Kommentar zum NRW-Förderprojekt

Talentschulen und mehr

Ein Schüler der sechsten Klasse an einem Gymnasium meldet sich im Unterricht.

Symbolfoto.

Die Karl-Simrock-Hauptschule in Endenich und das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Plittersdorf bewerben sich für den NRW-Schulversuch. Landesweit bekommen nur 60 Schulen ab Sommer 2019 Unterstützungen.

Die 60 Schulen in Nordrhein-Westfalen, die sich ab Sommer sechs Jahre lang Talentschulen nennen dürfen, werden unbestritten gut dran sein. Unterstützt werden sollen sie mit mehr Lehrern, mehr Geld, Möglichkeiten für kreative Förderprojekte und vor allem auch mit einer intensiven Sozialarbeit in schwierigem Umfeld.

Es ist den beiden Bonner Kandidaten, der Karl-Simrock-Hauptschule und dem Nicolaus-Cusanus-Gymnasium, zu wünschen, dass die Wahl des NRW-Ministeriums im Februar auch auf sie fallen wird. Wer in ihrer Ausgangslage mit einem Großteil von Kindern aus einkommensschwachen und eher bildungsfernen Familien so ehrgeizige Arbeit leistet, wie es die Hauptschule in Endenich und das Gymnasium in Plittersdorf schon jetzt tun, dem sei jede zusätzliche Förderung gegönnt.

Das entkräftet aber letztlich nicht die Kritik etwa von Lehrerverbänden am Schulversuch des NRW-Ministeriums. Die schwarz-gelbe Landesregierung schaffe nur Leuchtturmprojekte, meldet sich etwa die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft zu Wort. Landesweit gebe es bis zu 1000 weiterführende Schulen in sozialen Brennpunkten – und alle benötigten finanzielle Hilfen.

Auch aus der Sozialwissenschaft kommen Warnungen. In rund 570 Grundschulen in NRW würde ebenfalls in einem schwierigen sozialen Umfeld unterrichtet. Die blieben beim aktuellen Schulversuch allerdings außen vor. Auch in Bonn fielen sicher jedem sofort noch zahlreiche weitere, unter erschwerten Bedingungen prima arbeitende Schulen ein, die gleichfalls schnelle Hilfe bitter nötig hätten. Das lobenswerte Projekt Talentschulen sollte mithin nur am Anfang einer profunden Förderung aller Schulen stehen, und insbesondere die Brennpunktschulen in den Blick nehmen. Damit in Zukunft noch mehr junge Menschen früh die Chance bekommen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.