Rhein in Flammen 2015

Tausende im Takt von "Querbeat" und "Brings"

Von links nach rechts und umgekehrt schwenken Tausende ihre Arme vor der Hauptbühne bei Rhein in Flammen. In die Rheinauen kamen am Samstag geschätzte 120.000 Menschen, das Programm endete mit Brings.

BONN. Wassertaxis wären genau das Richtige an Tagen wie am Samstag bei "Rhein in Flammen". Denn wer es sich, wie so viele, schon am Nachmittag am Beueler Rheinufer gemütlich gemacht hatte und abends auf die Idee kam, sich doch mal in den Trubel auf der linken Rheinseite zu stürzen, konnte dies quasi nur noch auf Schusters Rappen tun oder - wie lästig - zur Bahn laufen.

Die Zufahrten waren für Autos bereits am Nachmittag gesperrt, und mit dem Fahrrad war auf beiden Seiten des Rheins aufgrund der Menschenmassen kaum ein Durchkommen mehr. "Wir haben von Oberkassel auf jeden Fall den schöneren Blick auf das Feuerwerk und den Schiffskonvoi", sagt Hans Georg Dreidoppel vom Oberkasseler Bürgerverein. "Und es ist hier bei uns immer eine gemütlichere und familiärere Atmosphäre, weil sich viele untereinander kennen."

Überall zieht der Duft von gegrillten Würstchen und Steaks in die Nase. Viele Besucher haben es sich auf Decken bequem gemacht. Männer stehen an kleinen Grills, die zu Hunderten entlang des Ufers aufgebaut sind, und versorgen ihre Familien mit allerlei Leckereien. Daneben stehen geöffnete Sektflaschen und das obligatorische Fässchen Bier, aus dem sich auch der Nachbar mal ein Gläschen zapfen darf.

"Wir stellen schon lange keine eigenen Buden mehr am Oberkasseler Rheinufer auf, weil sich die Leute dort überwiegend selbst versorgen", erklärt "Rhein in Flammen"-Veranstalter Jürgen Harder. Lediglich entlang der Promenade unterhalb des Bonner Bogens, wo ab dem frühen Abend DJ Mario Sunfox den Tanzwütigen mit Schlagermusik der 1980er und 90er Jahre einheizt, gibt es an fünf Buden Essen und Getränke zu kaufen. Mit mäßigem Erlös, wie Harder später berichtet. "Wir als Veranstalter kommen aber auch für die Sicherheit und Sauberkeit auf der Beueler Seite zwischen Bundeshäuschen und Südbrücke auf. Daran sollten die Leute auch einmal denken, und sich auch mal das ein oder andere Bier kaufen, zumal die Veranstaltung kostenlos ist."

Ausverkauft ist längst die Party im Kameha, wo die Gäste bis weit in die Nacht feiern und von der Terrasse aus einen fantastischen Blick auf die Schiffe und das Feuerwerk haben. Die Schiffe - laut Tourismus & Congress GmbH 45 an der Zahl - sind in Linz gestartet und haben sich hinter- und nebeneinander auf dem Rhein in Bonn formiert, damit ihre rund 13.000 Passagiere das Feuerwerksspektakel vom Wasser aus verfolgen können. Auf einem Schiff ist der Lord Mayor aus der Bonner Partnerstadt Oxford zu Gast. Mohammed Niaz Abbasi genießt die Schiffspassage im Rahmen des Partnerschaftsprogramms Bonn-Oxford gemeinsam mit Vize-Bezirksbürgermeister Wolfgang Maiwaldt. "Ich sage Ihnen, er war total begeistert", berichtet Maiwaldt hinterher, selbst auch ganz euphorisch.

Als einziger Verein in Oberkassel beteiligt sich der Oberkasseler Fußballverein an der Veranstaltung. Trotz der vielen Selbstversorger haben die Jungs am Bierstand und beim Würstchenverkauf ganz gut zu tun, freut sich Bürgervereinsvorsitzender Dreidoppel. "Früher haben sich deutlich mehr Vereine beteiligt", weiß er. Auf die Frage, warum das heute denn anders ist, meint er, "es fehlen einfach die Leute dazu".

Am Bonner Ufer füllen sich zunächst nur langsam die Wiesen mit Leuten auf Picknickdecken und Klappstühlen. Tausende - vor allem junge Leute - stehen lieber noch vor der Bühne an der Südbrücke, wo die Macher des Beueler "Green Juice Festivals" unter dem Motto "RheinImpuls Festival" viele lokale Bands auf die Bühne bringen, oder vor der Hauptbühne auf der großen Blumenwiese.

Da geht regelrecht die Post ab. Die Karussells und Imbissbuden rund um die Hauptbühne, wo Volker Groß von Radio Bonn/Rhein-Sieg als Moderator unter großem Jubel die nächste Band ankündigt, können sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. "Ich höre nur Positives", sagt Harder, "und das ist schon bemerkenswert, wenn Schausteller sich nicht beklagen."

Dafür meckern viele Besucher, weil sie vor den Toiletten lange anstehen müssen. "Von den Dixi-Klos könnte man doch ruhig ein paar mehr aufstellen", meint Silke König aus dem Westerwald. Wie sie sind zahlreiche Besucher auch von weit her gereist, um "Rhein in Flammen" nicht zu verpassen. Davon zeugen auch die vielen Reisebusse, die ab dem späten Nachmittag in der Kurt-Schumacher-Straße Stoßstange an Stoßstange stehen.

Da sind die Menschen vor der Hauptbühne schon kaum mehr zu halten. Die Gruppe "Querbeat", die sich weit über Bonn hinaus einen Namen gemacht hat und längst nicht mehr nur auf Karnevalsbühnen zu Hause ist, rockt die Massen auf der großen Blumenwiese. Hinter der Bühne machen die Bandmitglieder von "Brings" mit Harder und seinem Team ihre Späßchen. Irgendwie kocht das Thema Festspielhaus hoch, und Brings-Schlagzeuger Christian Blüm gibt sich skeptisch. "Als Künstler kann man ja nicht dagegen sein", sagt er, "aber ich verstehe nicht, warum für die E-Musik immer soviel getan wird, und wir als U-Musiker uns jeden Cent mühsam selbst verdienen müssen." Dann ist keine Zeit mehr. Die fünf Jungs - neben Christian Blüm sind es noch Stephan und Peter Brings, Harry Alfter und Kai Engel - sind dran.

Ganz kurzfristig hatten sie Harder ihren Auftritt angeboten. Und der hat natürlich keine Sekunde lang gezögert. Das war gut so. "Das ist der Wahnsinn, wie viele Leute vor der Bühne stehen. Das habe ich noch nie erlebt", sagt er. Keiner weiß genau: Sind es 20.000 oder sogar 30.000, die Brings begeistert feiern und fast alle Songs lauthals mitsingen? Dann ist sie da, die Gänsehaut: "Halleluja, Halleluja" singen die Jungs und kurz danach geht es los, das grandiose Feuerwerk.