Lärchenstraße in Buschdorf

Streit um Busverkehr auf enger Straße

Demonstrieren gegen rasende Busse in der Lärchenstraße: (von links) Martina Peters, Ralf Peters, Felix, Ursula und Christian Eich.

10.09.2012 BONN. Anwohner klagen über zu hohes Tempo auf der Lärchenstraße. Vor allem die Buslinie 630 ist ein Dorn im Auge. "Wenn ein Kind plötzlich auf die Fahrbahn läuft, lässt sich ein tonnenschwerer Bus nicht rechtzeitig abbremsen", kritisiert zum Beispiel Ralf Peters. Beschwerden bei den Stadtwerken Bonn liefen ins Leere - bislang.

Ralf und Martina Peters machen sich Sorgen um ihre beiden kleinen Kinder. Die Familie lebt in einem Reihenhaus an der Lärchenstraße in Buschdorf. Wenn der Bus der Linie 630 an den geparkten Autos vorbeifährt, wird es eng auf der schmalen Anliegerstraße. Zu eng, findet Ralf Peters. "Wenn ein Kind plötzlich auf die Fahrbahn läuft, lässt sich ein tonnenschwerer Bus nicht rechtzeitig abbremsen", sagt der 41-Jährige. Das gelte besonders, wenn sich die Fahrer nicht an das vorgeschriebene Tempo 30 hielten - und das passiere oft.

Er sei selbst schon hinter dem Bus hergefahren, um das Tempo abzuschätzen. Beschwerden in der Stadtwerke-Zentrale hätten aber keine Besserung gebracht. Der Anwohner-Ärger in der Lärchenstraße ist eine von rund 6000 Eingaben, die pro Jahr bei den SWB einlaufen. Der Fall ist besonders schwierig, weil ein Teil der Anwohner die Busse am liebsten ganz raus hätte aus der Straße.

Die Linie 630 verkehrt seit drei Jahren alle 30 Minuten mit einer Taktverdichtung auf 15 Minuten zu Schulanfangs- und -endzeiten zwischen Tannenbusch und Post Tower. Vorher fuhr die Linie 663 durch die Lärchenstraße - allerdings nur in einer Richtung. Die Zahl der Busse pro Stunde stieg damit von höchstens drei auf bis zu acht. Diese Zunahme empfindet auch Ursula Eich als Zumutung. "Wir versuchen schon seit zwei Jahren, die Parteien für das Thema zu sensibilisieren", sagt die Anwohnerin. "Aber keiner reagiert." Genau wie Familie Peters fordert sie, die Busse über die rund 200 Meter entfernte Kölnstraße fahren zu lassen.

Das aber gehe aus Fahrplangründen nicht, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Fahrzeit würde um ein bis zwei Minuten verlängert, was den Anschluss an die Regionalbahn 23 am Duisdorfer Bahnhof gefährde. Da die Busse an der Endhaltestelle Agnetendorfer Straße schon jetzt nur fünf Minuten Wendezeit hätten, würde jede Verlängerung den Einsatz eines zusätzlichen Busses nötig machen - mit Kosten von 200.000 Euro pro Jahr. Die Stadt will aber prüfen, ob die Zahl der Fahrten durch die Lärchenstraße reduziert werden könnte.

Rolf Beu, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, hat wenig Verständnis für die Anwohner. "Mit dem Bus fahren wollen alle, aber Busverkehr vor der eigenen Haustür will keiner: Das ist egoistisches Denken." Eine Verlegung der Linie kommt für den Grünen-Politiker nicht in Frage. Die Klage über zu schnelle Busse haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben mit Hilfe der Positionsdaten aus dem Bus-Bordcomputer überprüft. "Dabei konnten wir keine Tempoüberschreitung feststellen", erklärt SWB-Sprecherin Veronika John.

Insgesamt nimmt die Zahl der Beschwerden bei den Stadtwerken ab, wie aus deren Statistiken hervorgeht. Seit 2008 fiel sie von knapp 7000 auf unter 6000 im Jahr. Die aktuellsten vorliegenden Quartalsdaten: Von Oktober bis Dezember 2011 registrierten die SWB 1606 Fahrgasteingaben; 1853 waren es im Vorjahreszeitraum. John: "Wir sind zufrieden mit dem Rückgang der Beschwerden, werden aber konsequent weiter daran arbeiten."

Die meisten Beschwerden betrafen mangelnde Pünktlichkeit, wenn Busse und Bahnen zu spät, zu früh oder gar nicht kamen (532 Nennungen). Weiterer Schwerpunkt: das Fahrerverhalten (380 Nennungen). Immerhin gingen die Beschwerden über einen unannehmbaren Umgangston von Fahrern zurück: von 114 Anfang 2011 auf etwa 50 pro Quartal.

Beschwerde-Brennpunkte:
Unpünktlichkeit: Besonders betroffen war im vierten Quartal 2011 die Linie 66, mit durchschnittlich 56 000 Passagieren pro Tag die meistgenutzte Bahn. Auch über die Linien 16, 18, 62 und 61 gab es viele Klagen. Bei den Bussen waren die Linien 600/601 und 604/605 auffällig, was die SWB auf Umleitungen wegen Baustellen zurückführen.

Überfüllt: Die Linie 601 in Richtung Venusberg war bei Stichproben morgens deutlich zu voll. Seit Januar 2012 fahre ein zusätzlicher Wagen auf dieser Strecke, so die SBW.

Und was meinen Sie dazu? Diskutieren Sie mit! (Andreas Baumann)