Sanierung der Beethovenhalle

Streit um Kameras auf der Baustelle der Beethovenhalle

Vom Rheinufer aus mit einer Drohne fotografiert zeigt das Bild die Großbaustelle Beethovenhalle.

Vom Rheinufer aus mit einer Drohne fotografiert zeigt das Bild die Großbaustelle Beethovenhalle.

Bonn. Um die Sicherheit auf der Baustelle Beethovenhalle zu erhöhen, will die Stadt das Areal mit einer Videoüberwachung versehen. Der Rat hat dies jedoch wegen zu hoher Kosten abgelehnt.

Die Arbeiten zur Sanierung und Modernisierung der denkmalgeschützten Beethovenhalle schreiten voran. Damit einhergeht, dass mehr und mehr auch teure Gerätschaften und hochwertiges Material auf der Baustelle gelagert werden müssen. Das Städtische Gebäudemanagement (SGB) hatte deshalb im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Ratssitzung empfohlen, das bestehende Baustellensicherungskonzept um den Aufbau von Videokameras zu erweitern. Rund 100.000 Euro sollen die Kameras kosten. Der Rat indes lehnte mit Mehrheit ab.

Zurzeit werden dem SGB zufolge tagsüber Zugangskontrollen durchgeführt. Nachts ist auf dem Baustellengelände ein Wachmann unterwegs, der regelmäßig seine Runden dreht. Weil er naturgemäß nicht überall gleichzeitig auf der Großbaustelle sein kann, sollen zusätzlich Kameras installiert werden. Hintergrund sei, so geht aus der Vorlage hervor, dass sich in der Vergangenheit wiederholt unbefugte Personen, auch Jugendliche, Zutritt zur Baustelle und zum Gebäude verschafft hätten und es bereits zu Anzeigen gekommen sei. Laut Wachbuch habe es 2017 zehn Vorfälle gegeben, bei denen Personen auf das Baugerüst gestiegen oder auf den Kran geklettert seien. Auch habe der Wachmann Spritzbesteck und Schnapsflaschen auf dem Baustellengelände gefunden.

Zudem ist es nach Auskunft von Stadtsprecherin Monika Hörig bisher zu zwei großen Diebstählen auf der Baustelle der Beethovenhalle gekommen. Zum einen seien 90 Meter Kabel im Wert von 5000 Euro gestohlen worden, zum anderen seien bis zu 900 Liter Diesel abgepumpt worden.

„Durch das Überwachungssystem wird eine abschreckende Wirkung erzielt, und es ist eine sofortige Reaktion auf das Betreten durch Unbefugte möglich“, begründet das SGB. Die Kameraüberwachung der Baustelle sei bisher allerdings nicht Bestandteil des Auftrages der Sicherheitsfirma. Die Kosten müssten deshalb nachträglich bereitgestellt werden. Das bisherige Sicherheitssystem kostet laut Hörig rund 60 000 Euro.

Doch für das Gros der Stadtverordneten war die Vorlage mit zu vielen Fragezeichen behaftet, erklärte Angelika Esch (SPD) dem GA nach der Sitzung. „Wir können die Begründung, dass wir bei Diebstahl der Geräte als Stadt haften müssen, nicht nachvollziehen.“ Auch verstehe sie nicht, warum die Videoüberwachung nicht in der ursprünglichen Ausschreibung für den Auftrag enthalten gewesen sei. „Außerdem sind wir überzeugt, auch mit Videoüberwachung wird man potenzielle Täter nicht stellen können“, sagte Esch.

Während CDU und FDP der Vorlage zustimmten, votierte ihr Grünen-Koalitionspartner mit Nein und verhalf so den Gegnern zur Mehrheit. „Obwohl wir bereits im Vorfeld eine detailliertere Kostenaufschlüsselung gefordert hatten, ist man uns in der Ratssitzung diese Information schuldig geblieben“, kritisierte Grünen-Fraktionssprecherin Brigitta Poppe und stellt klar: „Wir haben aber den Antrag nicht abgelehnt, weil wir grundsätzlich gegen eine Videoüberwachung der Baustelle sind. Uns erscheinen aber die Kosten für die Kameras extrem hoch.“

Ins selbe Horn stößt Jürgen Repschläger (Linksfraktion): „Für die zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen per Videoüberwachung entstehen beträchtliche Zusatzkosten, ohne dass die Verwaltung aus unserer Sicht überzeugend darlegen konnte, warum die ursprünglich vorgesehene Sicherung nicht ausreicht.“ Marcel Schmitt (Bürger Bund) meinte, man könne die Baustelle auch vom Ordnungsdienst „bestreifen lassen“. Die Stadt soll nun mit den am Bau beteiligten Firmen verhandeln, ob sie sich an den Kosten für die zusätzliche Videoüberwachung beteiligen werden.

Und wie sehen Bauprofis das Thema Videoüberwachung von Baustellen? „In der Regel wird im Vorfeld der Bauarbeiten geklärt, was für die Sicherung einer Baustelle nötig ist“, sagte eine Mitarbeiterin der europaweit tätigen Goldbeck-Gruppe auf GA-Nachfrage am Mittwoch. Der Einsatz von Videokameras sei vor allem auf größeren Baustellen sinnvoll und habe zudem den Effekt, dass die Errichtung eines Bauprojekts von Anfang bis zum Ende dokumentiert werden könne. Für die Kosten kommt nach Angaben der Mitarbeiterin von Goldbeck normalerweise der Bauherr auf.