Auf Gesuch der Regierung Erdogan Türkischstämmiger Bonner in Bulgarien verhaftet

Bonn/Warna. Seit Sonntag sitzt der Bonner Mehmet Y. in Bulgarien in Haft. Auf einer Urlaubsreise mit seiner Frau wurde der 44-Jährige noch am Flughafen im Urlaubsort Warna festgenommen - auf Betreiben der türkischen Regierung.

Der Bonner Mehmet Y. sitzt seit Sonntag auf Betreiben der Türkei in Bulgarien in Haft. Wie am Dienstag bekannt wurde, wollte der Mann mit seiner Frau Gülsen Urlaub im Ferienort Warna machen. Doch der 44-Jährige wurde bei der Ankunft noch am Flughafen in Warna von der bulgarischen Polizei festgenommen, weil ein Haftbefehl der türkischen Behörden gegen ihn vorlag. Das Auswärtige Amt (AA) teilte dem GA am Dienstag auf Nachfrage mit, der Fall sei ihm bekannt. Die deutsche Botschaft in Sofia betreue Mehmet Y. konsularisch. Mehr war vom AA nicht zu erfahren.

Linken-Ratsherr Jürgen Repschläger ist mit Mehmet Y., der ebenfalls Mitglied der Linken-Partei in Bonn ist, befreundet und vermittelte dem GA den telefonischen Kontakt zur Ehefrau des Verhafteten. Gülsen Y. harrt zurzeit in dem Hotel in der bulgarischen Hafenstadt Warna an der Goldküste aus, in dem sie mit ihrem Mann ihren Urlaub verbringen wollte. Sie berichtete, ihr Mann sei 1999 in der Türkei in Abwesenheit zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden, weil er die verbotene Kurdenpartei PKK unterstützt haben soll. Zuvor habe man ihn unter Folter zur Aussage zwingen wollen.

„Man hat ihm aber nichts beweisen können und musste ihn freilassen. Trotzdem wurde er später verurteilt“, erzählt Gülsen Y., die ebenfalls aus der Türkei stammt, aber in Deutschland aufgewachsen ist. Mehmet sei daraufhin aus der Türkei nach Deutschland geflohen und habe zunächst in Würzburg gelebt. Dort habe er 2001 die Anerkennung als Asylbewerber erhalten. 2009 sei er deutscher Staatsbürger geworden.

„Eigentlich wollte mein Mann damals seinen türkischen Pass zurückgeben, das hat die Türkei aber abgelehnt.“ Als Begründung habe man ihm damals mitgeteilt, es liege ja ein Haftbefehl gegen ihn vor, auch habe er seinen Wehrdienst in der Türkei noch nicht abgeleistet.

Red Notice von Interpol

Die 31-Jährige ist nicht nur in großer Sorge um ihren Mann, sondern auch wütend. Sie habe erfahren, dass die Türkei über Interpol nach ihrem Mann suche, seitdem er in Deutschland eingebürgert worden war. „Wir wussten von dieser Red Notice von Interpol nichts. Wir sind doch schon in vielen Ländern in und außerhalb Europas unterwegs gewesen und hatten bisher nie Schwierigkeiten“, berichtet sie. „Ich verstehe überhaupt nicht, warum uns die deutschen Behörden nicht gewarnt haben“, klagt die Frau. Schließlich habe ihr Mann in der Vergangenheit beim Auswärtigen Amt nachgefragt, worauf er bei Auslandsreisen zu achten habe. „Wenn er das gewusst hätte, hätte er Deutschland überhaupt nicht mehr verlassen.“

Am Mittwoch solle ihr Mann dem Haftrichter vorgeführt werden. Man habe ihr gesagt, anschließend würden die türkischen Behörden informiert. Damit drohten ihrem Mann die Auslieferung in die Türkei und zwölf Jahre im Gefängnis. Gülsen Y.: „Die Haftstrafe wäre nächstes Jahr nach 20 Jahren verjährt gewesen.“

Hilfe aus Berlin erhofft

Die 31-Jährige, die sich in Warna und in Bonn sofort Anwälte genommen hat, hofft nun auch auf schnelle Hilfe aus Bonn, wo sie mit ihrem Mann in Lengsdorf wohnt. Diese Hilfe hat Jürgen Repschläger ihr auch zugesagt. Er wolle umgehend die Bonner Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne) und Ulrich Kelber (SPD) bitten, den Auswärtigen Ausschuss anzurufen, damit Mehmet Y. und seine Frau so schnell wie möglich nach Bonn zurückkehren können, sagte er dem General-Anzeiger. Repschläger: „Präsident Erdogan versucht doch zurzeit, alle Oppositionellen im Ausland einzusammeln und sie hinter Gitter zu bringen.“

Mehmet Y. hat einige Jahre den Kiosk an der Rathausgasse und anschließend einen Kiosk in Graurheindorf betrieben. Derzeit arbeitet er für die Caritas als Betreuer von unbegleiteten Flüchtlingskindern. Besuchen darf Gülsen Y. ihren Mann zurzeit nicht, auch nicht mit ihm sprechen. Sie ängstige sich sehr um ihn, sagt sie. Er erlebe im Gefängnis nun die Zeit wieder, als er damals in der Türkei im Gefängnis war und gefoltert wurde. Das habe nicht nur körperlich, sondern auch seelisch bei ihm deutliche Spuren hinterlassen.

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