Die „Erstis“ sind da

Studienanfänger in Bonn finden kaum Wohnungen

Das Studentenwohnheim in Poppelsdorf.

Das Studentenwohnheim in Poppelsdorf.

Bonn. Mit mehr als 37.000 Studenten nähert sich die Bonner Uni wieder früheren Spitzenwerten. Gerade in den zentral gelegenen Stadtteilen verschärft das den Wohnungsmarkt. Für Entspannung sollen mittelfristig mehrere Neubauten sorgen.

Sie sind da. Und sie sind viele. Rund 4700 junge Leute beginnen in diesen Tagen ihr Studium in Bonn. Für viele der Neulinge gibt es seit Wochen nur ein Thema: Wo kann ich wohnen?

Auf über 37.000 steigt mit dem neuen Wintersemester die Gesamtzahl der hiesigen Studenten und nähert sich damit wieder den Werten der frühen 1990er Jahre. 39 000 Wohnheimplätze gibt es – in ganz Nordrhein-Westfalen.

Not macht erfinderisch – oder zumindest pragmatisch: „Wohnen in Niederbachem ist okay“, sagt die 19-jährige Franziska Schüler vom Niederrhein. In Bonn war ihre Suche nach einem Zimmer bislang erfolglos. Den Wohnungswechsel in Uninähe behält sie aber im Blick. Im neuen Jahr, wenn sich der Markt beruhigt hat, will sie es wieder versuchen und stellt sich gedanklich auf eine Wohngemeinschaft ein. Ein Blick auf die Internetseite „WG gesucht“ gehöre zweimal täglich zur Routine. Mindestens.

Auch wenn es kaum trösten mag: In Köln ist die Situation nicht besser. Hier hat der Asta jetzt eine Notfallschlafstelle eingerichtet. „Neben einem Raum zum Schlafen stehen auch Sanitäranlagen zur Verfügung. Bringt bitte zur Schlafstelle Schlafsack und euer Frühstück mit“, heißt es auf der Internetseite. Sie lebe derzeit „aus zwei Jutebeuteln“, sagt eine Studentin, die dank des umfunktionierten Partyraums nun wenigstens nicht ganz im Regen steht.

"Wir haben grundsätzlich Vollbelegung"

„So dramatisch wird es in Bonn nicht“, sagt Andreas Archut, Pressesprecher der Universität Bonn. Ausreichend Wohnheimplätze gebe es hier trotzdem nicht. Wie viele es genau sind, weiß Robert Anders, Pressesprecher des Bonner Studierendenwerks: Auf dessen aktuell 35 Wohnanlagen verteilen sich rund 3600 Plätze. Rund 300 fallen derzeit aus, weil ein Wohnheim in Auerberg renoviert wird. Es soll zum nächsten Wintersemester wieder zur Verfügung stehen.

Die Auslastung sei gut: „Wir haben grundsätzlich Vollbelegung“, sagt Anders. Besonders im Herbst sei die Nachfrage stets größer als das Angebot. Ab November würden die Wartelisten dann wieder kürzer. Darüber hinaus sollen Neubauten für Entlastung auf dem studentischen Wohnungsmarkt sorgen (siehe „Neue Studentenbuden“). Dazu kommen einige Hundert Plätze in nicht-universitären Einrichtungen wie bei kirchlichen oder freien Trägern, die in der Regel aber teurer sind. Auch studentische Verbindungen bieten Zimmer an. Doch auch viele der Landsmannschaften, Burschenschaften und Corps mit ihren altehrwürdigen Häusern in der Südstadt melden in den ersten Tagen dieses Semesters unisono: ausgebucht.

Internationale Studenten haben es schwer

Eine besonders schwierig zu vermittelnde Gruppe seien internationale Studenten, „weil sie nur wenige Chancen auf dem freien Markt haben“, so Archut. Woran das liegt? „Ich glaube einfach, wenn zum Beispiel ein indischer, englischsprachiger Student eine Anfrage aus seinem Heimatland heraus stellt, dann ist das für den Anbieter schwierig einzuschätzen“, meint Robert Anders. Fänden sie jedoch keine Wohnung, müssten sie im schlimmsten Fall unverrichteter Dinge wieder heimkehren, ohne ihren Studienplatz in Bonn angetreten zu haben, sagt Andreas Archut.

Für diese Gruppe seien die Wohnheimplätze deswegen besonders wichtig. Um internationale wie deutsche Studenten unterzubringen, beteiligt sich die Uni am Internetportal www.zimmerfrei-bonn.de. Jeder, der noch freien Wohnraum zur Verfügung hat, ist eingeladen hier zu inserieren, auch wenn es sich nur um ein Zimmer handelt. Der Asta betreibt außerdem das Projekt „Wohnen für Hilfe“: Dabei bieten Senioren, Familien, Menschen mit Behinderungen oder Alleinerziehende ein Zimmer im Tausch für Hilfe im alltäglichen Leben an.

Eine Lösung des Gesamtproblems bieten diese Ansätze natürlich nicht. Vielmehr gerät angesichts des überhitzten Marktes immer wieder die öffentliche Baupolitik in den Blick. Eine GA-Leserin verweist via Facebook beispielsweise auf das ehemalige Studentenwohnheim am Erzbergufer: „Das könnte doch wieder als solches genutzt werden“, sagt sie und hat kein Verständnis dafür, dass die Verwaltungsspitze stattdessen offenbar ein weiteres Bonner Hotel für nötig hält.

Gut, dass der Semesterstart für die Erstsemester immerhin allerlei Ablenkung bereithält. Und damit sind jetzt gar nicht die vielen Partys gemeint. Altehrwürdig und stilvoll verläuft traditionell die Eröffnung des Akademischen Jahres in der Aula der Universität (Mittwoch, 18. Oktober, 16.15 Uhr). Und am 26. Oktober haben die „Erstis“ gleich ihren ersten Termin beim Rektor. Dann nämlich lädt Magnifizenz Michael Hoch um 17 Uhr in Hörsaal I. Zum „Ersti Welcome“.