Unwetter in Bonn

Tief Manni macht Tunnel und Straßen unpassierbar

Unterführung an der Poppelsdorfer Allee: Die Sturzflut erwischt auch die Auslagen der beiden Läden im Tunnel.

Bonn. An der Unterführung Am Propsthof ist erst mal Schluss mit dem Postweg. Das Wasser steht dort hüfthoch. Briefträger Jacek Roszkowski, auch bekannt als Ballartist aus der TV-Show "Wetten, dass", kommt nicht weiter. Die Unterführungen sind die neuralgischen Punkte im Stadtgebiet.

Nachdem der Himmel seine Schleusen weit geöffnet hat, kann die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr verkraften. Der Wasserdruck schießt die Kanaldeckel hoch.

Fast nachtdunkel ziehen sich die Wolken zusammen und kündigen das Unwetter an. Um 11.54 Uhr stürzt der Regen über die Bonner Innenstadt. Nur wenige Minuten später wird die Leitstelle der Feuerwehr von Anrufen fast lahmgelegt. Die automatischen Brandmeldeanlagen werden durch das Gewitter aktiviert, so Martin Haselbauer von der Bonner Berufsfeuerwehr.

Keine halbe Stunde später laufen die Meldungen zugelaufener Unterführungen ein. Der Godesberger Tunnel wird als erster für den Verkehr komplett gesperrt, auch die Unterführungen am Hauptbahnhof sind "mit erheblichen Schäden" überflutet, wie Elke Palm vom städtischen Presseamt meldet. Das hat Auswirkungen auf den Verkehr in der gesamten Stadt.

Die Busse stehen im Stau oder müssen den Hauptbahnhof großräumig umfahren, die Straßenbahnlinien 61 und 62 können Richtung Dottendorf gar nicht mehr verkehren, die Linie 66 endet erst mal in Oberdollendorf, auch der rechtsrheinische Bahnverkehr ist betroffen, weil die Gleise verschlammt sind.

Eine dramatische Szene spielt sich auch an der Nordunterführung ab. Sie führt vom Hauptbahnhof zur Weststadt. Ein Autofahrer ist sich offensichtlich der Gefahr nicht bewusst und rast mit hoher Geschwindigkeit in die Unterführung ein. Hinter ihm kommen noch zwei Busse rechtzeitig zum Stehen.

Unterhalb der Eisenbahnbrücke ist für den Fahrer Schluss. Das Auto steht bedrohlich tief im Wasser und kommt nicht mehr weiter. Der junge Mann und seine Insassen müssen aus dem Wagen klettern. Mit vereinten Kräften schieben sie das Fahrzeug hoch auf das trockene Pflaster. Noch einmal Glück gehabt.

[kein Linktext vorhanden]Auch die Fußgängerunterführung nach Poppelsdorf ist überflutet. Die Blumenstube von Monika Lunge hat es hart getroffen: Viele Blumen kann sie nur noch entsorgen, und dann noch der ganze Schlamm und Dreck, der in ihrem Geschäft steht. An der Südunterführung pumpt die Stadt das Wasser ab, erst mit kleineren Pumpwagen, dann mit "Super-Schnelllaufpumpe Betsi", wie Werner Bergmann vom Tiefbauamt erklärt.

Die pumpt zwar 1500 Liter pro Sekunde ab, dennoch steht das Wasser am Abend immer noch so hoch, dass die Strecke geschlossen bleibt. Gegen 19.30 Uhr erklärt Stadtwerke-Sprecher Werner Schui, die ersten Bahnen könnten wieder durch die Südunterführung fahren.

Geräumt werden muss gegen 13 Uhr die Galeria Kaufhof. Dort ist wegen des Starkregens ein Fallrohr geplatzt, erklärt Geschäftsführerin Angelika Finkernagel. Das Wasser sei wie ein Sturzbach durch die Decke geschossen und habe Rolltreppen und Fahrstühle lahmgelegt. Finkernagel: "Bei uns geht Sicherheit vor. Deshalb haben wir das Haus für den Rest des Tages geschlossen." Der Kaufhof wird heute wie gewohnt ab 10.30 Uhr wieder geöffnet sein.

Noch während des Unwetters haben es die SWB mit Stromausfällen zu tun: In Godesberg, Pützchen und auf dem Venusberg. Die Bäche im gesamten Stadtgebiet treten über die Ufer. Zahlreiche Keller laufen voll. Die Bonner Feuerwehr ist mit rund 250 Kräften im Einsatz. Unterstützt werden sie vom Technischen Hilfswerk sowie weiteren Hilfsorganisationen.