Kommentar zum Viktoriakarree

Teurer Stillstand

Das Viktoriakarree aus der Vogelperspektive.

Das Viktoriakarree aus der Vogelperspektive.

Bonn. Seit fast zehn Jahren tut sich nichts im Viktoriakarree. Doch die Flächen sind zu wertvoll, als sie für Parkplätze zu nutzen oder Häuser gar leer stehen zu lassen. Es ist höchste Zeit, dass die Stadt Bonn das Heft des Handelns in die Hand nimmt, meint GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Seit bald zehn Jahren ist ein großer Teil des Viktoriakarrees mehr oder weniger in einem Dornröschenschlaf versunken. Ein Stillstand, den niemand gutheißen kann. Wertvolle Flächen mitten in der Bonner Innenstadt werden für Parkplätze verschenkt, in einigen Häusern herrscht Leerstand, das Stadtmuseum und die Gedenkstätte müssen seit Jahren mit provisorischer Unterbringung leben, und das ehemalige Viktoriabad mit dem denkmalgeschützten Glasbausteinfenster gammelt vor sich hin. Die viel gepriesene Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Viktoriakarrees hat bisher auch nicht wirklich etwas gebracht.

Dass die Gespräche der Stadt Bonn über die Ergebnisse dieser Bürgerwerkstatt mit dem Investor Signa offensichtlich ohne Erfolg verlaufen sind, überrascht nicht. Das Unternehmen wollte ein Einkaufszentrum im Viktoriakarree errichten und dort – um es überspitzt zu formulieren – sicher keine Grünanlage mit Sandkisten oder Kleinkunstbühne bauen. Daran wird sich nichts geändert haben. Geld spielt bei Signa aber anscheinend keine Rolle, anders lässt sich nicht erklären, dass von dem Unternehmen nichts mehr zu hören ist.

Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Stadt Bonn jetzt das Heft des Handelns in die Hand nehmen und eigene Pläne für den städtischen Teil des Karrees entwickeln will. Vielleicht kommt so endlich wieder Bewegung ins Spiel, und Signa regt sich doch.

Erstaunlich ist, dass die Schwimmbadhalle jetzt offensichtlich als Veranstaltungsstätte für das Beethoven-Jubiläumsjahr im Gespräch ist. Dafür sollen allerdings die Schülerrudervereine, die im Viktoriabad seit einigen Jahren ebenfalls eine provisorische Bleibe für ihre Boote gefunden haben, hinauskomplimentiert werden. Verständlich, dass sich die traditionsreichen Vereine Sorgen machen und um ihren Fortbestand fürchten. Unerklärlich, warum die Stadt Bonn ihnen bis heute keine Lösung zur Unterbringung und zur Wartung der Ruderboote bieten konnte.