Für den Klimaschutz

Tausende demonstrieren in Bonn bei "Fridays for Future"

Bonn. Mehrere tausend Schüler und Studenten haben sich am Freitag in Bonn versammelt, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Um 13 Uhr gab es die Abschlusskundgebung auf dem Münsterplatz.

Weltweit sind Menschen am Freitag auf die Straße gegangen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. So auch in Bonn: Der Regen prasselte unermüdlich auf den Asphalt an diesem ungemütlichen Tag. Ein Lied der Ärzte tönte über den Bonner Münsterplatz. „Es ist nicht meine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur meine Schuld, wenn sie so bleibt“, sangen Hunderte Schüler aus vollem Hals.

3500 Jugendliche haben sich nach Angaben von Polizeisprecher Simon Rott am Freitagmorgen in der Innenstadt versammelt, um auf der Demonstration „Fridays for Future“ gehört zu werden.„Wir müssen die Umwelt schützen, um eine Zukunft zu haben, in der wir gerne leben“, sagte der zwölfjährige Bendix Büttgen. Die sechste Klasse der CJD Christophorusschule Königswinter nutzte die Demonstration als Schulausflug. Sowohl Umweltschutz als auch die Streikaktion wurden zuvor im Unterricht thematisiert. „Das ist auch wichtig“, sagte Schüler Oskar Wörsdörfer. „Die Vorschläge aus der Politik helfen nicht. Den Politikern fehlen die Ideen. Deshalb müssen wir etwas tun.“

Die Meinung des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner spiegelte sich auf vielen Plakaten wider: Lindners Aussage, Klimaschutz sei „eine Sache für Profis“, hatte für Empörung gesorgt. „Würden die Profis etwas machen, müssten wir nicht auf die Straße“, sagte Büttgen. „Es ist schließlich auch unsere Zukunft, daher sollten wir uns äußern“, sagte Lotta Neu. Die 13-Jährige besucht das Clara-Schumann-Gymnasium in Bonn. „Die Schule ist sehr geteilter Meinung zu der Demonstration. Viele Lehrer unterstützen es nicht.“ Über eine Whatsapp-Gruppe hatten sich 239 Schüler des Gymnasiums zum Demonstrieren verabredet. Dass sie eine unentschuldigte Fehlstunde dafür bekommen, sei den Schülern egal. „Wir schwänzen für eine gute Sache“, so Neu.

Egbert Bachner ist einer der Schulleiter, in dessen Brust zwei Herzen schlagen: Einerseits ist der Direktor des Sankt Adelheid-Gymnasiums in Beuel wie seine Kollegen an das Gesetz gebunden, andererseits bescheinigt er seinen Schülern „Zivilcourage“, wenn sie für die „wichtige Sache“ demons-trierten und dabei die unentschuldigte Fehlstunden in Kauf nähmen. Eine Lehrerin der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Tannenbusch nahm mit ihrem Kurs der Jahrgangsstufe 9 sogar mit Genehmigung von Schulleiterin Margarete Runke an der Demo teil. „Sie hat das Thema Klimaschutz im Unterricht diskutiert und die Demo dann für einen Unterrichtsgang genutzt“, erklärte Runke.

 

Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken empfindet hohen Respekt vor den Schülern, die sich an den Demonstrationen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz beteiligen. Man habe lange das Desinteresse der jungen Generation an politischen Fragen kritisiert. Deshalb solle man die Demonstrationen als Hinweis auf eine neue Aufmerksamkeit der Jugend für das Gemeinwohl verstehen. Picken: „Sie nutzt der Demokratie und dient der notwendigen Bewahrung der Schöpfung.“

Rund 500 Schüler und Studenten nahmen laut Polizeiangaben unterdessen an der „Fridays For Future“-Demonstration in Siegburg teil. Einige Schulleitungen unterstützten die Aktion, andere schrieben ihren Schülern unentschuldigte Fehlstunden auf. Von Teilen ihrer Eltern bekamen die Kinder und Jugendlichen zusätzliche Unterstützung: Die Bewegung „Parents For Future“ zeigte sich ebenfalls auf der Demo.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte: „Ich begrüße das politische Engagement der Schülerinnen und Schüler ausdrücklich. Ich finde es gut, wenn junge Menschen bereit sind, für ihre Ziele auf die Straße zu gehen. Als Schulministerin sage ich: Das Demonstrationsrecht setzt die Schulpflicht nicht außer Kraft.“

 

Begonnen hatte die globale Protestwelle am Freitagmorgen in Asien und Ozeanien, wo ebenfalls Zehntausende junge Menschen unterwegs waren. Demonstrationen gab es unter anderem in Sydney, Bangkok, Neu Delhi, Hongkong und Wellington. Massenhaft haben junge Menschen in mehr als 100 Ländern gestreikt – auch in den USA und in Afrika. In Berlin zogen etwa 10.000 vor das Bundeswirtschaftsministerium, in München kamen nach Angaben der Polizei 8000 zusammen. In Frankfurt am Main sowie Bremen waren es je 5000 Demonstranten, in Köln ebenfalls mehrere tausend.

Greta Thunberg, die im Sommer im vorigen Jahr mit einem wöchentlichen Solostreik begann, beteiligte sich am Streik in Stockholm. „Wir durchleben eine existenzielle Krise, die schon Jahrzehnte ignoriert wird“, sagte die 16-Jährige. Sie habe die Bewegung der Schüler nicht ausgelöst, diese habe lediglich einen „Zündfunken“ gebraucht. In der ugandischen Hauptstadt Kampala kritisierte der Student Sadrach Mirere, einer der dortigen Organisatoren: „Die heutigen Führer werden alt und sterben – und hinterlassen eine ruinierte Welt.“ (mit Inhalten von afp)