Ehemalige Abgeordnetenhäuser

Teure Herberge für Kongress-Teilnehmer an der Heussallee

BONN. Unscheinbar wirkt die Häuserreihe an der Heussallee. Die ehemaligen Abgeordnetenhäuser mit den Hausnummern 7 bis 11 sind nicht besonders hoch. Neben ihren riesigen Nachbarn Langer Eugen, Deutsche Welle, Post-Tower und World Conference Center Bonn (WCCB) wirken die Gebäude fast unscheinbar. Und dennoch entwickelt sich auch diese Häuserreihe zu einem finanziellen Klotz am städtischen Bein.

Wie berichtet, saniert die Stadt die Gebäude gerade, um sie später als sogenannte Boardinghäuser für Kongress-Teilnehmer zu nutzen. Ersten Aussagen zufolge soll bereits jetzt das Interesse riesig sein. Wie beim großen Nachbarn WCCB explodieren aber auch hier die Fertigstellungskosten. Als die Stadt vor gut einer Woche verkündete, dass man doch viele Millionen Euro mehr als geplant benötige, um das Prestigeobjekt zu Ende zu bauen, teilte sie auch mit, dass die Sanierung für die Ex-Abgeordnetenhäuser doppelt so teuer wird: Statt der ursprünglich geplanten 4,4 Millionen sollen sich die Kosten nun auf 8,7 Millionen Euro belaufen.

Inklusive eines Puffers von einer Millionen. 23 Appartements mit 35 Quadratmetern Fläche plus Balkon entstehen an der Heussallee 7 und 9. Nummer 11 wird das Zuhause der Tourismus & Congress GmbH. Zudem werden die Wohnungen nach aktuellen energetischen Standards saniert.

Und was treibt die Kosten in die Höhe? "Wir haben Schadstoffe gefunden wie Asbest, künstliche Mineralfasern und in geringen Mengen PCB", sagte Marion Duisberg, WCCB-Projektleiterin vom städtischen Gebäudemanagement. Auch würden drei Apartments barrierefrei umgebaut. Die Kombination aus dem Umfang der Schadstoffsanierung und der Maßnahme für Barrierefreiheit würde zu den Mehrkosten führen.

Das Projektteam sei aber guter Dinge, dass die Kosten nicht weiter stiegen. Bislang lägen die Kostenvoranschläge der ausführenden Firmen unter dem ursprünglich kalkulierten Betrag für die jeweiligen Posten. "Aber Unsicherheiten gibt es immer", sagte Duisberg. Die ursprüngliche Investitionssumme sei zu einem Zeitpunkt geschätzt worden, als noch gar nicht klar war, in welchem Zustand sich die Häuser befänden. Der Betrag hätte lediglich auf Mutmaßungen basiert, die auf das Baujahr (1964) und die damals gängigen Bauweisen zurückgeführt wurden.

"Energetisch fangen wir hier bei Null an", führt Duisberg ein Beispiel an. Zudem sei mit dem Denkmalschutz, unter dem alle drei Häuser stehen, Auflagen verbunden, die eben kosten. "Die Grundstruktur und die tragenden Wände müssen erhalten bleiben", erklärte Duisbergs Kollege Johannes Beeh. Für Nummer 11 musste eine Nutzungsänderung beantragt werden, da dieses nach der Fertigstellung ein Bürogebäude sein wird und kein Wohnhaus mehr.

Noch sind die Häuser Baustellen: Die Böden entfernt, Leitungen liegen offen, es riecht nach frischem Putz. "Als nächstes beginnen die Dachdecker mit ihren Arbeiten, und der Trockenbau startet eine Woche darauf", teilte Duisberg mit. Rund 30 Arbeiter würden in den Häusern werkeln. Natürlich nicht alle auf einmal in einem Gebäude, sondern abwechselnd und Schritt für Schritt. "Das ist das Gute an der Häuserreihe: Die Maßnahmen können so gut geplant werden", sagte Beeh. Wenn nun alles nach Plan läuft, sollen Ende des Jahres die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann stünde die Inneneinrichtung an.

Abgeordnetenhäuser
Seit 2000 stehen die Abgeordnetenwohnhäuser an der Heussallee als "Zeugnis für den Ausbau der provisorischen Hauptstadt Bonn in den Nachkriegsjahren Deutschlands" unter Denkmalschutz. Arno Hübner, Ex-Projektleiter des WCCB, wollte noch 2004 die Häuser für das Kongresszentrum opfern.

"Wir dürfen im Architektenwettbewerb nicht zu viele Einschränkungen vornehmen, denn gerade die Heussallee ist für die Verkehrserschließung und die Zugangsmöglichkeiten zum Kongresszentrum von gehobener Bedeutung", gab er damals zu bedenken. Aber Landeskonservator Udo Mainzer sprach den Bauten eine hohe Bedeutung mit Blick auf den Denkmalschutz zu, weil dort früher viele Bundestagsabgeordnete gewohnt haben. Die Gebäude stammen wie der Lange Eugen von Architekt Egon Eiermann.