Prozess um Tod von Niklas Pöhler

Tatort erst nach sechs Stunden gesichert

Das Rondell an der Rheinallee, an dem Niklas P. am 7. Mai attackiert worden war und dann an den Folgen der Verletzungen starb, soll umgestaltet werden.

Das Rondell, an dem Niklas Pöhler am 7. Mai attackiert wurde. Er starb an den Folgen des Angriffs.

Bonn. Am zwölften Verhandlungstag hat der in der Tatnacht zuständige Beamte der Spurensicherung vor dem Schwurgericht ausgesagt. Er wurde erst Stunden nach der Tat alarmiert.

Am zwölften Verhandlungstag im Niklas-Prozess schien alles wieder von vorne anzufangen: Vier Polizeibeamte standen am Freitag auf dem Zeugenplan des Bonner Jugendschwurgerichts. Sie sollten von den ersten Vernehmungen mit den Beschuldigten und auch Zeugen berichten. In dieser Tatnacht war der 19-jährige Freund des 17-jährigen Schülers Niklas Pöhler der erste Zeuge gewesen. Trotz sehr präziser Aussagen, so die Erinnerung des vernehmenden Beamten, sei er "gedankenmäßig bei seinem Freund gewesen. Er hatte den Kopf ganz woanders."

Der 19-Jährige hatte den tödlichen Zusammenstoß unter Jugendlichen am Godesberger Rondell miterlebt. Einen Meter nur stand er entfernt, als der Faustschlag den 17-jährigen Niklas zusammensacken ließ. Eine Viertelstunde wurde der bewusstlose Freund reanimiert: Dann schlug das Herz wieder, aber ein Zurück ins Leben gab es nicht mehr. Das hatten die Ärzte noch in der Nacht festgestellt. Fünf Tage später, am 12. Mai 2016, starb er in der Klinik.

Trotz der dramatischen Situation am Tatort, wurde die Spurensicherung nicht gerufen. Erst morgens gegen 5 Uhr wurde der zuständige Beamte aus dem Bett geholt, berichtete der 58-Jährige am Freitag als Zeuge. Als er via Polizeipräsidium gegen 6.30 Uhr am Rondell an der Ecke Rüngsdorfer Straße/Von-Groote-Platz erschien, sei der der Tatort nicht gesichert gewesen. Alles was der Beamte noch feststellen konnte, waren eine "zwölf Zentimeter große Blutanhaftung" auf dem Asphalt und - 90 Zentimeter davon entfernt - eine Zwei-Cent-Münze.

Niklas' Mutter "fassungslos"

"Ich weiß nicht, ob wir mehr Spuren gefunden hätten, wenn wir früher da gewesen wären", räumte der Beamte ein. Immerhin war um diese Uhrzeit bereits wieder viel Verkehr unterwegs gewesen, und Fahrzeuge seien auch über die Tatortspur gerollt. Eine Erklärung für den späten Einsatz hatte er nicht. Zur Sicherheit wurden an dem Rondell noch die Mülleimer entleert und das Weggeworfene asserviert. Aber "relevante Spuren" hätten sich daraus nicht ergeben.

"Ich bin fassungslos, wie das gelaufen ist", kommentierte anschließend Niklas Mutter. Die 48-Jährige, die den Prozess als Nebenklägerin aufmerksam begleitet, hält sich sonst eher zurück. Aber die Nachricht von der fahrlässigen Spurensuche hat sie erschüttert.