Sachstandsbericht zum Beethoven Festspielhaus

Und viele Fragen offen

Bonn. Es war etwas still geworden um das Beethoven Festspielhaus. Ruhe vor dem Sturm, der vielleicht letzten Offensive? Oder sind das Signale, die auf ein Begräbnis dritter Klasse hindeuten? Was der Bonner Kulturdezernent Martin Schumacher nun übernächste Woche dem Kulturausschuss vorlegt, lässt viele Deutungen zu.

Es ist ein nüchterner, achtseitiger Sachstandsbericht, der in bislang unerreichter Dichte das Problemfeld Festspielhaus umreißt, das (wenige) Erreichte dokumentiert und eine lange To-do-Liste beinhaltet.

Politischer Wille: Zuletzt im September 2012 hat sich der Rat der Stadt mehrheitlich für ein Festspielhaus an der Rheinaue ausgesprochen, das "möglichst" zum 250. Geburtstag Beethovens im Jahr 2020 umgesetzt sein solle. Laut Beschluss wird sich die Stadt nicht an der Finanzierung des Baues beteiligen, wohl aber an einer Stiftung, die den Betrieb des Hauses sichert.

Problem: Bevor die Stadt in die Stiftung eintritt, muss die Finanzierung des Baus durch Sponsoren gesichert sein.

Finanzierung des Baus: Für den Standort Beethovenhalle war man 2009 von Baukosten in Höhe von rund 75 Millionen Euro ausgegangen. Szenarien für den neuen Standort hat die Kulturverwaltung nicht ermittelt. Der Sponsor Deutsche Post AG will sich mit 30 Millionen Euro am Bau beteiligen.

Probleme: Um die Finanzlücke zu schließen, sucht die Stadtverwaltung seit geraumer Zeit Sponsoren. Etwa fünf Millionen Euro sind bislang durch die Initiative "5000x5000" des IHK-Präsidenten Wolfgang Grießl zusammengekommen. Mitte Juni wollen sich die unter dem Dach des Verbandes Dehoga organisierten Bonner Hoteliers und Gastwirte zu Details über einen geplanten "Beethoventaler" äußern.

Finanzierung des Betriebs: Für den Betrieb des Festspielhauses soll eine Betreiberstiftung gegründet werden. Der Bund will sich mit 39 Millionen Euro daran beteiligen. Weitere Gelder sind von der Sparkasse KölnBonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zugesagt worden, jeweils fünf und drei Millionen Euro. Zu den Erträgen aus der Betreiberstiftung (laut einer heute nicht mehr haltbaren Berechnung von 2009 wären das rund 1,4 Millionen jährlich) kämen jährliche Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt. Ein Businessplan aus dem Jahr 2009 war von einem erforderlichen städtischen Zuschuss von drei Millionen Euro pro Jahr ausgegangen.

Probleme: Ein neuerer Businessplan, auf dessen Grundlage sich Kosten und Zuschüsse errechnen ließen, liegt nicht vor. Auch eine Betreiberstiftung wurde bislang nicht gegründet. Es liegt der Entwurf einer "Stiftung Beethoven Festspielhaus" von 2010 vor, der eine gesicherte Gesamtfinanzierung voraussetzt. Da sich die nicht abzeichnete, überarbeitete die Kulturverwaltung 2012 den Entwurf und konzipierte eine "Stiftung Nationales Erbe Ludwig van Beethoven".

Die beinhaltet zwar als Ziel "Errichtung und Betrieb eines Festspielhauses", impliziert aber, dass es auch Alternativen zum Festspielhaus geben könnte. Die Stiftungsmittel sollten der Beethovenpflege, dem Beethovenfest und den Jubiläen 2020 und 2027 zugute kommen. Der Bund lehnt diese Stiftung ab: Die 39 Millionen Euro sind explizit an einen Festspielhaus-Neubau gekoppelt. Für die neue Stiftung sind derzeit lediglich 50.000 Euro im städtischen Haushalt 2013 veranschlagt. Viel zu wenig für einen Betrieb des Festspielhauses.

Standortfrage: Nach der Aufgabe des politisch nicht vermittelbaren Standorts an Stelle der Beet-hovenhalle beschloss der Bonner Rat den Standort Rheinaue. Favorisiert wird die Variante Blindengarten, weil sie einen geringen Eingriff des Baukörpers in den Rheinauenpark bedeute.

Problem: Die ausführliche Prüfung, ob die bestehenden Gebäudeentwürfe der Büros Hadid und Hermann/Valentiny am neuen Standort überhaupt umsetzbar sind, steht noch aus. Erst dann kann ein "vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren" beantragt werden, das unter der Voraussetzung einer erfolgten "vertiefenden Planungsphase im Vorlauf" rund zwei Jahre dauert.

Zeitplan: Ziel ist, im Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 mit einen Festspielhaus in Bonn zu glänzen und einen Akzent im internationalen Reigen zu Beethovens 250. Geburtstag setzen zu können. Um keine Überraschungen mit dem Neubau zu erleben und im Jubiläumsjahr mit einem eingespielten Festspielhaus arbeiten zu können, wünscht sich die Kulturverwaltung einen Start zu Beginn der Konzertsaison 2018/2019.

Um dieses Ziel zu erreichen, hätte der "Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsverfahrens" im ersten Quartal 2013 gestellt werden müssen. Die Verwaltung rechnet mit einer Zeitdauer allein für die Planungsphase von bis zu drei Jahren. Würde der Antrag bis Ende 2013 gestellt werden, könnte man das Festspielhaus erst kurz vor oder während der Jubiläumssaison 2019/20 eröffnen. Würde man mit dem Antrag bis 2014 warten, könnte man sich von einem Festspielhaus für das Beethovenjubiläum 2020 verabschieden.

Problem: Ohne Nachweis der Gesamtfinanzierung des Baus sind alle Zeitpläne für die Errichtung des Festspielhauses Makulatur.

Alternativen: Die Befürchtung, als Beethovenstadt Bonn im Jubiläumsjahr 2020 ohne Festspielhaus und mit einer maroden Beethovenhalle dazustehen, hat schon vor Jahren zur Erarbeitung von Alternativ-Szenarien geführt. Variante Nummer eins ist die Sanierung und die Ertüchtigung der Beethovenhalle, für die im Haushalt 2013/14 insgesamt 15 Millionen Euro eingestellt sind.

Probleme: Auch eine Ertüchtigung der Beethovenhalle muss geplant werden, was Zeit und Mittel in Millionenhöhe verschlingt. Ferner wären mindestens weitere 15 Millionen Euro erforderlich, um die Ertüchtigung bis zum Jubiläum abzuschließen. Bonn verlöre im Gegenzug 39 Millionen Euro vom Bund und 30 Millionen Euro von der Post DHL. Die Geldgeber würden sich bei den Alternativvarianten zurückziehen.

Variante Nummer zwei: Der Große Saal des WCCB. Problem: Das Szenario ist noch gar nicht geprüft.

Variante Nummer drei: Festspielhausbetrieb und Konzerte in der Oper. Problem: Auch hier steht die Prüfung aus. Eine massive Einschränkung des städtischen Opernbetriebs wird befürchtet.