Kita Spatzennest

Unesco besucht Bonner Bildungseinrichtungen, die Inklusion leben

Inklusion in Reinkultur: Ein Kind mit Downsyndrom füttert in der Kita Spatzennest fürsorglich ein nicht behindertes Kind.

DOTTENDORF. Der Flur ist tapeziert mit bunten Handabdrücken in allen Größen: "Jeder, der zu diesem Haus gehört, ist hier verewigt", erzählt Ursula Somborn, die Leiterin der Kindertagesstätte Spatzennest in Dottendorf. Das Spatzennest ist ein Ort der Gemeinschaft, Vielfalt und Teilhabe.

2003 eröffnete eine Elterninitiative die Kita, die für Inklusion in alle Richtungen steht. Die 45 Plätze werden an nichtbehinderte und behinderte Kinder, Kinder mit Allergien, Hochbegabte, Kinder mit Förderbedarf, Kinder mit und ohne Migrationshintergrund vom Säuglings- bis zum Vorschulalter vergeben.

"Wir sind sicher eine der am stärksten inklusiv arbeitenden Einrichtungen in Bonn, und sehr stolz darauf", sagt Judith Albert vom Verein Spatzennest Bonn. Das sah auch die Deutsche Unesco-Kommission so und wählte die Kita gemeinsam mit sechs anderen Bonner Bildungseinrichtungen als Modellbeispiel aus.

Teilnehmer des Unesco-Gipfels "Inklusion - Die Zukunft der Bildung" konnten die verschiedenen Einrichtungen am Dienstag besuchen. "Die Reaktionen auf unser Konzept waren sehr positiv", sagt Somborn. Die Kinder sind auf drei Gruppen mit je 15 Kindern verteilt.

"Die kleine Gruppenstruktur ist besonders für sehr kleine und für behinderte Kinder wichtig", so Somborn. In einer Gruppe werden Kinder ab vier Monaten gemeinsam mit älteren Kindern betreut. In den beiden anderen Gruppen spielen und lernen behinderte und nichtbehinderte Kinder zusammen. "Inklusion funktioniert nur, wenn der Personalschlüssel stimmt", sagt Somborn.

Im Spatzennest gebe es einen sehr guten kollegialen Austausch. Neben Erziehern und Heilpädagogen arbeiten auch Therapeuten für Logopädie und Motopädie in der Kita. So könne die Therapie in den Alltag der Kinder eingebaut werden. Den Plänen des Landschaftsverbands Rheinland, Therapien ab 2015 nur noch auf Rezept über die Krankenkasse zu ermöglichen und keine festen Therapiestellen in den Einrichtungen zu finanzieren, steht der Verein Spatzennest deshalb sehr kritisch gegenüber.

"Das gemeinsame Spiel, das ja Inklusion bedeutet, wird dann einfach schwieriger, weil alles getaktet sein muss", erklärt Albert. Auch mit den Teilnehmern der Unesco-Konferenz sei über dieses Thema diskutiert worden. "Inklusion ist eine Bereicherung für alle", sagt Albert. Aber nur, wenn sie kein Sparmodell sei.