Vertreter bleiben Festkommers fern

Uni Bonn bleibt Treffen von Studentenverbindungen fern

Beim Kommers: (v.l.) Gordon Land, Reinhard Limbach, Alania-Präsident Lajos Hanga, Alexander Graf Lambsdorff, Michael Hacker.

Beim Kommers: (v.l.) Gordon Land, Reinhard Limbach, Alania-Präsident Lajos Hanga, Alexander Graf Lambsdorff, Michael Hacker.

Bonn. Die Bonner Verbindungen waren bei der Jubiläumsfeier ihrer Alma Mater weitgehend unter sich. Vertreter der Universität blieben dem Festkommers fern. Alexander Graf Lambsdorff warnte in seiner Festrede vor Nationalismus.

200 Jahre Uni Bonn: 2018 ist ein ganz besonderes Jahr für die Uni und alle, die sich ihr zugehörig fühlen. Dazu zählen nach wie vor auch Studentenverbindungen wie etwa Burschenschaften. Wer solche Bünde für vergangen hält, wurde am Samstagabend eines Besseren belehrt: Zahlreiche Korporierte, also Angehörige von Verbindungen, kamen zum Festkommers im Hotel Bristol.

Am Vorabend des 11.11. wundert sich der Rheinländer zwar nicht über Menschen in Uniformen. Mit rheinischer Narretei hatte der Aufzug allerdings nichts zu tun: 17 der in Bonn noch aktiven 45 Verbindungen kamen zusammen, um das Jubiläum ihrer Bonner Alma Mater zu feiern. Und die Aktiven und die alten Herren, also die ehemaligen Studenten einer Verbindung, sind sich einig: Burschenschaften und Verbindungen sind absolut zeitgemäß. „Sie lehren, was Sie sonst so nicht mehr bekommen: zusammen sein, hart zur Sache zu diskutieren, sich mit anderen auseinanderzusetzen“, sagt Werner Kemmer von der katholischen Studentenverbindung Alania. „Verbindungen fördern das Studium, außerdem funktionieren sie fakultätsübergreifend“, betont ein Teilnehmer. Ein weiteres Argument für die Verbindungen sei: Sie schützten Studierende vor sozialer Isolation.

Universität blieb Veranstaltung fern

Der Festsaal war mit rund 300 Teilnehmern zwar gut gefüllt, doch Vertreter der Uni fehlten. „Wir haben den Rektor und alle Dekane eingeladen“, sagt Michael Hacker, Pressebeauftragter der Alemannia zu Bonn und Hauptorganisator. „Ein Professor wäre gekommen, aber privat und nicht als offizieller Vertreter der Uni.“ Auch Gordon Land von der Bonner CDU-Ratsfraktion, bedauert die Haltung der Universität: „Studentenverbindungen finden nur wenig Beachtung, dabei haben sie zumindest 150 Jahre der Unigeschichte geprägt.“ Einige Teilnehmer kommentieren: „Bei dem Asta kein Wunder.“ Und: „Rektoren kommen und gehen, Verbindungen bleiben bestehen“.

Dass die Uni sich von Verbindungen abgrenzt, könne auch daran liegen, dass Burschenschaften als Verbände Rechtsgesinnter gesehen würden. „Überall gibt es Radikale und Extremisten, wir sind ein Verein wie alle anderen auch – es gibt nicht mehr Auswüchse als anderswo“, sagt Kemmer. „Politisch haben wir ein breites Spektrum, bis hin zu unpolitischen Verbindungen.“ Mit dem Bonner Bürgermeister Reinhard Limbach war immerhin ein Vertreter der Stadt Bonn gekommen, der sich über die rege Teilnahme freute: „Verbindungen gehören seit vielen Jahrzehnten zu unserem Stadtbild. Danke für Ihre Verbundenheit zur Bonner Universität und zu unserer Stadt.“

Alexander Graf Lambsdorff, Vize-Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag, warnte allerdings in seiner Festrede: „Wir müssen wachsam bleiben gegenüber neuen alten Neigungen hin zum Nationalismus. Die Burschen damals waren nicht weniger intelligent, klug oder gebildet. Deshalb: Bleiben wir wachsam.“