Neue Fahrzeuge der Polizei in Bonn

Teil der Beamten findet Streifenwagen zu klein

Der neue Streifenwagen, in dem Andreas Schmidt (links) und André Piela seit einigen Wochen unterwegs sind, hat sich auch bei der Fahrt auf den vereisten Rodderberg zu einem gestohlenen Zigarettenautomaten bewährt.

Der neue Streifenwagen, in dem Andreas Schmidt (links) und André Piela seit einigen Wochen unterwegs sind, hat sich auch bei der Fahrt auf den vereisten Rodderberg zu einem gestohlenen Zigarettenautomaten bewährt.

12.02.2016 BONN. Ein Teil der Polizisten, die den neuen Wagen fahren, findet den 3er BMW als zu klein. Sollten Festgenommene transportiert werden, müsste vorher umgeladen werden.

Andreas Schmidt und André Piela von der Bad Godesberger Wache gehören zu den ersten Beamten der Bonner Polizei, die mit neuen Streifenwagen unterwegs sind: Und zwar mit Streifenwagen vom Typ BMW 318 d Touring. Bislang waren als Streifenwagen VW Passat Kombis im Einsatz.

Der BMW von Schmidt und Piela ist einer von insgesamt zehn neuen BMW-Kombis, die seit einigen Wochen zum Fuhrpark gehören, bestätigte Behördensprecher Frank Piontek. Insgesamt habe seine Behörde 60 Streifenwagen, die im Zuge eines Leasingverfahrens ausgetauscht werden sollen.

Wie berichtet, modernisiert die NRW-Polizei ihren Fahrzeugpark mit insgesamt 1845 neuen Streifenwagen vom Typ 3er BMW, bestätigt Wolfgang Beus, Sprecher im Düsseldorfer Innenministerium. Davon unabhängig würde die Autobahnpolizei mit neuen BMWs der 5er Reihe ausgerüstet.

Ministerium: Abmessungen wie beim Vorgängermodell

Ein Teil der Polizisten, die den neuen Wagen fahren, empfinden den 3er BMW als zu klein. Angaben des Ministeriums, die Abmessungen entsprächen in etwa denen des Passat, widersprechen sie: „Der neue Wagen ist definitiv kleiner“, sagt ein Bonner Beamter. Zudem sei die Sitzposition sehr niedrig und eng, wenn man die ganze Zusatzausrüstung des Beamten am Gürtel berücksichtige. Das bestätigt auch ein Kollege: Karosserie sowie Abstand zwischen Rückenlehne und Kofferraumklappe seien kleiner.

Außerdem liege der Fahrersitz niedriger. „Das steht im Widerspruch zum Gesundheitsmanagement.“ Weiterer Kritikpunkt ist das Kofferraumregal. Zwar sei es möglich, die Ausrüstung gut zu verstauen. „Man verliert dadurch aber wertvolles Zuladungsvolumen.“

Sollten Festgenommene transportiert werden, müsste vorher umgeladen werden. Denn für die persönlichen Führungs- und Einsatzmittel sei dann im neuen Wagen kein Platz mehr. „Regelmäßig fahren auch Auszubildende als dritter Insasse mit, dann muss aus Platzmangel noch ein zweiter Streifenwagen gebunden werden, wenn Festnahmetransporte durchgeführt werden.“ Das sei wenig effizient, kritisiert der Polizist. Etwas Positives kann sein Kollege dem Wagen aber doch abgewinnen: „Er fährt sich sehr gut und ist völlig ausreichend motorisiert.“

Fahrwerk erfüllt Erfordernisse des Polizeidienstes

Die ersten zwölf BMW 318d Touring hatte Innenminister Ralf Jäger bereits Anfang November an Polizisten aus Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Hamm übergeben. „Die neuen Streifenwagen erfüllen die hohen technischen Anforderungen für den täglichen Dienst und bieten ein Höchstmaß an Sicherheit“, sagte der Minister anlässlich der Übergabe.

Neu an den Streifenwagen ist nicht nur der Hersteller. Auch sind die Wagen jetzt mit einer gelben, fluoreszierenden Folie beklebt. „Damit sind die Einsatzwagen auch bei Tag erheblich besser zu erkennen“, erläuterte Jäger. Angepasst hatte der Hersteller auch das Fahrwerk an die Erfordernisse des Polizeidienstes. Dazu kommen dynamische Bremsleuchten und eine so genannte Runflat-Bereifung. Notlaufeigenschaften und verstärkte Flanken sorgen dafür, dass die Reifen selbst ohne Luftdruck nicht völlig einsinken und von der Felge springen können.

Dynamische Bremsleuchten helfen dem nachfolgenden Verkehr, ein leichtes Abbremsen von einer Vollbremsung zu unterscheiden. Ein besonderer Vorteil der BMW sei außerdem deren Wirtschaftlichkeit.

Aus Sicht von Udo Schott, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Bonn der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat die Neuanschaffung „Licht und Schatten“: „Ohne Zweifel ist das ein modernes und sicheres Auto, das Spaß macht zu fahren“, so Schott. Die Modernisierung sei aber nur die eine Seite der Medaille: „Wir brauchen auch Fahrzeuge, die für unsere Einsatzzwecke zu gebrauchen sind“, so der GdP-Mann.

Problem an dem BMW sei nämlich: „Rücksitze und Kofferraum sind nennenswert zu klein“, bemängelt er. Besonders schwierig sei für die Beamten „das Handling von Personen, die nicht so gerne freiwillig einsteigen möchten“. Im Vergleich dazu habe der VW Passat „ein wunderbares Platzangebot gehabt“.

Insgesamt haben vier Fahrzeughersteller Angebote eingereicht, und zwar jeweils für Kauf und Leasing, heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU. Dabei wurden zwei Hersteller ausgeschlossen, „da sie nicht alle als Ausschlusskriterien formulierten technischen Anfragen erfüllt haben“. Übrig blieben BMW und Opel.

Wer den Zuschlag bekam, ist hinlänglich bekannt. „Es ist nachvollziehbar, dass sich das Ministerium für das wirtschaftlichste Angebot entschieden hat“, sagt Schott. Immer wieder zu hörende Kritik an einer Untermotorisierung will Udo Schott nicht gelten lassen: „Für das innerstädtische Einsatzgebiet unserer Streifenwagen sind die 150 Pferdestärken ausreichend.“ (Axel Vogel, Ayla Jacob)