Ärger um Waldwege

Unbekannte räumen Absperrungen im Melbtal beiseite

Venusberg/Ippendorf. Das Melbtal ist für Spaziergänger und Hundehalter wieder zugänglich. Nicht offiziell, aber in der Realität schon. Die meisten Sperrungen im Wald, die vor zweieinhalb Wochen durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) verhängt wurden, bestehen jedenfalls nicht mehr.

Offenbar eigenmächtig haben Spaziergänger Hand angelegt und die Holzverschläge und Sperrbaken in den letzten Tagen zur Seite geräumt. Der BLB hatte die Sperrungen ohne Rücksprache verhängt, um kein Problem mit der Verkehrssicherungspflicht zu bekommen, als er von den „Einbauten“ erfuhr, die es im Wald gibt. Von ihnen, also den Brücken und Treppen, hatte der Landesbetrieb bislang nach eigener Darstellung nichts gewusst, was Ortskundige mehr oder weniger ratlos zurück ließ.

Doch so einfach haben sich die Spaziergänger und Hundehalter nicht ausbremsen lassen. Im Laufe der letzten Tagen fielen immer mehr der Absperrungen. Im unteren Melbtal wurde eine Sperre einfach zur Seite geschoben, die Befestigungen wurden fein säuberlich an das Brückengeländer gehängt. Im oberen Teil unterhalb des Uni-Sportinstituts wurde eine Holzsperre mit Gewalt weggerissen und in einem Graben geworfen. Die dritte Sperre in Richtung Nachtigallenweg besteht zwar noch, kann aber einfach umgangen werden. Dort hat sich aber bereits ein Fußweg um die Sperre herum ausgebildet.

An einem Punkt ist es jetzt aber gefährlicher als zuvor. Der BLB hat an der gewundenen „Jufferen Trepp“, die vom Engelsbach steil hinauf zu den Sportanlagen und einer Schutzhütte führt, auch die Reste des übrig gebliebenen Geländers und die Handläufe entfernt. Das hat zur Folge, dass sich das Betreten der Treppenanlage nun erst recht gefährlich darstellt – besonders bergab und bei glitschigem Boden darf man sich keinen Fehler auf den ausgetretenen Treppenstufen erlauben.

Einige Stellen nicht ungefährlich

Die Bürger, die sich ihren Wald nicht nehmen lassen wollen, haben auf selbst geschriebenen Schildern notiert, was sie von der BLB-Aktion halten: „Diese Sperrung ist illegal“, steht da an einigen Brücken zu lesen. „Mit freundlichen Grüßen, Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Fürstentums NRW.“ Und mit dem Nachsatz versehen: „Vielen herzlichen Dank für Eure Steuergelder, die wir natürlich gezielt gegen Eure Interessen verwenden.“ An anderer Stelle hat offenbar ein alter Mensch mit krakeliger Handschrift die Gegner der Sperren ermutigt, auch an anderer Stelle tätig zu werden, indem er auf einem Zettel notierte: „Bitte an der nächsten Sperrung auch Bretter absägen. Danke.“

Derweil hat sich das Ende der Sperrungen schnell herumgesprochen. Viele Hundehalter und einige Spaziergänger waren bereits Anfang dieser Woche wieder im Melbtal unterwegs. „Mensch, das ist ja schön, dass der BLB das Tal so zügig wieder freigegeben hat und die Sperrungen wegräumte“, sagte ein Spaziergänger dem GA. Allerdings war das Augenzwinkern dabei nicht zu übersehen, als er dem Landesbetrieb eine tolle Arbeit bescheinigte.

Dabei gibt es im Melbtal tatsächlich einige gefährliche Stellen, die der BLB allerdings nicht gesperrt hat. Dabei handelt es sich um die Wege, die am Engelsbach entlang über acht Brücken führen. Einige von ihnen haben Löcher und defekte Holzplanken. Und die anderen Bohlen sehen auch nicht gerade Vertrauen erweckend aus. Zudem gibt es einige umgestürzte Bäume, die so tief über dem Bach liegen, dass man nicht unter ihnen durchkommt, ohne den Kopf einzuziehen.

Anzeige soll erstattet werden

Der BLB hat bisher von der Umsetzung von ad-hoc-Maßnahmen, also Sperrungen, gesprochen und angekündigt, eine Instandsetzung zu erörtern. Auf erneute Nachfrage, wie der Landesbetrieb nun reagieren wird, sagte BLB-Sprecher Frank Buch: Die zerstörten Absperrungen lasse man zeitnah wieder herrichten, um wegen der Verkehrssicherungspflicht Gefahren abzuwenden. Aktuell sollten Passanten auch selbst an den betroffenen Stellen erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen.

„Da hier ein Fall von Vandalismus vorliegt, werden wird zudem Anzeige erstatten“, kündigte Buch an. „An den Absperrungen werden wir in Kürze einen Hinweis zu den Hintergründen der Sperrung anbringen und darüber informieren, dass die Sanierungsarbeiten des Waldwegs nach der Frostperiode aufgenommen werden. Außerdem werden in dieser Woche Schilder an allen Zugangsbereichen aufgestellt, um Wanderer frühzeitig auf die Sperrung hinzuweisen.“

Zwei der acht Holzbrücken befänden sich zum Teil auf dem Grundstück des BLB und würden im Rahmen der anstehenden Instandsetzungsarbeiten repariert. „Die restlichen verbleibenden Brücken obliegen nicht unserer Verkehrssicherungspflicht, da sie nicht auf dem Grundstück des BLB NRW liegen.“