Kommentar zum Hardtbergbad

Sturm im Wasserglas

Die Schulkinder können sich derzeit nicht - so wie hier - im Hardtbergbad vergnügen.

Die Schulkinder können sich derzeit nicht - so wie hier - im Hardtbergbad vergnügen.

Bonn. Die Stimmung ist beim Thema Schwimmbäder in Bonn derzeit aufgeheizt. Beim Hardtbergbad trifft die Stadt aber keine Schuld, findet GA-Redakteur Philipp Königs.

Es kommt einem in diesen Tagen vor dem Bürgerentscheid so vor, als würden alle Dinge, die mit Wasser zu tun haben, an die große Bonner Bäderfrage geknüpft. Natürlich ist es wenig erfreulich, dass die Stadt das Hardtbergbad aus Sicherheitsgründen vorerst geschlossen hat. Aber Fakt ist zum jetzigen Zeitpunkt lediglich, dass die Abdeckung einer Lampe von der Decke gefallen ist. Das kann ein Problem sein, das sich schnell beheben lässt. Hoffentlich. In jedem Fall taugt dieses Beispiel nicht, um den Generalangriff auf die Verwaltung zu starten, sie vernachlässige die alten Bäder, um das neue Wasserlandbad durchzusetzen.

Die Verwaltung war es nicht, die es versäumt hat, rechtzeitig ein Bäderkonzept für die maroden Hallenbäder auf die Reihe zu bekommen. Dafür trägt die Politik, tragen die Ratskoalitionen in den unterschiedlichen Zusammensetzungen Verantwortung, weil sie sich viele Jahre vor einer Entscheidung gedrückt haben. Die Gelder für die Sanierungen von Hardtbergbad und Beueler Bütt – zusammen etwa 23 Millionen Euro – stehen jedenfalls zur Verfügung. Zumindest insofern die Politik nach dem Ausgang des Bürgerentscheids, über den die Bonnerinnen und Bonner von Anfang Juli bis zum 3. August abzustimmen haben, nicht ihren eigenen Beschluss aufhebt.

In der Summe kann man festhalten, dass derzeit mit Hardtbergbad, Beueler Bütt und Kurfürstenbad drei Hallenbäder und mit Derletalschule und Konrad-Adenauer-Gymnasium zwei Schullehrbecken geschlossen sind. Fünf von zehn Hallen- und Lehrschwimmbädern stehen also nicht zur Verfügung. Das wichtige Schulschwimmen kann zurzeit nur eingeschränkt angeboten werden. Dass ein Neubau auf dem Kurfürstenbad-Areal, wie ihn nun die SPD vorschlägt, diese Situation in nächster Zeit verbessern wird, kann man getrost bezweifeln. Für diese Idee gibt es weder eine politische Mehrheit noch auch nur ansatzweise eine Planung.