Autofreie Zone?

Streit um die Pützstraße in Kessenich

Pützstraße soll Fußgängerzone werden.

Pützstraße soll Fußgängerzone werden.

Kessenich. Der Abschnitt der Pützstraße zwischen Burbacher Straße und Hausdorffstraße soll möglicherweise zur Fußgängerzone werden. Aber nicht alle sind damit einverstanden.

Es sind keine 100 Meter auf der Pützstraße, gleichwohl sorgt das Teilstück zwischen Burbacher und Hausdorffstraße in Kessenich für Unstimmigkeiten. Es soll per Bürgerantrag zu einer Fußgängerzone werden. „Nach meiner Beobachtung ist der Zustand untragbar und gefährlich“, sagt Antragssteller Matthias Seiche. Vor allem zwischen 15 und 18 Uhr herrsche auf dem kurzen Stück reger Autoverkehr, teilweise würden die Autos in zweiter Reihe halten. Ein Großteil der Kunden käme allerdings zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Von der Umwandlung zur Fußgängerzone erhoffe er sich, dass die Pützstraße insgesamt attraktiver würde.

Genau das sehen die Ladenbesitzer allerdings skeptisch. Fällt der Auto- und Lieferverkehr weg, befürchten Geschäftsinhaber auch ein Ausbleiben der Kundschaft. „Es gibt viele ältere Leute, die mit dem Auto kommen“, sagt eine Verkäuferin aus dem Blumenladen. „Wir bekommen jeden Tag zwölf Lieferungen und die bekommen wir nicht alle zwischen 6 und 12 Uhr“, sagt Katja Dietrich, Inhaberin des Haushaltswarenladens „haushalt + co“, den sie seit 22 Jahren mit ihrem Mann betreibt.

Ladenbesitzer sind auf die Parkfläche angewiesen

Dort finden Kunden von der Stricknadel über Kochtöpfe bis hin zu Werkzeug sämtliche Haushaltsgegenstände. Dementsprechend groß ist die Zahl ihrer Lieferanten. Auch Manuela Deimann, Inhaberin des Blumenladens „Blumen und Deko“, ist darauf angewiesen, dass Autos weiterhin die Pützstraße befahren dürfen. Den ganzen Tag über halten Kunden vor dem Blumengeschäft, um ihre Bestellungen abzuholen. Daneben bietet sie einen Lieferservice an.

Ein ähnliches Problem haben auch anderem Inhaber. Unter den insgesamt 18 Geschäften ist ein Metallbaubetrieb und eine Postfiliale. Mit Stephan Sundermann vom Friseursalon „HLaden“ haben Dietrich und Deimann eine Initiative gegen die Umwandlung gestartet und einen Gegenantrag eingereicht. In den Geschäften sammelten sie bislang mehr als 600 Unterschriften gegen eine Ausweisung als Fußgängerzone.

„Der Antrag ist nicht gegen die Geschäftsleute gerichtet“, versichert dagegen Seiche. Mit ihnen soll eine gemeinsame Lösung für den Anlieferungsverkehr gefunden werden. Aber die genaue Regelung sei Sache der Bezirksverwaltung Bonn. Auch die wegfallenden zehn Parkplätze müssten an anderer Stelle kompensiert werden, dafür käme für Seiche etwa die Burbacher Straße als Ausweichort in Betracht. Über seinen Vorschlag habe er mit einigen Ladenbesitzern, Kunden und Anwohnern gesprochen. „Manche waren aufgeschlossen, andere weniger“, sagt er. Seine Onlinepetition auf www.puetzstrasse.de haben bislang 19 Personen unterschrieben.

"Wir haben rege Diskussionen"

„Diese kleine Straße hat Flair und man könnte sie so schön nutzen, um den Freizeitwert Kessenichs zu erhöhen“, schreibt eine Unterstützerin. Im Alltag auf der Pützstraße ist der Bürgerantrag Gesprächsthema Nummer eins. „Wir haben rege Diskussionen“, sagt Dietrich. „Die Umwandlung hat zunächst einen romantischen Aspekt. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es anders ist“, erklärt Marcel Butin vom „Stadtmarketing Kessenich – Förderverein“, der die Initiative der Ladenbesitzer unterstützt.

Vor ein paar Jahren war der Straßenabschnitt wegen Kanalbauarbeiten für den Verkehr gesperrt. In dieser Zeit verbuchten die Geschäftsleute Umsatzeinbußen von 30 bis zu 50 Prozent. „Bei schon gewachsenen Stadtteilen muss man schauen, dass man sie nicht zu ihrem Nachteil verändert“, sagt Jürgen Knees, Vorsitzender des Fördervereins. „Wir fühlen uns als Beteiligte nicht gefragt“, so Butin. Innerhalb des Vereins hatten sie ebenfalls eine interne Umfrage durchgeführt – die Mehrheit sei gegen die Fußgängerzone.

Den Bürgerantrag hatte Seiche schon im Sommer vergangenen Jahres eingereicht. Aufgrund von Personalmangel wurde dieser zurückgestellt. Fast ein Jahr später hat die Bezirksvertretung mehrheitlich beschlossen, die Verwaltung mit der Vorbereitung zu beauftragen. Der Bezirksvertretung soll dann eine Planung als Beschlussvorschlag vorgelegt werden. Die Bezirksvertretung wird nun zunächst in ihrer Sitzung am 5. September über den Gegenantrag entscheiden.

Zu einem Bürgergespräch auf der Pützstraße lädt der CDU-Ortsverband Dottendorf-Gronau-Kessenich für diesen Donnerstag, 18 Uhr ein, um über die Auswirkungen einer möglichen Umwandlung zu diskutieren.