UN-Campus in Bonn

UN bauen weiter am "Powerhaus" Bonn

Eröffnung des UNSSC Knowledge Center Sustainable Development: Jafar Javan (v.l.) und Patrick van Weerelt.

Eröffnung des UNSSC Knowledge Center Sustainable Development: Jafar Javan (v.l.) und Patrick van Weerelt.

Bonn. Die Vereinten Nationen eröffnen ein Wissenszentrum für nachhaltige Entwicklung und hoffen auf eine weitere Einrichtung. Ban Ki-Moon wird am Dienstag erwartet.

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Der Termin gestern war sicherlich nicht zufällig gewählt: Der Direktor des UNSSC in Turin, Jafar Javan, stellte mit Simon Koppers, Leiter des Referats Vereinte Nationen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die 19. UN-Einrichtung in Bonn und ihren Leiter, Patrick van Weerelt, bei einer Pressekonferenz vor. Noch besteht der Stab nur aus fünf Mitarbeitern; ab Sommer sollen es zwölf sein. Und der Name der kleinen UN-Einrichtung klingt verheißungsvoll: Knowledge Centre of Sustainable Development.

Bonn als „Powerhouse“ der nachhaltigen Entwicklung sei prädestiniert für diese kleine, aber feine Einrichtung, so der UNSSC-Direktor. Auch van Weerelt war voll des Lobs für die Stadt am Rhein: Diese Dichte an Wissenschaftseinrichtungen, die geballte Stärke an mit der nachhaltigen Entwicklung befassten Organisationen und der eindeutige Schwerpunkt der Bonner UN-Familie versetze Bonn in eine außergewöhnliche Sonderstellung. So etwas gebe es sonst nirgendwo auf der Welt.

So viel Lob wegen einer solch vergleichbar kleinen Einrichtung? Die diplomatisch geschulten UN-Vertreter ließen durchblicken, dass sie Größeres im Sinn haben. Darauf angesprochen, ob denn nicht auch die Koordinierungsstelle für die „Sustainable Development Goals“ (SDG) etwas für Bonn wäre, also so etwas wie die Nachfolgeorganisation des New Yorker Büros für die Millenniumziele, sagte Jafar Javan: „Wir wären sehr glücklich, wenn sie hierher käme. Das wäre eine Superergänzung für die UN-Familie in Bonn.“

Vorbereitungen für "20 Jahre UNO-Stadt Bonn"

Auch wenn sich Koppers beeilte zu betonen, dass noch keine Entscheidung getroffen sei. Nach GA-Informationen wird im Hintergrund eifrig an einer Lösung gearbeitet. Während die UN einen ihrer wohl wichtigsten Arbeitsstäbe gerne in Bonn sähen, hängt die Ansiedlung zurzeit noch beim federführenden BMZ, das über die finanzielle Beteiligung zu entscheiden hat. Für Dienstag, 8. März, ist ein Besuch von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Bonn vorgesehen. Offiziell geht es um „20 Jahre UNO-Stadt Bonn“. Doch dem Vernehmen nach wollen die beiden am Dienstag gerne verkünden, wo die SDG-Koordinierungsstelle angesiedelt werden wird.

Mit bis zu 20 Mitarbeitern ist es zwar ein kleiner Stab, doch seine politische Bedeutung innerhalb der UN ist immens, denn er koordiniert einen Entwicklungsprozess, an dem alle Länder der Welt beteiligt werden sollen. Und so kann wohl die Vorstellung des Wissenszentrums für nachhaltige Entwicklung, das seine Arbeit bereits am 1. Januar im Haus Carstanjen aufgenommen hat, kaum zufällig zum gestrigen Termin gewählt worden sein.

Das Knowledge Center ist organisatorisch so etwas wie der zweite Campus des UN System Staff College (UNSSC), das seinen Hauptsitz im italienischen Turin hat. Doch das Wissenszentrum ist wesentlich mehr als eine Fortbildungsakademie. „Es ist ein völlig neues Konzept, das helfen soll, die von der UN gesetzten 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung für die Welt den Menschen auf nationaler und regionaler Ebene näherzubringen“, so Javan.

Während das UNSSC maßgeschneiderte Aus- und Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter der UN-Abteilungen und Partnerorganisationen anbietet, dient das Knowledge Center dazu, sich zu öffnen, die Nachhaltigkeitsziele an Unternehmen, staatliche Einrichtungen, aber auch die Zivilgesellschaft zu vermitteln. Seminare, Workshops und Konferenzen sollen zu diesem Zweck organisiert werden. Patrick van Weerelt: „Es geht uns, der UN, auch darum, Ansätze zu entwickeln, mit denen wir unsere Zusammenarbeit nach außen ausbauen. Wir wollen Katalysator sein für die vielen beteiligten Bereiche: die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die staatlichen Stellen, wir wollen Brücken bauen zwischen Wissenseinrichtungen, Unternehmen, NGOs und UN-Organisationen. Außerdem spielt die Länderebene bei diesem Prozess eine große Rolle.“