"Fridays for Future"

Tausende Schüler demonstrieren in Bonn

Bonn. Tausende Schüler haben sich am Freitagmorgen auf der Bonner Hofgartenwiese versammelt und sind von dort im Rahmen von "Fridays for Future" durch die Innenstadt gezogen.

Eine Passantin applaudierte, als die jungen Leute ihre Fridays-for-Future-Parolen riefen. „Warum soll man nicht den jungen Leuten die Möglichkeit geben zu demonstrieren?“, meinte ein Mann. Und eine ältere Frau lobte die große Zahl der Demonstranten, die sich am Freitagvormittag von der Hofgartenwiese aus durch die Stadt bewegten und dabei den Verkehr behinderten. „Die müssen doch eine Zukunft haben.“

Die Veranstalter korrigierten ihre Schätzungen alle Nase lang nach oben, offenbar weil sich auch Passanten den Protestlern anschlossen. Bei der Kundgebung auf dem Bertha-von-Suttner-Platz freute sich Mitveranstalter Luca Samlidis über mehr als 6000 Teilnehmer: Das wären doppelt so viele wie erwartet. Die Polizei, die von einem ruhigen Verlauf spricht, hatte rund 2500 Teilnehmer geschätzt.

Die Jugendlichen wollen, wenn sie schon am Sonntag nicht mitwählen dürfen, ihre Meinung kundtun. Sie wollen ein Europaparlament, das sich mit Klimafragen auseinandersetzt, und dafür schwänzen sie auch den Unterricht. „Es gibt natürlich die Schulpflicht, die ihre absolute Daseinsberechtigung hat“, sagte Kristoffer, der in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr einen Urlaubstag nutzte, um mitzudemonstrieren. „Aber es gibt auch das Recht zu demonstrieren.“ Und die Diskussion um das Schulschwänzen habe dem Anliegen der Schüler auf jeden Fall Aufmerksamkeit gebracht. „Ich finde es positiv, dass die Schüler überhaupt auf die Idee kommen, sich einzusetzen.“

„Wozu Bildung, wenn es keine Zukunft gibt?“, stand auf dem Plakat, das Max (12) vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium mitgebracht hatte. Er nahm zum ersten Mal an dieser Demo teil, „weil ich will, dass wir eine saubere Umwelt haben“. Seine Eltern fänden sein Engagement gut, und da sein Lehrer mitdemonstrierte, war es eigentlich nur halb geschwänzt.

Demonstrationszug durch die Innenstadt

Der Marsch ging durch die Innenstadt und zurück zum Hofgarten, unterwegs schlossen sich auch Grundschulen, Studierende und sogar Tagesmütter an. „Es ist toll, dass heute so viele junge Schüler da sind“, meinte Samlidis. Man habe den Fokus bewusst auf die Europawahl gelegt, erklärte Mitveranstalterin Franzi Bassenge. Das habe viele motiviert. Sie kamen aus Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Umland. Für Sonja und Finja (beide 13) vom Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin war wichtig, „dass die Schüler sich auch bemerkbar machen können“. Sie schwänzten den Unterricht, aber ihre Lehrerin finde das gut.

Schon oft bei den monatlichen Demos waren Michael und Robert (beide 16) vom Konrad-Adenauer-Gymnasium. Ersterer ist regelmäßiger Redner und kritisierte auch am Freitag deutsche Parteien, die versucht hatten, die Demonstrierenden klein zu reden. Er habe inzwischen einige Fehlstunden angesammelt, was aber bislang keine Auswirkungen auf die Noten habe. Notfalls arbeite er Unterrichtsstoff am Wochenende nach. Seine Eltern unterstützten ihn, „aber sie würden es gar nicht erst versuchen zu entschuldigen“. Er trage auch die Konsequenzen für sein politisches Engagement.

Von der gleichen Schule kommt auch Luisa (17), die von Anfang an dabei ist. Ablehnung für ihr Engagement während der Unterrichtszeit habe sie kaum erfahren, „eher Skepsis, ob das überhaupt etwas bringt“. Und das vor allem von Lehrern. „Das hat sich aber geändert, als die ersten Demos mit 5000 Leuten in Bonn waren.“ Sie appellierte: „Wählen gehen, und zwar für die richtige Partei.“