Großzirkus in Bonn

Tag der offenen Tür im Zirkus Roncalli

Wer lässt sich nicht gerne von starken Männern auf Händen tragen? Elena aus Brühl hat jedenfalls volles Vertrauen.

Wer lässt sich nicht gerne von starken Männern auf Händen tragen? Elena aus Brühl hat jedenfalls volles Vertrauen.

Bonn. Am Tag der offenen Tür am Sonntag im Großzirkus Roncalli in Bonn haben 1000 Besucher und 200 Tänzer das Zelt gestürmt und hinter die Kulissen geschaut.

Ein moderner Großzirkus wie Roncalli – bei aller Nostalgie verbirgt sich dort hinter den Kulissen viel Technik und noch mehr Arbeit. Am Sonntagvormittag nutzen mehr als tausend Besucher die Gelegenheit, beim Tag der offenen Tür etwas mehr darüber zu erfahren. In dem kostenlosen Programm lässt Betriebsleiter Patrick Philadelphia die Zirkuskuppel hochfahren, demonstriert die Surround-Sound-Anlage und die umfangreiche Beleuchtung. Philadelphia ist ein alter Hase. Seit 22 Jahren ist er im Unternehmen und stammt selbst aus einer alten Zirkus-Familie. Ihn hat so leicht nichts um.

Viel zu lernen gibt es aber vor allem bei den Künstlern, die das Roncalli-Programm gestalten. Gabor, Peter und Evita zeigen den staunenden Besuchern, wie man mit dem Schleuderbrett soviel Schwung bekommt, dass ein doppelter Salto gelingt. Als die siebenjährige Elena aus Brühl Minuten später als Freiwillige im Manegenrund steht, zeigt sie denoch keine Angst. Gekonnt tragen Gabor und Peter sie auf Händen wie eine Prinzessin. Und Elena strahlt.

Später dürfen Kinder und zum Muttertag auch die mutige Monika aus Bonn zusammen mit einem Profi ein paar Runden an den Strapaten unter der Zirkuskuppel drehen. Vier Herren der Schöpfung zieht Philadelphia dagegen routiniert ihre Polsterstühle unter dem Hintern weg und lässt sie auf den Knien der anderen liegen. Schließlich heben die Requisiteure in Livree die Plane an und das Quartett purzelt durcheinander.

 

Stars des Programms

Während im Zelt das Programm weiter läuft, sitzt draußen im Café der Artistes Robert Wicke beim zweiten Morgen-Latte. Der 41-Jährige ist einer der Stars im aktuellen Programm. Mit Jonglage und seinem Talent fürs Beatboxen am Mikrofon begeistert er Kinder und Ältere gleichermaßen.

"Der Zirkus ist schon eine ganze eigene Welt", erzählt Wicke. Eigentlich kommt er aus der HipHop-Szene, aber inzwischen wird er lieber als Clown angesehen. An seinem Job liebt er vor allem die Interaktion. "Jeder Abend verläuft ein bisschen anders. Man kann seine Nummern nicht einfach abspulen", verrät er. Der Zirkus lasse ihm dazu im Rahmen seiner Nummern ziemliche Narrenfreiheit. "Hauptsache, es kommt an", sagt Wicke und muss jetzt auch dringend los zu seinem Kurzauftritt.

Flashmob mit 180 Tänzern

Nach dem Beatboxer sorgt Thomas Zimmermann von der Tanzschule Lephne-Herbst für Trubel im Zelt. 180 seiner jungen Tänzerinnen und Tänzern stürmen die Manege zu einem kurzen Flashmob und tanzen zu elektronischen Beats. Erst am späten Abend vorher haben sie sich angekündigt. Roncalli-Chef Bernhard Paul war für die Drei-Minuten-Einlage gleich Feuer und Flamme.

Wer weniger Talent zur Selbstdarstellung hat, der kann sich in der Pause im Künstler-Café von den Clowns schminken lassen. Ein Blick in die Schneiderei oder ein Selfie mit den Roncalli-Pferden sind ebenfalls schwer angesagt. Und es gibt eine Gegenfrage für den Besucher, der etwas provokant wissen möchte, ob die Tiere im kommenden Jahr, wenn sie nicht mehr auftreten sollen, in der Wurst landen: "Essen denn Sie Ihre Kollegen?"