Kommentar zum Melbbad

Suche nach Kompromiss

So sieht die bisherige Planung der Vebowag am Melbbad zur Trierer Straße aus, gegen die Bürger protestieren.

So sieht die bisherige Planung der Vebowag am Melbbad zur Trierer Straße aus, gegen die Bürger protestieren.

BONN. Die Bürgerinitiative hat einige nachvollziehbare Bedenken zur geplanten Bebauung am Melbbad. Die Stadt benötigt aber dringend bezahlbaren Wohnraum. Der Oberbürgermeister sollte versuchen eine Lösung zu finden, mit der alle Seiten leben können, kommentiert Philipp Königs.

Es ist kein seltenes Phänomen, dass Proteste von Bürgern gegen ein städtisches Projekt wie die geplante Melbbadbebauung an der Trierer Straße nicht sofort einsetzen, sondern erst später zum Tragen kommen. Nach der gerade beendeten Freibadsaison hätten in Poppelsdorf schon die Bagger rollen können, um die maroden Umkleiden abzureißen.

Die Pläne der Vebowag, dort knapp 100 Wohnungen zu errichten, sind ein Sonderfall: Der Paragraf 34 des Baugesetzbuches macht es möglich, dass aufgrund der vorhandenen Nachbarbebauung kein formales Bebauungsplanverfahren notwendig ist, das eine Bürgerbeteiligung automatisch beinhalten würde. Knapp ein Jahr nach der ersten Verlautbarung der Idee hätte es also losgehen können. Es ist im Nachgang müßig, darüber zu spekulieren, ob eine vorzeitige Bürgerinformation über das Vorhaben zur Beschwichtigung geführt hätte.

Konstruktiver ist es, darüber nachzudenken, ob und wie sich das bürgerschaftliche Engagement mit einer nachgeordneten Bürgerbeteiligung positiv umsetzen lässt. Oberbürgermeister Ashok Sridharan will mit Vebowag-Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage zeitnah ein Gespräch führen. Und es sollte das Ziel der Stadt sein, im Gespräch mit der Initiative einen Kompromiss zu finden, um dem Protest die Spitze zu nehmen.

Einige Bedenken der Initiative sind durchaus nachvollziehbar. Dafür müssten sich allerdings auch die Bebauungsgegner bewegen. Mietwohnungen in Großstädten sind für Normalverdiener kaum noch bezahlbar. Die Vebowag baut meist einen hohen Anteil Förderwohnungen. Man kann nicht oft genug betonen, dass die Stadt davon ausgeht, dass jeder zweite Haushalt vermutlich ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein und damit preisgünstige Wohnungen hat.