"Bönnsche Imbiss"

Thomas Frommeyer betreibt ein Kultgeschäft

Ganz in seinem Element: Thomas Frommeyer reicht einem Kunden eine Currywurst über den Tresen. Der "Bönnsche Imbiss" ist bei vielen Bürgern der Stadt bekannt und beliebt. FOTO: HORST MÜLLER

Ganz in seinem Element: Thomas Frommeyer reicht einem Kunden eine Currywurst über den Tresen. Der "Bönnsche Imbiss" ist bei vielen Bürgern der Stadt bekannt und beliebt.

BONN. Wer diesem Mann begegnet, hat vorzugsweise Hunger. Und zwar richtig bodenständigen Schmacht. Auf Currywurst. Mit oder ohne Pommes. Willkommen am "Bönnsche Imbiss".

Thomas Frommeyer steht hinter der Theke seiner Bude, die in Bonn so etwas wie Kultstatus hat. Erkennbar allein daran, dass vor vier Jahren, als er mit seinem Imbiss vom Bonner Marktplatz weg musste, ein Aufschrei der Empörung durch die Stadt ging und in sechs Wochen 4800 Leute dafür unterschrieben, dass er bleiben sollte.

Genutzt hat es damals zwar nichts, dennoch: "Ich kann immer noch nicht fassen, dass mich damals so viele Leute unterstützt haben", sagt der heute 59-Jährige. Und fügt kopfschüttelnd hinzu: "Und das für eine Imbissbude."

Spätestens seitdem hat Frommeyer in Bonn einen gewissen Bekanntheitsgrad, auch wenn er inzwischen längst auf einem anderen Standplatz steht - an der Königswinterer Straße in Oberkassel, kurz hinter dem Polizeipräsidium. Außerdem brät er Würstchen und frittiert Pommes bei Heimspielen der Telekom Baskets. Da kann man Handfestes gut gebrauchen.

Doch woher kommt der Kultstatus? Das Geheimnis ist nicht nur der Name oder die nach viel Ausprobieren gewählte Wurst vom Metzger Mantau aus Beuel. Bei Frommeyer gibt es für den Kunden noch einen flotten Spruch oder einen bönnschen Verzäll dazu. Das kommt an. Klar, Qualität und Geschmack ist das A und O.

Die Mayo hat hier noch 80 Prozent Fett, die Currysoße wird eigenhändig verfeinert. Aber geliefert wird dazu eine Portion Heimatgefühl. Frommeyer, geboren in der Uni-Klinik auf dem Venusberg, aufgewachsen in Beuel, ist einer von hier. Einer, der rheinisch denkt, gerne hier lebt und "jönne könne" kann. Im Nachhinein auch in eigener Sache. "Ich kann schon verstehen, dass die Stadt damals den Standplatz auf dem Marktplatz ausgeschrieben hat", sagt er rückblickend. "Mit dem Ergebnis war ich zwar nicht so zufrieden, aber gut. . ."

Der heute in Vinxel wohnende Mann stand nicht immer in einer Imbissbude. Frommeyer ist gelernter Postbeamter, war Briefträger und ging schon 1991 in Frührente. Zwei Dinge kamen damals zusammen: "Die Post wurde gerade privatisiert und ich hatte einen Bandscheibenvorfall." Er nahm im Alter von nur 35 Jahren das Abschiedsangebot an.

"Aber ich habe mir schon immer etwas dazu verdient", fügt er gleich hinzu. Schon vorher. Damals, ab 1985 in der mobilen Würstchenbude am Friedensplatz, die immer abends vor dem kleinen Wäldchen stand. Als sie nicht mehr dort stehen durfte, weil die Buden-Esskultur zunehmend auf Kritiker stieß, blieb als einziger mobiler Standplatz der auf dem Marktplatz übrig. Der "Bönnsche Imbiss" bekam den Zuschlag.

Diese Zeit, von 2005 bis 2009, ging nicht spurlos an Frommeyer vorbei: "Sie war für mein Leben prägend", sagt er. Und erinnert sich, als er beim Weltjugendtag 2005 und der Fußball-WM 2006 aus seiner Bude blickte und mehrere hundert hungrige Mäuler vor der Theke anstanden. Dagegen war die Schlange, die seinerzeit immer samstags auf dem Markt geduldig wartete, eine leichte Übung. Der Stau hat seinen Grund: "Wenn du vernünftige Ware verkaufst und noch ein bisschen lustig bist, läuft das Geschäft."

Nach so langer Zeit sitzen alle Handgriffe, natürlich auch bei der "Kombi" für 4,10 Euro. Das ist im internen Sprachgebrauch eine Currywurst mit Pommes. "Das bestellen viele Leute aus Tradition", sagt Frommeyer. Der Trend zu unterschiedlichen Schärfegraden ist natürlich auch hier angekommen.

Die Soße gibt's in fünf Richtungen, von normal über leicht scharf bis unmenschlich. Leuten, die glauben, man könne durch einen Imbiss stinkreich werden, sagt Frommeyer: "Man schafft es zu zweit, maximal 80 Würstchen pro Stunde herauszugeben. Aber nicht Tausende, wie viele glauben." Auch nicht bei Pützchens Markt, wo er schon zwei Mal stand. Heute lässt er die Riesenkirmes lieber aus: "Ist zu viel Aufwand. Und die Fressbuden werden da immer mehr."

Nächstes Jahr wird er 60. Dann will sich der Buden-Betreiber langsam aus dem Betrieb zurückziehen und ihn an seinen Sohn Jan übergeben. Ob er ihm raten würde, sich für den 2016 wieder frei werdenden Standplatz auf dem Marktplatz zu bewerben? "Grundsätzlich ja."

Für den Senior sind jedenfalls viele Gesichter und Geschichten aus dieser Zeit hängengeblieben. Eine davon ist die von der Beerdigung des Bonner Kaufmanns Rüdiger van Dorp im Sommer 2012. Auf dessen Wunsch stand nach dem Gottesdienst der Bönnsche Imbiss vor der Münsterkirche. In ihm hing ein Schild, das die Trauergäste darauf hinwies: "Und diese Kombi geht auf mich. Rüdiger."

Typisch bönnsch

Das sagt Thomas Frommeyer über seine Heimatstadt:

  • An Bonn gefällt mir, dass ich immer Leute treffe, die ich kenne, wenn ich durch durch die Stadt laufe.
  • Ich vermisse die tollen Konzerte auf dem Museumsplatz.
  • Mein Lieblingsplatz war der Ennert, bevor die Autobahn gebaut wurde und ist heute die Rheinpromenade unterhalb des Bonner Bogens mit ihrer vielfältigen Restaurantlandschaft.
  • Typisch bönnsch ist leckeres Kölsch mit Blick auf den Rhein und das Siebengebirge