Uniklinik und Jugendamt Bonn

Uniklinik Bonn unterzeichnet Kooperation zum Schutz von Kindern

Zwei Kinder spielen in ihrem Kinderzimmer. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und das Jugendamt der Bundesstadt Bonn haben eine Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen unterzeichnet.

Zwei Kinder spielen in ihrem Kinderzimmer. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und das Jugendamt der Bundesstadt Bonn haben eine Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen unterzeichnet.

Bonn. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und das Jugendamt der Bundesstadt Bonn haben eine Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen unterzeichnet - mit einer konkreten Leitlinie.

Es ist keine neue Erfindung, die das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und das städtische Jugendamt jetzt offiziell auf die Beine gestellt haben. Doch für Kinder, die in ihrer Umgebung von Misshandlung und Vernachlässigung bedroht sind, kann sie im Extremfall lebensrettend sein. Klinik und Verwaltung haben jetzt eine Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen unterzeichnet. Als erstes Klinikum der Region führt das UKB damit eine verbindliche Regelung für die Zusammenarbeit mit der Behörde bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ein.

Den Schutz von Kindern und Jugendlichen etwa durch schnelles und abgestimmtes Handeln sowie professionelle Diagnostik und Behandlung weiter zu verbessern – dies sei das Ziel der Kooperation, teilte die Klinik am Montag mit. „Mit dieser Vereinbarung bauen wir die seit vielen Jahren gelebte und bewährte Praxis nun auch offiziell weiter aus“, stellt Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandschef des UKB, fest.

Zwei Kinder werden im Schnitt pro Woche allein im Universitätsklinikum behandelt, bei denen sich der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bestätigt. „Da wir nicht nur Kinder aus Bonn behandeln, streben wir für die Zukunft auch Kooperationsvereinbarungen mit den Jugendämtern der angrenzenden Kreise an“, sagt Ingo Franke, geschäftsführender Oberarzt der Kinder- und Poliklinik am UKB.

Bessere Vernetzung

Dort existiert schon seit 2006 die erste universitäre Kinderschutzgruppe Deutschlands. Zu ihr gehören Kinderärzte, Rechtsmediziner, Kinderpsychologen, Sozialarbeiter und Seelsorger. Ihr Ziel war es, den Mitarbeitern am Klinikum mehr Sicherheit beim Umgang mit Kindern zu geben, die unter dem Verdacht auf Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung vorgestellt werden. Die durch sie erarbeiteten Strukturen und Verfahren sind als Leitlinie zum nationalen Standard geworden. Dazu hat man bestehende Aufnahme- und Anamnesebögen mit Blick auf den Kinderschutz weiterentwickelt. Zudem zählt die strukturierte Zusammenarbeit mit den Jugendämtern zum Konzept.

Seitens der Stadt Bonn erfährt der Vorstoß schon einmal die volle Unterstützung, wie Udo Stein, Leiter des Jugendamtes, dem General-Anzeiger sagt: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und UKB in einer Kooperationsvereinbarung zu verfestigen. Die Kooperation ist hervorragend und sehr erfolgreich gelebte Praxis.“ Er verweist auf die jährlichen Kooperationstreffen und multiprofessionellen Fallbesprechungen. Mit dem Vertrag liege ein „verbindliches und belastbares Werk vor, auf dem sich die Zusammenarbeit weiterentwickeln kann“.

Mit der Vereinbarung füllen Stadtverwaltung und Uniklinik nicht zuletzt die Bestimmungen des 2012 verabschiedeten Kinderschutzgesetzes mit konkretem Leben, das besser vor Gewalt, Verwahrlosung und sexuellem Missbrauch schützen soll – unter anderem durch eine bessere Vernetzung von Schulen, Kindergärten, Jugend- und Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und der Polizei.

Dabei konnte allerdings auch das neue Gesetz nicht verhindern, dass in der Öffentlichkeit die Nachrichten über misshandelte Kinder nicht abzureißen scheinen. 2016 wurden laut Kriminalstatistik in Deutschland 133 Kinder durch Misshandlungen sogar getötet, von ihnen waren 100 jünger als sechs Jahre. Die Zahl der körperlichen Kindesmisshandlungen stieg deutschlandweit von 3929 (2015) auf 4204 Kinder (2016). Und das sind nur die aktenkundig gewordenen Fälle, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Zahlen aus Bonn konnte die Verwaltung am Montag auf Anfrage nicht nennen.