Soziale Einrichtung an der Mackestraße

Tafel in Bonn deckt 4500 Bedürftigen den Tisch

Christel Spilles, Christel Schilling, Hiltrud Stauf und Isabell Ohl füllen Taschen mit Lebensmittel.

Christel Spilles, Christel Schilling, Hiltrud Stauf und Isabell Ohl füllen Taschen mit Lebensmittel.

Bonn. 40 Geschäfte spenden Lebensmittel und retten sie so vor der Abfalltonne. Dafür freuen sich Menschen, die sich vieles nicht leisten können. Erneut gibt es eine Weihnachtspaket-Aktion.

Die Mangos duften zuckersüß. „Eine tolle Qualität“, begutachtet Marianne Baldus die Südfrüchte, die gerade zusammen mit frischer Ananas geliefert wurden. Die Apfelsinen und Mandarinen sind ebenfalls einwandfrei. „Tadellos“, freut sich auch Horst-Dieter Tontarski. „Eigentlich ist es unverständlich, dass niemand solche tollen Produkte gekauft hat“, sagen die beiden Vorstandsmitglieder der Bonner Tafel kopfschüttelnd. Zum Glück. Denn so können sie mit dem Obst den Speiseplan einiger Bedürftiger an diesem Tag um einen besonderen Leckerbissen ergänzen. Frisches Kohlgemüse, Kartoffeln, Tomaten, selbst bestes Olivenöl, hochwertige Marmeladen und Blumensträuße gibt es heute in der Mackestraße – Lebensmittel, die auf den Tisch und nicht in den Müll gehören.

Wie an jedem Wochentag waren die sechs Transporter des Vereins schon früh morgens in der Stadt unterwegs. Mehr als 40 Geschäfte – kleine Fachbetriebe ebenso wie große Discounter und Supermärkte – spenden mittlerweile täglich Lebensmittel, die nicht verkauft wurden. Dass Brot von gestern, Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern und Milchprodukte mit kurzem Haltbarkeitsdatum noch verzehrt werden können, bezweifelt niemand.

Dennoch setzt die Tafel hohe Richtlinien an die Qualität ihrer Waren: Mitarbeiter achten darauf, dass Kühlketten genau eingehalten wurden, das Mindesthaltbarkeitsdatum noch gilt, die Verpackung von Trockenware unbeschädigt und die Deckel von Konserven nicht gewölbt sind. Nur Fleisch und frischen Fisch nehmen die ehrenamtlichen Helfer nicht mit. „Diese Produkte können wir bis zur Verteilung nicht richtig lagern. Daher verzichten wir ganz darauf“, erklärt Tontarski.

Ort der Kommunikation

Was morgens eingesammelt wurde, ist bis 13 Uhr sortiert. Pünktlich um 16 Uhr öffnet sich die Tür zur Lebensmittelausgabe. „Meistens sind unsere Kunden jedoch viel früher da. Denn wir sind hier auch ein Ort der Kommunikation. Hier treffen sie sich unter Gleichgesinnten und finden schnell gemeinsame Gesprächsthemen“, beobachtet Baldus. Vinzenz K. kommt regelmäßig in die Mackestraße. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, dennoch reicht es jetzt nicht zum Leben“, sagt der 73-Jährige. Zu Hause wartet seine kranke Frau. „Ich weiß nicht, wie wir ohne die Tafel über die Runden kommen sollten. Das sind wirklich Engel, die hier arbeiten“, freut er sich. Heute packt ihm Christel Spilles, die auch mit ihren 79 Jahren regelmäßig bei der Tafel hilft, erst einmal zwei Stücke Kuchen ein. „Genießen Sie den mit ihrer Frau“, wünscht sie Vinzenz K.

Aktuell zählen meist Senioren, die von Altersarmut betroffen sind, alleinerziehende Mütter sowie kinderreiche Familien zu den Stammkunden. Jede Woche erhalten rund 4500 Bedürftige in Bonn Lebensmittel von der Tafel. Zudem werden 20 Kinder- und Jugendeinrichtungen (über 1600 Personen) mit Rohkost, Obst und Milchprodukten versorgt. Überdies zählen vier Seniorenbegegnungsstätten und fünf karitative Einrichtungen (300 Personen) zu den Kunden. „Etwa die Hälfte der Ware geht an 750 registrierte private Haushalte, die uns ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben“, so Baldus.

Aktion des Lions-Clubs

Pro Monat werden etwa 22 Tonnen Obst und Gemüse, 2500 Kilogramm Milchprodukte, 3000 Brote und 10.000 Brötchen sowie 1000 bis 3000 Kilogramm Konserven vor der Tonne bewahrt. Trotz des großen Angebots haben Marianne Baldus und Horst-Dieter Tontarski einen Wunsch. „Es wäre schön, wenn wir mehr Wintergemüse hätten. Und jetzt, vor Weihnachten, freuen wir uns über Süßigkeiten und Schokolade für die Kinder.“

Immer wieder setzen sich auch Organisationen und Unternehmen für die gute Sache ein. So wurden am Wochenende bei Rewe in Alfter sowie bei Edeka Mohr Lebensmittel gesammelt. Unter dem Motto „1 Teil mehr“ hatte der Lions Club Bonn-Venusberg bei Edeka Mohr eine Sammelaktion gestartet. Am Ende des Tages hatten die Kunden Nahrungsmittel im Wert von 2000 Euro gespendet.

Die Bonner Tafel freut sich immer über Unterstützung. Ehrenamtliche Helfer sowie Fahrer für die Transporter sind stets willkommen. Zudem werden jederzeit Sach- und Geldspenden entgegengenommen. Weitere Infos unter www.bonner-tafel.de