Bonner Zeitgeschichte

Stippvisite bei Kanzler Helmut Schmidt

Bonn. Auch sonntags werden ab sofort Führungen im historischen Arbeitszimmer im ehemaligen Bundeskanzleramt angeboten. Schmidts alter Schreibtisch und Aschenbecher stehen noch drin.

Das Buddelschiff darf natürlich nicht fehlen. Ebenso die Pfeife, die griffbereit an einem Aschenbecher auf dem Schreibtisch lehnt. „Es könnte genauso gut eine rheinische Sparkasse darin residieren“, bemerkte der neue Hausherr Helmut Schmidt als er vor 40 Jahren seine Arbeit im neuen Kanzleramt in Bonn aufnahm.

Aus dem nüchternen Raum machte er allerdings mit einigen persönlichen Einrichtungsstücken ein Arbeitszimmer, das eine ganz individuelle Handschrift trägt. Wie sehr die Möblierung und Ausstattung den Geschmack des damaligen Kanzlers widerspiegeln, davon kann sich jeder selbst überzeugen. Denn Bonner sowie Besucher der Stadt werden von nun an samstags und sonntags durch die frühere Schaltstelle nationaler und internationaler Politik geführt. Neben der bisherigen Möglichkeit Kanzlerarbeitszimmer sowie Kabinettsaal am Samstag zu besuchen, besteht jetzt auch die Option am Sonntag eine Stippvisite zum damaligen Kanzler zu machen.

Historische Stätte zieht Besucher an

„Mit diesem zusätzlichen Angebot reagieren wir auf die Nachfragen vieler Besucher“, erklärt Peter Hoffmann, Pressereferent der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Denn man habe beobachtet, dass sich viele Museumsbesucher spontan für eine Besichtigung der historischen Stätte interessieren. Gruppen bis 20 Personen werden jetzt an beiden Wochenendtagen geführt. Für die Begleitung um 13 Uhr müssen sich Interessierte an der Information im Haus der Geschichte melden, um 14 Uhr startet eine zweite Gruppe. Dafür kann per Telefon oder E-Mail ein Platz reserviert werden.

Das historische Arbeitszimmer von Helmut Schmidt ist mit vielen Originalmöbeln eingerichtet, dazu zählt auch sein Schreibtisch. Wichtige Weichen der deutschen Geschichte wurden daran gestellt, der große Tisch war Schauplatz bedeutender politischer Entscheidungen: Kanzler Schmidt führte hier die Krisensitzungen im „Deutschen Herbst“ 1977. Unter Helmut Kohl bot das Gebäude die Kulisse für entscheidende Gespräche im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung 1989/90. Gerhard Schröder arbeitete nur ein knappes Jahr in Bonn, dann zogen Parlament und Regierung nach Berlin. Nach umfassender Sanierung bekam der unter Denkmalschutz stehende Bau im Dezember 2005 mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen neuen Nutzer.

Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0228/9 16 54 00, Anmeldungen sind auf per E-Mail an besucherdienst-bonn@hdg.de möglich.