Bundestagswahl 2013

Ulrich Kelber siegt auf den letzten Metern

BONN. Das war haarscharf: Zum vierten Mal in Folge hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber in Bonn das Direktmandat geholt. Mit gerade einmal rund 1000 Stimmen mehr setzte er sich ganz knapp gegen seine CDU-Herausforderin Claudia Lücking-Michel durch.

"Ein Krimi ist nichts dagegen", sagt SPD-Parteichef Ernesto Harder, als er mit Ulrich Kelber kurz vor 22 Uhr ins Stadthaus kommt. Beiden Männern steht der Schweiß auf der Stirn. "Wir haben alle ganz schön geschwitzt", sagt Kelbers sichtlich erleichterte Ehefrau Pia Klaßmann. Kelber selbst gibt sich eher noch verhalten. Noch vier Stimmbezirke fehlen. Doch wenige Minuten später steht der SPD-Mann als Sieger fest. "Ich gebe zu: Mein Puls ist immer noch sehr hoch", sagt er und strahlt jetzt doch übers ganze Gesicht.

Als eine der ersten gratuliert Claudia Lücking-Michel, die wohl über die CDU-Landesliste den Sprung nach Berlin schafft. "Wie gut für Bonn, dass wir beide im Bundestag sind", sagt sie und bedankt sich bei Kelber für einen "sehr fairen Wahlkampf". Obgleich sie schon den sportlichen Ehrgeiz gehabt hätte, auf der Zielgerade die Erste zu sein, sagt sie und schmunzelt.

Kurz darauf tritt Kelber vor die Presse. "Das war eine schwarze Welle, die auch Bonn getroffen hat", sagt er. Mit dem Bundesergebnis könne die SPD trotz leichter Zugewinne auf keinen Fall zufrieden sein. Seinen knappen Wahlerfolg in der Bundesstadt versteht er "als Ansporn für die nächsten vier Jahre im Bundestag". Persönlich bedauere er den Absturz von Guido Westerwelle. "Ich habe mit ihm immer vor allem beim Thema Bonn/Berlin sehr gut zusammengearbeitet."

"Auf die Frage, was er nun als nächstes macht, antwortet er: "Ich gehe jetzt erst einmal richtig feiern, und morgen fliege ich nach Berlin." Zu allererst werde er dort die Verträge seiner vier Mitarbeiter verlängern. Die dürften an dem Abend nach dem Wahlkrimi in Bonn wohl auch ziemlich erleichtert gewesen sein. Auf die Frage, ob er wieder als stellvertretender Fraktionsvorsitzender kandidieren wolle, gibt Kelber sich zurückhaltend. "Es wird sich zeigen, wer welche Aufgaben in der Fraktion übernehmen wird", erklärt er.

Als die "Verliererin" Lücking-Michel zur Pressekonferenz lädt, strahlt auch sie. "Ich bin stolz, dass ich als jemand, der gerade erst seit neun Monaten im politischen Geschäft ist, so ein knappes Ergebnis erreichen konnte." Damit habe sie andere, erfahrenere Parteikollegen sogar überboten. Aber nicht nur das gute Ergebnis der CDU auf Bundesebene stimmt Lücking-Michel trotz der Niederlage als Direktkandidatin im Adenauer-Wahlkreises versöhnlich. Sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ihrem Platz 28 über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

Während sie spricht, sitzt ihr Mann Andreas Michel einige Stuhlreihen weiter und lächelt. Nach seiner Befindlichkeit befragt, antwortet er: "Ich freue mich sehr für meine Frau. Sie war großartig." Für ihre Arbeit im Bundestag hat sie sich schon viel vorgenommen. "Bildung und Forschung" und "Internationales" seien zwei Bereiche, in denen sie sich gerne engagieren möchte, sagt sie. Und beides seien ja auch wichtige Themen für die Bundesstadt Bonn.

Lange Gesichter gibt es bei den Grünen. Auch in Bonn ist der bundesweite Minustrend klar zu erkennen. "Wir haben in diesem Wahlkampf alles gegeben und sind unter dem Ergebnis von 2009 geblieben. Da ist die Enttäuschung natürlich sehr groß", sagt Direktkandidatin Katja Dörner, nachdem im Stadthaus gegen 20 Uhr gut die Hälfte der Stimmen ausgezählt sind. Dank ihres sicheren fünften Platzes auf der NRW-Landesliste wird sie auch in der kommenden Wahlperiode im Bundestag sitzen, wahrscheinlich aber wohl in der Opposition. "Dass wir mit rund acht Prozent an einer schwarz-grünen Regierung mitarbeiten, halte ich für ausgeschlossen." Die beiden Kernthemen der Grünen, die Energiewende und soziale Gerechtigkeit, seien nicht beim Wähler angekommen. Woran das genau gelegen habe, müsse jetzt gründlich analysiert werden.