tempo. Das geht manchmal nicht ohne böse Folgen ab, berichtete dem GA ein UKB-Mitarbeiter. „Aus beruflicher Tätigkeit sowie aus dem Kollegenkreis sind mehrere folgenreiche Unfälle auf der Straße bekannt, die auf nicht erkennbare Unebenheiten und schlecht geflickte Löcher zurückzuführen sind“, erzählt der Mann. „Und im Bereich der Fahrbahnreparatur vor dem Marienhospital hat es zwei Rahmenbrüche gegeben, die zum Glück nicht zu einem Unfall führten.“

An zwei, drei Stellen Schlaglöcher

Die Polizei teilte auf Anfrage mit, zwischen dem 1. Januar 2016 und heute haben sich auf der Robert-Koch-Straße zwei meldepflichtige Unfälle von Radfahrern ereignet. Allerdings habe es in beiden Fällen keine Hinweise auf Bodenunebenheiten als Unfallursache gegeben. Das Tiefbauamt der Stadt berichtet, es gebe an zwei, drei Stellen Schlaglöcher, die immer wieder mit einfachen Mitteln geflickt würden. Man werde nun aber kurzfristig veranlassen, dass dauerhaftere Ausbesserungen durchgeführt werden. Außerdem werde der untere Bereich vom Marienhospital bis zur Heinrich-Lützeler-Straße im nächsten Jahr komplett saniert.

Eine neue Sachlage hat sich übrigens bei einem Unfall ergeben, der sich am 21. April diesen Jahres ereignete. Ein Radfahrer fuhr dabei nämlich nicht auf besagter Robert-Koch-Straße, sondern durch den Wald, um nach Kessenich zu kommen. Auf diesem steilen Weg, der auf die Bergstraße mündet, ist der 48-Jährige mit den Reifen in eine abgesenkte Abwasserrinne gekommen und hat sich beim Sturz schwer verletzt, sagte ein Sprecher der Polizei dem GA.

Das Uniklinikum setzt aber auf weitere Verkehrsmittel außer dem Rad, um die Situation zu entzerren. Beim Mobilitätstag ging es auch um die geplante Seilbahn und um Carsharing-Modelle: An 15 Ständen und in zahlreichen Vorträgen boten das UKB und Kooperationspartner Beratung und Service an. So informierte die „Initiative Seilbahnprojekt“ zum Stand der Planungen, der Carsharing-Anbieter Cambio stellte sein Angebot vor. Neben einer Probefahrt mit Pedelecs, E-Bikes, Lasten- und Falträdern konnte jeder an einem Fahrradsimulator seine Reaktionsfähigkeit testen.

Stadtwerke weisen auf bekanntes ÖPNV-Angebot hin

Daneben machte der ADFC an seinem Infostand Lust auf Fahrradtouren jenseits des Arbeitsweges, und die Stadtwerke wiesen als Partner des UKB auf das bekannte ÖPNV-Angebot hin, E-Bikes und Pedelecs für einen vereinbarten Zeitraum zu verleihen.

Holzgreve zeigte sich zufrieden mit der Resonanz auf dieses Projekt: „Auch unseren Mitarbeitern liegt das Thema Mobilität spürbar am Herzen. Wir sind froh, dass unser vielfältiges Programm so großen Anklang gefunden hat. Wir sind davon überzeugt, dass die Stadt Bonn und nicht zuletzt das UKB und seine Beschäftigten davon profitieren, wenn mehr Menschen das Auto stehen lassen. Dabei wollen wir eine Vorreiterrolle einnehmen.“ Dies schließe die Seilbahn ein, die hoffentlich bald im Rat der Stadt Bonn befürwortet werde, damit die Gelder von der Landesregierung beantragt werden können“, so der Vorstandsvorsitzende weiter.

Susanne Wagner wird in Zukunft übrigens den gleichen Weg über den Ippendorfer Weg zur Arbeit nehmen wie bisher. „Sie haben sich die beste Strecke ausgesucht“, versicherte ihr Henning Bergbaum bei seiner Beratung. Rund 5,3 Kilometer legt Wagner morgens zurück und muss etwa 110 Meter Steigung bewältigen. „Aber ich werde ganz bestimmt auch in Zukunft mit dem Fahrrad kommen“ versicherte sie. Angesichts der Park- und Verkehrsprobleme auf dem Venusberg sei das eine gute Entscheidung.