Haribo-Halle vor dem Abriss

Tage von Deutschlands ältester Badmintonhalle sind wohl gezählt

BONN. Unternehmensleitung: Das könnte unumgänglich sein. Kooperation mit 1. Badminton Club Beuel.

Auch wenn der Bauzaun mit Planen abgedeckt ist, um den Blick auf die Container zu verhindern: So sind die vollen Bauschuttbehälter nicht zu übersehen. Seit gut zehn Tagen fahren Bagger rein und raus, geschäftiges Treiben herrscht an der alten Hans-Riegel-Halle an der Hermann-Milde-Straße in Kessenich.

"Innen steht nichts mehr", erzählen einer der Männer, die seit sieben Jahren jede Woche in der Halle gespielt haben. Sie haben Bilder gemacht, die zeigen, dass die Halle praktisch komplett entkernt ist.

Das Hallendach weist an mehreren Stellen faustdicke Löcher auf. "Die hellen Bruchkanten zeigen, dass das frische Beschädigungen sind", meint der Fotograf, der nicht genannt werden will. "Die haben offensichtlich die Innenverkleidung vollständig herausgerissen - und mit ihr zum Teil ihre Befestigungen im Dach.

Dadurch sind diese Löcher entstanden. Die Dachkonstruktion war wohl tatsächlich nicht mehr ganz dicht, aber solche Löcher hat es vorher nicht gegeben." Auch längst Geschichte: Der in seiner Schwingbodenkonstruktion einzigartige Hallenboden. Ein Foto zeigt einen Bagger, der auf dem blanken Betonboden steht - inmitten von Trümmerteilen.

Von der Haribo-Unternehmensleitung war trotz mehrerer Anfragen keine Erklärung zu den Arbeiten zu bekommen. Am Mintag gab es dann eine schriftliche Stellungnahme, in der es heißt, dass eine technische Überprüfung durch eine Fachfirma stattfinde, um den Reparaturbedarf zu ermitteln.

Man wollte wissen, "welche umfassenden Arbeiten" an den Decken- und Dachkonstruktionen erforderlich seien. "In diesem Zusammenhang wurde zusätzlich eine externe Begutachtung über den Gesamtzustand der Halle inklusive der Dachkonstruktion durchgeführt. Diese Begutachtung hat zu unser aller Enttäuschung ergeben, dass die Bausubstanz der Halle so marode und stark beschädigt ist, dass Haribo einen Fortbetrieb unter keinen Umständen verantworten kann. Aus diesem Grund wird in einem ersten Schritt kurzfristig die undichte Dachkonstruktion abgetragen. Trotz der intensiven Bemühungen der letzten Wochen befürchten wir, dass ein Abriss der Halle aus Sicherheitsgründen unumgänglich sein könnte."

Laut Presseamt der Stadt Bonn steht die Halle nicht unter Denkmalschutz. Es liege auch noch kein Antrag auf Abriss vor, hieß es.

Für Haribo scheint das Ende der Halle indes klar zu sein. Die Familie Riegel wolle sich nun anderweitig für den Badmintonsport, dem sie sich "seit Jahrzehnten traditionell verbunden" fühle, engagieren. Haribo wolle mit dem 1. Badminton Club Beuel 1955 kooperieren, "um dem Badmintonsport eine langfristige und gesicherte Zukunft in Bonn zu bieten". Wie diese Kooperation aussehen soll, das wollen Vereinsvorstand und Haribo-Vertreter am Mittwoch in einer Pressekonferenz darlegen.

Der bisherige Hallenpächter Said Arbab hat noch nicht aufgegeben. Auf der Webseite kündigt er an, "möglichst zeitnah eine neue Halle in der Nähe zu errichten". Arbab: "Ich bin in Gesprächen mit Investoren. Für mich ist das auch eine emotionale Sache. Ich habe die Haribo-Halle ja 27 Jahre lang betrieben."