Verkehr in Bonn

Tausendfüßler wird bereits 2013 Baustelle

Die Auffahrt in Tannebusch: Auf Dauer ist der Tausendfüßler vor allem für die Lastwagen nicht mehr stabil genug.

BONN. Für die Autofahrer in der Region Bonn könnte es nächstes Jahr knüppeldick kommen: Der Tausendfüßler wird nämlich bereits im Frühjahr 2013 und nicht erst 2014, wie es ursprünglich aus dem Landesbetrieb Straßenbau NRW hieß, zur Großbaustelle.

Zudem sollen gleich im Anschluss die Dehnungsfugen auf der Süd- und danach auf der Nordbrücke erneuert werden. Das teilte der Landesbetrieb Straßenbau NRW am Montag auf GA-Nachfrage mit.

Der Tausendfüßler, eine 1959 errichtete Spannbetonbrücke der A565 zwischen Endenich und Bonn-Nord, muss zunächst verstärkt und in etwa zehn Jahren abgerissen und neu gebaut werden. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass die Brücke nicht mehr stabil genug ist, um vor allem den zunehmenden und immer schwerer werdenden Lastverkehr aufzunehmen.

Joachim Minten von der für Bonn zuständigen Landesbetriebszentrale in Krefeld bezifferte die Kosten für die Interimslösung auf drei bis sechs Millionen Euro. Was der Neubau kosten werde, könne man derzeit noch nicht sagen.

Der Tausendfüßler war erst vor fünf Jahren für rund fünf Millionen Euro saniert worden. Doch damals habe man die Verkehrsentwicklung und die sich dementsprechend verändernden technischen Anforderungen an Fahrzeuge und Brücken nicht absehen können, versicherte Gero Marzahn von der Landesbetriebs-Zentrale in Gelsenkirchen.

Nochmals wenige Jahre vorher, im Jahr 2002, hatte der Vorgänger des Landesbetriebs, das Autobahnamt, an den Anschlussstellen Endenich und Tannenbusch Durchstiegsmöglichkeiten in die Querträger des Brückenbauwerks einbauen lassen, um künftig sämtliche Instandhaltungsarbeiten an dem Bauwerk möglichst ohne größere Eingriffe in den Verkehrsfluss durchführen zu können.

Von Erfolg gekrönt war diese Maßnahme dann nicht, wie die Autofahrer bei der wenige Jahre später erfolgten Sanierung schmerzlich erfuhren, als der Verkehr auf dieser ohnehin stauträchtigen Verbindungsachse immer wieder zum Erliegen kam.

Die nun anstehende provisorische Baumaßnahme muss laut Marzahn sein, damit der Verkehr bis zum geplanten Neubau des Tausendfüßlers dort weiter ungehindert rollen kann. "Würden wir das nicht machen, müssten wir schon jetzt den Verkehr dort weitgehend einschränken", erklärte Marzahn.

Über den früheren Baubeginn am Tausendfüßler dürfte die hiesige Transportwirtschaft zwar erleichtert sein. Denn 2014 steht die Grundsanierung der Nordbrücke an. Doch angesichts der ganzen Brückenpläne im nächsten Jahr: Kommen sich da nicht doch gleich mehrere Großbaustellen ins Gehege?

Marzahn: "Für den Tausendfüßler haben wir etwa vier Monate Bauzeit einkalkuliert. Die Maßnahme sollte bis zum Beginn der Bauarbeiten an der Südbrücke beendet sein." Er kündigte an, mit der Stadt und der Wirtschaft aber sämtliche Termine noch abstimmen zu wollen.

Für Bonns Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber birgt der Neubau des Tausendfüßlers die Chance, nicht nur die gesamte A565 auf sechs Spuren aufweiten zu können, sondern auch eine Tieferlegung mit optimalem Lärmschutz zu erreichen. "Davon würde der ganze Bonner Norden erheblich profitieren", sagte er gestern.

Im übrigen habe er längst der Region empfohlen, die Modernisierung der A565 zur Priorität zu erheben und endgültig auf die Forderung des Baus einer Autobahnverbindung zwischen der A3 und der 562 zu verzichten. "Eine volle Sanierung der A565 wird zu einem erheblichen Verkehrschaos in der Region führen. Aber wir sollten die Chance jetzt ergreifen, dass die Bundesregierung für die A565 das Geld jetzt geben muss", sagte Kelber.